vergrößernverkleinern
Angefeindet von den eigenen Fans: Bayern-Manager Uli Hoeneß © getty

Die Königsklasse ist in Reichweite, doch bei Bayern brodelt es an allen Ecken und Enden: Der Fan-Tumult ist nur ein Aspekt.

Von Christian Paschwitz

München - Was waren das doch für harmonische und stolze Momente beim FC Bayern im vergangenen Mai.

Wie eine vollauf von sich überzeugte Familie präsentierte sich der Rekordmeister auf allen Ebenen:

Spieler, Trainer, Vorstand, Fans - es herrschte große Zusammengehörigkeit.

"Wir sind die Besten! Von Deutschland, und vielleicht auch von Europa!", überschlug sich Trainer Louis van Gaal förmlich auf dem Münchner Marienplatz, mit der Meisterschale in der Hand.

Hass-Parolen der Anhänger

Nicht mal ein Jahr später ist bei den Bayern nichts mehr wie es war. Vielmehr liegt zum Ende einer Saison ohne Titel fast Alles im Argen. Nicht nur sportlich.

Jüngster Tiefpunkt der verkehrten Bayern-Welt: Beim 1:0 gegen Mönchengladbach rasteten einige Fans aus, wüteten mit Hass-Parolen gegen Präsident Uli Hoeneß.

Die Brandherde ziehen sich durch viele Bereiche des Klubs - SPORT1 gibt einen Überblick:

Mia-san-Mia futsch

Das Ego ist angekratzt. Trotz erstmals drei Liga-Siegen in Serie in dieser Saison (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Selbst der Mühsam-Sieg über das Schlusslicht, der die Bayern auf Rang drei und ihrem Minimalziel Champions-League näher gebracht hat, verschafft keine breite Brust.

"Leverkusen ist sieben Punkte voraus. Die machen einen stabilen Eindruck, da muss schon viel passieren", sagt Sportdirektor Christian Nerlinger, der die direkte Qualifikation für die Königsklasse schon aufgegeben zu haben scheint.

Bei SPORT1 winkt auch auch Kapitän Philipp Lahm ab: "In unserer Phase muss man zufrieden sein, wenn man die drei Punkte holt."

Einer der wenigen, die sich bei SPORT1 etwas aus der Deckung trauen, ist Mario Gomez: "Jetzt haben wir es selbst in der Hand."

Dagegen ist van Gaal seit Bekanntgabe seines Abschieds zum Saisonende von der Mia-san-Mia-Mentalität weiter entfernt - Gerüchte um seine Zukunft wuchern stark, das stört die Atmosphäre.

[kaltura id="0_2zded9h1" class="full_size" title="Fan Aufstand gegen Hoene "]

Van Gaal gedanklich schon weg?

"Der Klub ist wie ich: Selbstbewusst, dominant, arrogant, ehrlich, arbeitsam, innovativ - aber auch warm und familiär", hatte der Niederländer bei seinem Amtsantritt 2009 getönt.

Diese "Kultur passt mir wie ein warmer Mantel. Mia san mia. Und ich bin ich."

Seit aber klar ist, dass van Gaal gehen muss, wirkt van Gaal, als sehne er das Saisonende herbei.

"Heynckes kann es fertig machen"

Ein Abschied als Tabellenzweiter wäre zwar "noch schöner", sagte der 59-Jährige nach dem Gladbach-Spiel.

Aber notfalls müsse es eben sein Nachfolger richten in zwei K.o.-Spielen um den Einzug in die Gruppenphase der Königsklasse: "Wenn wir Dritter werden, haben wir unser Mindestziel geholt - und Jupp Heynckes kann es nächste Saison fertig machen."

Wenn's stattdessen doch in die ungeliebte Europa League ginge, dürfte van Gaal das nicht mehr wirklich kratzen.

Robben verweigert Bekenntnis

Auch Arjen Robben spielt offenbar mit dem Gedanken, München zu verlassen.

Bayerns "Lebensversicherung", Matchwinner auch gegen Gladbach, lässt seit Wochen durchblicken, wie sehr ihn die Situation nur noch nervt. Und dass es mit ihm die kommende Saison in der Europa League nicht geben wird ("Das ist das Schlimmste, was passieren kann.").

Umso doppelzüngiger klingt es, wenn Robben nun nach dem Gladbach-Spiel sagt: "Wenn es nicht läuft, muss man Charakter zeigen."

Der 27-Jährige selbst lehnt ein Bekenntnis zu den Bayern indes weiter ab: "Es ist schon soviel darüber gesprochen worden. Und ich will nicht weiter darüber reden."

Fan-Aufstand gegen Hoeneß

Dass Uli Hoeneß polarisiert, weiß er wohl selbst am allerbesten. Dass er jedoch zum Feindbild der eigenen Fans wird, ist neu für den personifizierten FC Bayern.

Der 59-Jährige wurde in der Allianz Arena übel beschimpft, musste sich Hass-Gesänge anhören und wurde auf Plakaten sogar als "Lügner" bezichtigt wegen der geplanten Finanzhilfe für den Lokalrivalen 1860 München.

Auch Hoeneß' Bemühen um einen Transfer von Manuel Neuer lässt den Anhang rebellieren. Schon beim DFB-Pokal-Viertelfinale gegen Königsblau und seinen Keeper war es zu Protesten gekommen. (342198DIASHOW: Koan Neuer)

Wer wird die Nummer 1?

Daran knüpft auch die Frage an, wer in der neuen Saison zwischen den Pfosten stehen wird, nachdem van Gaal in der Winterpause - trotz Irritationen der Bosse - Thomas Kraft für Jörg Butt als Stammkeeper etablierte.

Ein Freifahrtsschein für die Zukunft ist das nicht - vor allem dann nicht, wenn Neuer tatsächtlich käme.

Es verwundert wenig, dass Kraft zuletzt immer wieder deutlich machte, sich nicht auf die Bank setzen zu wollen, er deshalb auch ein Zwei-Jahres-Angebot der Bayern ausschlug.

Zumal nun auch die nationale Konkurrenz lockt wie offenbar der Hamburger SV, der einen Nachfolger für Frank Rost sucht.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel