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Ein Schluck aus der Pulle - und dann gleich zum nächsten Trainer-Job? Der Ex-Stuttgarter Armin Veh © getty

Verblüffend offen analysiert Armin Veh seinen Rauswurf beim VfB - vielleicht auch deshalb, weil ihn Galatasaray locken soll.

Von Christian Paschwitz

München - Liegt es etwa daran, dass ihm angeblich schon ein neues Job-Angebot ins Haus steht?

Armin Veh jedenfalls darf nach Informationen türkischer Medien auf ein Engagement bei Galatasaray Istanbul hoffen - und geht ungemein offensiv um mit seiner Entlassung beim VfB Stuttgart.

Der 47-jährige Coach, der erst am Sonntag gefeuert worden war, meinte auf Nachfrage von Sport1.de zu dem Gerücht, er werde Nachfolger des in der Kritik stehenden Michael Skibbe:

"Ich sage dazu nichts, rufen Sie mich vielleicht in einer Woche wieder an." Ein Dementi hört sich anders an.

"An meiner Ehrlichkeit gescheitert"

Ansonsten gibt sich Veh redseliger. In der "Bild" erklärte der 47-Jährige kritisch in Richtung der VfB-Verantwortlichen um Manager Horst Heldt: "Ich bin auch an meiner Ehrlichkeit gescheitert. Aber ich finde es wichtig, sich auch eigene Fehler einzugestehen und diese zu analysieren."

Hintergrund: VfB-Kenner wie Ex-Nationalspieler Karl-Heinz Förster hatten Veh vorgeworfen, seinen Rauswurf beschleunigt zu haben - indem er nämlich zugeben hatte, für Fehleinkäufe verantwortlich zu sein.

"Damit hat er seinen Platz als Trainer nicht gefestigt", hatte Förster bei Sport1.de erklärt.

"Bringt nichts, sich in die Tasche zu lügen"

Veh bewertet das anders: "Es waren Aussagen, von denen ich glaube, dass sie sinnvoll sind. Ich glaube, es bringt nichts, sich in die Tasche zu lügen. Wer nicht hin und wieder die Wahrheit sagt, versteht die Wahrheit irgendwann nicht mehr. Der kommt dann auch nicht weiter..."

Bei den Fans kommt soviel Selbstreflexion offenbar gut an: Bis zum Dienstagmittag meinten immerhin 55 Prozent von rund 30.000 Sport1.de-Usern, Vehs Entlassung sei falsch.

Für den gebürtigen Augsburger wird sie möglicherweise nun aber sogar zum Sprungbrett zurück in die Champions League, deren Teilnahme Veh nach dem Gewinn der Meisterschaft mit dem VfB 2007 nicht mehr missen will, wie er in der Vergangenheit mehrfach betonte.

Skibbe vorm Abschuss

Der türkische Meister Galatasaray, Dauergast in der Königsklasse, soll bereits Kontakt zu Veh aufgenommen haben, nachdem die Unzufriedenheit mit Skibbe nach der Nullnummer bei Ankaraspor weiter gewachsen ist.

Laut "Turkspor" hat sich Istanbuls Präsident Adnan Polat nach wochenlanger Treue zu Skibbe angesichts von sechs Punkten Rückstand des Tabellenfünften auf Spitzenreiter Trabzonspor angeblich zur Trennung entschlossen.

Es wird sogar spekuliert, dass der neue Galatasaray-Coach bereits am Donnerstag im UEFA-Cup-Heimspiel gegen den ukrainischen Vertreter Metalist Charkow auf der Bank sitzt. Als Alternative zu Veh gelten Istanbuls rumänischer Ex-Coach Mircea Lucescu sowie Frank Rijkaard und Kroatiens Nationaltrainer Slaven Bilic.

Veh dürfte der Offerte keineswegs abgeneigt sein - sie müsste ihn vielmehr sehr reizen. Auf die Frage nach seiner Zukunft als Trainer antwortete er schließlich am Montag: "Es muss was Gutes kommen. Ich möchte die Chance haben, etwas zu erreichen." Mit Galatasaray hätte Veh beides.

Personalsorgen beim VfB

In Stuttgart werden die Probleme derweil auch für das Trainer-Interimsduo Markus Babbel (Trainerporträt) und Rainer Widmayer (Trainerporträt) nicht kleiner:

Sebastian Rudy (18), den Veh ins Reserve-Team verbannt hatte, erlitt im ersten Training nach seiner Rückkehr zu den Profis (Stuttgarts Kader) einen Kahnbeinbruch im linken Fuß und fällt mindestens bis zum Jahresende aus.

Und: Im UEFA-Pokal-Gruppenspiel bei Sampdoria Genua am Donnerstag (ab 20.15 Uhr LIVE) ist der Einsatz von Jens Lehmann (Spielerporträt) fraglich, der mit 38,8 Grad Fieber flachliegt.

Für den Ex-Nationaltorwart müsste dann der unerfahrene Alexander Stolz (Spielerporträt) spielen, der bisher noch kein Bundesliga-Spiel bestritt.

Hitzlsperger bleibt Kapitän

Umso mehr appelliert Babbel an den Teamgeist und kündigt eine kompromisslose Linie an: "Wer nicht mitzieht, kriegt Probleme mit mir."

Die Binde überlässt der 36-Jährige jedoch weiterhin dem zuletzt von Veh demontierten Thomas Hitzlsperger (Spielerporträt):

"Er bleibt Kapitän, ist aber als Nationalspieler in der Pflicht und muss mit gutem Beispiel vorangehen."

Die für die Bundesliga nötige Fußballlehrerlizenz strebt der als Teamchef hinter Widmayer fungierende Babbel (bisher nur A-Lizenz) übrigens nicht an: "Das ist ein Punkt, der mich nicht wirklich interessiert."

Im Fall Veh dürfte das für Galatasaray dagegen sehr wohl von Belang sein.

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