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Mit Uli Hoeneß als Manager wurde der FC Bayern 16-mal Deutscher Meister © imago

Bayern-Präsident Hoeneß ist nach den Attacken der eigenen Fans schwer angeschlagen. Der "Kaiser" stärkt ihm den Rücken.

Von Daniel Rathjen

München - Am Samstag verschlug es ihm die Sprache.

Ausgerechnet ihm - Uli Hoeneß, dem Präsidenten des FC Bayern. Geknickt und desillusioniert saß er auf seinem Platz auf der Ehrentribüne der Allianz Arena.

Von den eigenen Fans wurde er beim 1:0 gegen Borussia Mönchengladbach beschimpft - der 59-Jährige ist das neue Feindbild der Südkurve (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Die rund 400 Mitglieder der "Schickeria", einer "Ultra-Gruppierung", machten ihrem Ärger über die finanzielle Unterstützung des Erzrivalen 1860 München und der geplanten Verpflichtung von Schalkes Manuel Neuer Luft.

Akribisch hatten sie die Hass-Attacke geplant. Und zugegeben: Die Mühe, die sie sich gegeben hatten, war so beschämend und peinlich wie deutlich sichtbar.

"Wer den Blauen Millionen zuschiebt, hat unser Vertrauen nicht verdient. Hoeneß, du Lügner", stand auf Transparenten. Oder: "TSV + Uli H. Restlaufzeit verkürzen."

Der 59-Jährige schwieg. Sein Vorgänger, "Kaiser" Franz Beckenbauer, kritisierte die Anhänger für ihr Verhalten dagegen scharf und forderte Konsequenzen.

Warum er?

"So kann man nicht mit Uli Hoeneß umgehen, der Bayern seit Jahrzehnten auf Erfolgskurs hält", wird der Ehrenpräsident in der "Bild" zitiert. Der Verein dürfe sich das nicht gefallen lassen.

Auch Bayerns ehemaliger Ministerpräsident Edmund Stoiber verurteilte das skandalöse Verhalten der Anhänger am Montag in einer Stellungnahme. "Echte Fans halten gerade in dieser entscheidenden Phase zusammen und greifen nicht auf unflätigste Weise Uli Hoeneß an, die Seele des Vereins", meinte Stoiber, Vorsitzender des Verwaltungsbeirats der Bayern.

Hoeneß sei "der Vater des sportlichen und wirtschaftlichen Erfolges. Er hat immer das Wohl und das Ansehen des FC Bayern im Blick. Zum Sport gehört Fair Play - die üblen Ausfälle vom Samstag haben in einer Sportarena nichts verloren."

Bayerns ehemaliger Trainer und Hoeneß-Freund Ottmar Hitzfeld sieht das ähnlich: "Das würde jeden von uns treffen. Uli ist einer, der sich immer für die Fans einsetzt. Ich hoffe nur, dass er ruhig bleibt und sich nicht von einer kleinen Gruppe verrückter Fans beeinflussen lässt."

Mitleid von Schneider

Selbst 1860-Präsident Dieter Schneider zeigte wenig Verständnis für den Fan-Aufstand beim großen Nachbarn. "Das bedauere ich sehr. Man kann so einen ehrlichen Menschen nicht als Lügner beschimpfen", betonte der 63-Jährige.

Den Aufstand in der Kurve hält Schneider für unangebracht. "Wir haben wirklich kein Geld vom FC Bayern bekommen." Die Bayern hätten nur Zugeständnisse gemacht, die kaufmännisch vertretbar seien.

[kaltura id="0_2zded9h1" class="full_size" title="Fan Aufstand gegen Hoene "]

Was stört die "Ultras", die sich selbst der Bewahrung des wahren Fußballs und dem Kampf gegen die totale Kommerzialisierung verschrieben haben, also? Was hat sie zu dieser Schärfe bewogen?

Eines steht fest: Dass Hoeneß zum Wohl des FC Bayern handelt, wenn er die "Löwen" erhalten will, sehen diese Fans nicht. Stürzt 1860 in die Pleite, verliert der deutsche Rekordmeister einen zahlenden Stadionmieter.

Stört Hoeneß' Stil?

Drei bis vier Millionen vom Nachbarn planen die Bayern jährlich ein - bis 2015. Ingesamt ist das eine stattliche Summe, die ansonsten selbst aufgebracht werden müsste.

Ein offener Brief, den die "Schickeria" vor kurzem veröffentlichte, zeigt jedoch die Wut, die die Fans trotzdem empfinden: "Für uns geht es hier um einen Tabubruch, um ein Sakrileg: Darum, einem Verein wieder Lebensatem einzuhauchen, der seit Jahrzehnten keinen anderen Existenzgrund mehr hat, als unserem FC Bayern und seinen Mitgliedern und Fans ans Bein zu pissen."

Ist es gar das Ziel, den Präsidenten zum Rücktritt zu drängen? Momentan verursachen die Angriffe auf den ehemaligen Manager jedenfalls nur Kratzer am Image des Vereins.

"Es ist eine Schande, wie sich Teile der Fans verhalten haben gegen einen Mann, der in den letzten 30 Jahren nichts anderes im Kopf und im Herzen gehabt als als den FC Bayern", echauffierte sich Nerlinger.

"Unter der Gürtellinie"

"Das war unter der Gürtellinie", fügte er in der "Bild" an und schimpfte: "Es kann nicht sein, dass sich dauernd so massiv in Vereinspolitik eingemischt wird, wo es um Millionen geht und das Wohl des FC Bayern!"

Nun wird der Verein reagieren. "Wie, das werden wir in Ruhe besprechen", sagte Nerlinger.

In jedem Fall muss die Kommunikation gesucht werden. Die 400 "Ultras" wieder zu beruhigen, wird Hoeneß? dringlichste Aufgabe als Präsident.

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