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Felix Magath (r.) eroberte mit Schalke in der Vorsaison Platz zwei © getty

Vor dem Duell mit seinem Ex-Klub fliegen Felix Magath aus Gelsenkirchen reihenweise Giftpfeile entgegen. Der VfL-Coach bleibt cool.

Von Martin Volkmar

München - Es wird ein hoch brisantes Wiedersehen werden, so viel ist jetzt schon sicher.

Nur 24 Tage nach seiner Beurlaubung und der postwendenden Amtsübernahme beim VfL Wolfsburg kehrt der einstige Alleinherrscher Felix Magath am Samstag (ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) nach Schalke zurück.

Besonders freundlich wird der Empfang der heimischen Fans für den Ex-Coach, der die Anhängerschaft tief gespalten hatte, nicht ausfallen.

Und auch die Spieler werden mit dem Messer zwischen den Zähnen auf den Platz gehen.

"Wollen Wolfsburg weghauen"

"Jetzt kommt Magath nach Schalke, und wir wollen Wolfsburg schön weghauen", sagte Hans Sarpei nach dem Champions-League-Triumph bei Inter Mailand.

Für die meisten Schalke-Profis wäre es eine tiefe Genugtuung, wenn sie den selbst ernannten Schalker Meistermacher mit einer Niederlage möglicherweise zum Absteiger machen könnten.

Heftige Beschimpfungen

Denn wie SPORT1 aus Mannschaftskreisen erfuhr, hat Magath seinen Beinamen "Saddam", dem ihm einst Bachirou Salou bei Eintracht Frankfurt gab, auf Schalke alle Ehre gemacht.

Mehrfach soll der Coach Spieler, mit deren Leistung er nicht zufrieden war - so auch einen dunkelhäutigen Akteur (Name der Redaktion bekannt) - aufs Übelste beschimpft haben. In der Kabine brach der Spieler daraufhin in Tränen aus. Kein Einzelfall.

Moritz weint wegen Magath

"Christoph Moritz weinte in der Halbzeit in Freiburg seinetwegen in der Kabine", berichtete Jermaine Jones der "Sport Bild".

Und zu Hans Sarpei habe der Coach beim Champions-League-Spiel gegen Lyon laut Jones gesagt: "Das kannst du in Afrika machen, aber nicht hier."

Jones selbst, den Magath nach Aussage von Jones vor versammelter Mannschaft unter anderem "du Blinder" genannt haben soll, flüchtete im Winter zu den Blackburn Rovers.

[kaltura id="0_rbwwgi5t" class="full_size" title="Magath kommt zur ck"]

Jones: "Will ihn nie wiedersehen"

"Ich will Felix Magath nie wiedersehen. Die gemeinsame Zeit auf Schalke war unerträglich. Herr Magath hat mich weggeekelt", erklärte er nun.

So ähnlich denkt die Mehrheit des Teams. "Vergessen tut man nie, was war", sagte Sarpei mit spürbarer Verbitterung.

Noch deutlicher wurde Jefferson Farfan. "Wir wollen es Herrn Magath zeigen!", erklärte der Peruaner zum Tag der Abrechnung.

Farfan will lieber Steine schleppen

Unter Nachfolger Ralf Rangnick sei von vielen Spielern eine riesige Last abgefallen, so Farfan in der "Sport Bild": "Wir lachen endlich in der Kabine. Der psychische Druck von Herrn Magath ist weg. Bis vor kurzem lebten viele Spieler in Angst."

Daher wollte der Außenstürmer in der Winterpause eigentlich zum VfL Wolfsburg wechseln, wo er dann jetzt wieder Magath als Trainer hätte. Doch in diesem Fall hätte er seine Karriere beendet. "Ich hätte lieber in Peru Steine geschleppt und Erde umgegraben, als unter Herrn Magath zu spielen", sagte Farfan.

Wobei das "Quälix"-Programm des Trainers an manchen Tagen der Arbeit vielleicht sogar der Schufterei in einem Steinbruch nahe kam. So verbot er den Profis teilweise beim Training Wasser zu trinken.

"Hollerbach, mach mal die Aufstellung"

Massiv an die Substanz des Teams gingen aber vor allem die fehlende Kommunikation und die Disziplinierung durch extrem hohe Strafen.

"Nur wenn einer Strafen zahlen musste, war der Trainer kommunikativ. Das konnte er am Besten", erzählte Farfan. Ansonsten herrschte meist Schweigen.

Einmal kam Magath vor einem Punktspiel über eine Viertelstunde zu spät. Auch danach führte er vor der Mannschaft in der Kabine ein Telefongespräch noch minutenlang fort.

Als er fertig war, sagte er nach SPORT1-Informationen zu seinem Assistenten: "Hollerbach, mach' mal die Aufstellung und sorg' dafür, dass wir punkten" - stand auf und ging.

Magath reagiert gelassen

Magath sieht das generell nicht als unnormal an. "Ich spreche nicht mit meinen Spielern, das machen meine Assistenztrainer", hat er mehrfach zugegeben.

Auch sonst sind die schweren Vorwürfe für den 57-Jährigen aus der Luft gegriffen. "Ich kenne diese Spieler und weiß, wie ich das zu nehmen habe", sagte er.

Schon unmittelbar vor seinem Rauswurf, den Schalkes Ausfichtsratsboss Clemens Tönnies mit dem völlig zerrütteten Verhältnis zum Team erklärt hatte, hatte Magath seinen autoritären Führungsstil wortreich verteidigt:

"Dass ich kein Trainer bin, der den Spielern Zucker in den Hintern bläst, war schon vorher bekannt. Ich bin nicht derjenige, der die Spieler in den Arm nimmt, bin aber immer gesprächsbereit."

Die Schalker wollen ihm nun eine passende Antwort am Samstag auf dem Platz geben.

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