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VfB-Keeper Sven Ulreich hat noch bis 2013 einen Vertrag in Stuttgart © getty

Der Karriere von Sven Ulreich beim VfB Stuttgart drohte ein jähes Ende. Jetzt ist er der wichtigste Spieler im Abstiegskampf.

Von Daniel Michel

München - Erst hat ihn Trainer Bruno Labbadia ausrangiert, jetzt ist er der Retter: Sven Ulreich hält mit seinen Paraden den VfB Stuttgart im Abstiegskampf über Wasser und bekommt für seine Leistung Lobeshymnen von allen Seiten.

"Der Zuspruch freut mich natürlich", sagt Ulreich im Gespräch mit SPORT1.

Der 22-Jährige ist das Symbol für den Stuttgarter Aufwärtstrend und felsenfest überzeugt davon, dass der VfB die Klasse hält.

"Wir haben nur wenige Gegentreffer kassiert und uns als kompakte Einheit präsentiert. Im Abstiegskampf geht es nicht um Schönspielerei, sondern um Ergebnisse", betont Ulreich.

Und er fügt vor dem Abstiegsduell gegen Kaiserslautern (ab 18.15 Uhr im LIVE-TICKER) an: "Die Ergebnisse haben wir in den letzten fünf Partien erzielt und gegen Lautern wollen wir daran anknüpfen."

Die Saison hatte für Sven Ulreich unter Ex-VfB-Trainer Christian Gross gut begonnen: Der Torhüter sollte in die Fußstapfen von Jens Lehmann treten.

Doch unter der schwachen Hinserie der Stuttgarter mit nur zwölf Punkten und Tabellenplatz 17 hatte auch Ulreich zu leiden. Im Februar schenkte der neue Trainer Bruno Labbadia dem erfahrenen Keeper Marc Ziegler sein Vertrauen.

Ziegler verletzte sich

Ulreichs Schicksal schien besiegelt, doch er ließ sich nicht hängen.

Ziegler verletzte sich im Europa-League-Spiel gegen Lissabon und Ulreich erhielt eine neue Chance - die er nutzte. "Wir können uns in den letzten Wochen immer wieder beim Ulle bedanken", sagte etwa Verteidiger Serdar Tasci.

Rucksack abgelegt

Ulreich nimmt das Lob gerne an. "Der Zuspruch freut mich natürlich. Ich möchte mit Leistung überzeugen."

"Entscheidend war, dass er einen Riesen-Rucksack abgelegt hat, als wir ihn rausgenommen haben", erklärt Trainer Labbadia. Ulreich habe sich davor zu viele Gedanken um alles gemacht.

"Vielleicht habe ich auch vorher etwas wenig geredet", räumt Ulreich, ehemaliger U-17- und U-19-Nationaltorwart, ein. Denn das Trainer-Team begründete Ulreichs Herausnahme auch damit, dass er zu wenig dirigiere. "Das habe ich versucht, umzustellen."

Geholfen habe ihm auch Jens Lehmann. Seine Einschätzung zu hören, habe ihm gutgetan, sagt Ulreich (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Enke machte ihm 2008 Mut

Die Episode 2011 war nicht der einzige Rückschlag, den Ulreich im Kampf um die Nummer eins im VfB-Tor hinnehmen musste.

Ex-Trainer Armin Veh zog ihm 2008 Raphael Schäfer vor. Auch damals erhielt Ulreich Unterstützung von einem Top-Keeper:

Nationaltorwart Robert Enke rief ihn an, obwohl sich die beiden kaum kannten.

"Er hat mir Mut gemacht, wir haben eine halbe Stunde geredet", erinnert sich Ulreich an den verstorbenen Enke. "Das war das Beeindruckendste, was ich als Sportler erlebt habe."

Mit Fans im Einklang

Mit den VfB-Fans ist Ulreich im Einklang. "Ich hatte nie das Gefühl, dass unsere Fans mich kritisch betrachtet haben", sagt der Torhüter, der seit der E-Jugend bei den Schwaben spielt.

Dem hohen Druck im Abstiegskampf will Ulreich standhalten und nach Fehlern die Ruhe bewahren.

"Fehler passieren nun einmal. Aufgrund der Konstellation in dieser Saison können sie besonders hart sein", sagt Ulreich und fügt an: "Den Druck zu gewinnen, verspüren wir schon lange, da nach unserem schlechten Saisonstart klar war, in welche Richtung es gehen kann."

Ulreichs Extra-Schichten

Neben dem Mannschaftstraining macht der 1,89 große und 80 Kilo schwere Keeper Extra-Schichten. Mit Kinesiologin Angelika Bruna arbeitet er seit fünf Jahren zusammen.

"Wir arbeiten im mentalen, aber auch koordinativen Bereich. Das hilft mir extrem weiter", berichtet der Torhüter. Mit Entspannungstechniken sollen sich Muskelblockaden lösen und Energie freigesetzt werden.

Zudem absolviert Ulreich, der 2005 deutscher A-Jugendmeister wurde und mittlerweile 43 Erstligaspiele bestritten hat, Einheiten im Turn-Leistungszentrum.

Dort trainiert er mit dem ehemaligen Spitzen-Turner Klaus Nigl. "Es geht vor allem darum, Sprungkraft, Dynamik und Beweglichkeit zu verbessern", erklärt Ulreich.

Schwache Defensive

Dass es beim VfB in dieser Saison nicht läuft, liegt vor allem am Verhalten in der Defensive.

Mit 50 Gegentreffern ist die VfB-Abwehr die drittschwächste der Liga. Doch seit Ulreichs Comeback gegen Eintracht Frankfurt ist der VfB fünf Spiele in Serie ungeschlagen.

Gegen Lautern soll diese Serie Bestand haben.

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