vergrößernverkleinern
Christoph Daum (r.) ist in Frankfurt Nachfolger des entlassenen Michael Skibbe © imago

Der Eintracht-Coach verpasst einen Einstand nach Maß - und ist dennoch "mehr als hochzufrieden". Magath hadert mit dem Referee.

Von Olaf Mehlhose und Jürgen Blöhs

München/Wolfsburg - Bei seinem Bundesliga-Comeback mit Eintracht Frankfurt stahl Christoph Daum sogar seinem Gegenüber Felix Magath die Show.

Als der 53-Jährige vor dem Spiel beim VfL Wolfsburg nach 695 Tagen Bundesliga-Abstinenz den Platz betrat, wurde er minutenlang von Fotografen und Kameraleuten belagert.

Und beinahe hätte Alexander Meier dem exzentrischen Coach mit seinem Treffer (59.) einen Einstand nach Maß beschert. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Doch Mario Mandzukic (85.) gelang kurz vor Schluss noch der hochverdiente 1:1 (0:0)-Ausgleich für die nach Arne Friedrichs unberechtigtem Platzverweis (70.) in Unterzahl spielenden Wolfsburger.

Damit verbesserte sich der Meister von 2009 immerhin auf den 16 Platz.

Magath hadert mit dem Schiedsrichter

Deshalb durfte auch Magath ein wenig aufatmen - nach Jubel war dem Trainer aber überhaupt nicht zumute.

"Wir haben ein klares Abseitstor kassiert und einen unberechtigten Platzverweis hinnehmen müssen. Angesichts der Fehlentscheidungen des Schiedsrichters bin ich froh, dass wir noch einen Punkt geholt haben", wetterte der "Wölfe"-Coach.

Tatsächlich wurden die Wolfsburger von Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer nicht gerade bevorzugt:

Meier stand bei seinem Treffer im Abseits, allerdings lässt sich darüber streiten, ob aktiv oder passiv.

Friedrich: Platzverweis "ein Witz"

Auch der Platzverweis von Arne Friedrich war höchst fragwürdig: Nicht nur für den Innenverteidiger war dessen zweite Gelbe Karte, wie es Friedrich später bei SPORT1 ausdrückte, "ein Witz".

"Ich ärgere mich wahnsinnig, dass ich im nächsten Spiel nicht dabei bin", sagte der Nationalspieler weiter:

"Ich habe den Schiedsrichter fünf, sechs Mal gefragt, was ich getan habe, er wusste keine Antwort. Er wusste zwar nicht, dass ich schon Gelb hatte, aber das ist keine Entschuldigung."

Diegos Tätlickeit ohne Folgen

Allerdings ließen Magath und Friedrich bei ihrer Kritik am Unparteiischen unter den Tisch fallen, dass Diego, der Mandzukics Ausgleich mit einem schönen Pass einleitete, nach einer Tätlichkeit gegen Patrick Ochs kurz zuvor eigentlich vom Platz gemusst hätte.

"Diego ist ein Stinkstiefel. Er provoziert und redet 90 Minuten", stellte Ochs dem Brasilianer ein unrühmliches Zeugnis aus.

Abgesehen von seinem Aussetzer zeigte der Spielmacher allerdings eine starke Vorstellung und übernahm die von seinem Trainer geforderte Führungsrolle bei den "Wölfen".

Helmes als "Chancentod"

Wolfsburg muss sich jedoch ankreiden, dass Spiel nicht vorzeitig zu seinen Gunsten entschieden zu haben.

Die Magath-Elf dominierte die Partie über weite Strecken, aber im Abschluss fehlte der Mannschaft die Kaltschnäuzigkeit.

Allein Patrick Helmes scheiterte gleich dreimal (42./52./55.) freistehend vor dem gegnerischen Gehäuse.

Hier hakte auch Magath ein: "Wir hatten viele Torchancen, sind aber oft am Torwart gescheitert. Die Chancenverwertung war schlecht. Aber wenn man unten steht, dann fehlt die Sicherheit im Abschluss."

Dem ehemaligen Meister-Coach blieb damit auch im zweiten Spiel nach seiner Rückkehr ein Sieg verwehrt. Wolfsburg schwebt mit 28 Punkten weiterhin in akuter Abstiegsgefahr.

Daum: "Mehr als hochzufrieden"

Die Frankfurter verbesserten sich durch das Unentschieden auf Rang 13, haben allerdings auch nur vier Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz.

Doch Daum war trotz des späten Ausgleichs gegen dezimierte Wolfsburger angetan vom Auftritt seiner neuen Mannschaft.

"Ich bin mit diesem einen Punkt als Auftakt mehr als hochzufrieden", erklärte der Eintracht-Coach:

"Spielerisch können wir noch einiges verbessern. Wir haben mit Händen und Füßen versucht, das Ergebnis zu halten. Aber wichtig ist die kämpferische, läuferische Einstellung. Nur so kommen wir da unten wieder raus."

Meier: Glücklicher Punkt

Daum hatte vor dem Spiel "Leidenschaft, Begeisterung, Feuer, Power" von seinem Team gefordert - die Botschaft ist angekommen: Frankfurt verdiente sich das Remis durch großen Einsatz und eine gute Ordnung in der Defensive.

Auch die Spieler waren aufgrund des Spielverlaufs mit dem Punkt zufrieden. "Wenn ich ehrlich bin, war der Punkt sogar Glück. Andrerseits müssen wir den Vorsprung gegen zehn Mann über die Zeit bringen", sagte Torschütze Meier.

Ralf Fährmann, der seiner Mannschaft trotz einiger Wackler mit mehreren Paraden vor einem Rückstand bewahrte, ergänzte:

"Beide Mannschaften haben aufopferungsvoll gekämpft, wie sich das im Abstiegskampf gehört. Schade, dass wir so kurz vor Schluss den Ausgleich fangen. Aber ein Punkt ist ein Punkt, wir werden am Ende sehen, was er wert ist."

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel