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Frank Schaefer (l.) ist seit Oktober 2010 Trainer des 1. FC Köln © getty

"Lebenswichtig" und "geil". Kölns Sieg gegen Nürnberg offenbart die Handschrift des Trainers. Beim Club herrscht Katzenjammer.

Von Barnabas Szöcs

München/Köln - Auf den späten Paukenschlag folgte der grenzenlose Jubel.

Spieler, Trainer und Betreuer lagen sich nach dem erlösenden 1:0 von Milivoje Novakovic unmittelbar vor dem Schlusspfiff in den Armen und feierten mit den Fans den Sieg über den 1 FC Nürnberg (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Doch schon wenige Minuten später rief FC-Trainer und Erfolgsbringer Frank Schaefer die gesamte anwesende Belegschaft zum Kreis zusammen und schwörte das Team - unter den anhaltenden Gesängen der Anhänger - auf das Kommende ein.

"An der Entwicklung des 1. FC Köln sind so viele Leute beteiligt, auch an dieser Ausgangsposition in dem so intensiven Abstiegskampf, in dem wir nach wie vor stecken", erklärte Schaefer die etwas ungewöhnliche Aktion:

"Es ist ganz, ganz wichtig, alle mit ins Boot zu nehmen."

Acht Punkte Vorsprung auf Relegationsplatz

Es war nicht nur wegen des Last-Minute-Treffers ein glücklicher Sieg, doch die Kölner haben ihn mit viel Willen erzwungen.

Nun ist die Lücke nach unten erheblich angewachsen, der FC kletterte auf Platz zehn und hat schon sieben Punkte Distanz zu Relegationsplatz 16.

Unter Schaefer ist der 1. FC Köln nicht nur zu einer funktionierenden Einheit gewachsen, die nun auch "dreckige Siege" feiert, wie Lukas Podolski den Erfolg nannte, sondern auch zu einer echten Heimmacht.

Sieben Heimsiege in Folge

Sieben Siege vor eigenem Publikum in Folge lautet die Bilanz der "Geißböcke", die einen neuen Vereinsrekord markiert.

Momentan scheint gegen Kölns Mannschaftsgeist und seine frenetischen Fans im RheinEnergieStadion kaum ein Team ankommen zu können.

Im System von Schaefer spielt jeder eine Rolle; Freudentänze und Höhenflüge sind nicht erwünscht.

"Wir brauchen jeden Einzelnen: jeden Spieler, jeden Betreuer und jeden Zeugwart. Bis zum 14. Mai brauchen wir jeden, um unser Ziel zu erreichen", beschwor er den Teamgeist.

Der Weg zur Rettung sieht auch der Coach geebnet: "Es war ein wichtiger Schritt, der uns erlaubt, dass wir das Ziel vor Augen haben."

So sah es auch sein Kapitän. "Der Dreier ist lebenswichtig, wir haben einen großen Schritt Richtung Klassenerhalt gemacht", erklärte Podolski.

"In der letzten Minute das Tor zu machen und diese Stimmung zu erleben, ist einfach geil." 373533(DIASHOW: Der 28. Spieltag)

Katzenjammer beim Club

Alles andere als "geil" war die Stimmung bei den unterlegenen Franken. Eine Unachtsamkeit reichte, um wenigstens einen verdienten Punkt aus der Hand zu geben.

"Man hat es gemerkt - die erste Mannschaft, die das Tor macht, gewinnt. Dass es in der letzten Minute passiert ist natürlich unglücklich und sehr bitter für uns", sagte Jens Hegeler, dessen Team nach fünf Auswärtsspielen ohne Niederlage wieder eine Pleite erleben musste.

Ein Sieg hätte für Nürnberg den Sprung auf den "internationalen" Platz fünf bedeutet, vor dem wichtigen bayerischen Derby gegen Bayern München sicherlich nicht unerheblich.

Zudem spielte dem Club alles in die Karten: Mainz und Hamburg holten nur Remis, Hannover 96 ging sogar bei Borussia Dortmund unter.

Entsprechend schlecht war die Stimmung hinterher bei Hegeler: "Wir hatten eine große Chance, hätten vorrücken können. Das haben wir nicht geschafft, das ist sehr ärgerlich. Wäre eine schöne Sache gewesen."

Jetzt Derby gegen Gladbach

Auch für Köln steht nun ein Derby an, doch Schaefer lockerte zur Feier des Tages ein wenig die Zügel:

"Heute freuen wir uns, danach konzentrieren wir uns aufs Spiel gegen Borussia Mönchengladbach. Jetzt lassen wir aber erst mal die Seele baumeln."

An die 0:4-Heimklatsche im Hinspiel erinnern sich die Kölner höchst ungerne. Laut Podolski war es "eine der bittersten Niederlagen".

Damals erlebte Schaefer die Pleite nassgeregnet wie ein begossener Pudel, sein Rauswurf schien schon besiegelt.

Noch immer ist sein Vertrag von den FC-Bossen nicht verlängert worden. Doch das dürfte nur eine Frage der Zeit sein.

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