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Dieter Hecking absolvierte als Profi 36 Bundesliga- und 202 Zweitligaspiele © getty

Club-Coach Dieter Hecking spricht im Interview über die Chancen im Derby gegen die Bayern und den Abschied seiner Leihspieler.

Von Christian Stüwe

München - In Nürnberg könnte es dieses Jahr Ende Mai ein wenig langweilig werden.

Eisessen in der Sonne, eine Bratwurst vom Grill, aber irgendetwas fehlt: Das Zittern um den Club.

Sowohl 2009 als Zweitligist als auch 2010 als Drittletzter der Bundesliga musste der 1. FC Nürnberg in die Relegation.

Beide Male (2009 gegen Cottbus, 2010 gegen Augsburg) setzten sich die Franken durch.

Vor dem Derby gegen den FC Bayern am 29. Spieltag (Sa., ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) hat der Club diesmal aber schon 42 Punkte eingesammelt und den Klassenerhalt längst vorzeitig gesichert.

Im SPORT1-Interview spricht Trainer Dieter Hecking, Baumeister des Überraschungserfolgs, über die Chancen gegen die Münchner, die Niederlagen gegen Bremen und Köln und den Abschied der Leihspieler im Sommer.

SPORT1: Herr Hecking, das 182. Derby gegen den FC Bayern München steht an. Was macht Sie nach zuletzt zwei Niederlagen optimistisch, den Bayern ein Bein stellen zu können?

Dieter Hecking: Wir wissen um die Qualität der Bayern. Aber sie stehen nach wie vor unter Druck und müssen den dritten Tabellenplatz verteidigen. Sie dürfen überhaupt keine Punkte liegen lassen und werden hochmotiviert auftreten. Wir werden mit dem nötigen Respekt an das Spiel herangehen, aber natürlich bekommt man immer seine Chance. Und die Chance, die wir dann hoffentlich haben, wollen wir auch nutzen.

SPORT1: Sie sehen Ihre Mannschaft also trotz lediglich neun Punkten Rückstand auf Bayern in der klaren Außenseiterrolle?

Hecking: Wenn man den Kader individuell durchgeht, sieht man natürlich, dass der FC Bayern München die bessere Mannschaft hat. Wir müssen über die mannschaftliche Geschlossenheit kommen. Wenn wir das hinbekommen, sind wir unbequem. Man braucht sicherlich auch das nötige Glück an einem Tag, um die Bayern zu schlagen. Vielleicht ist am Samstag so ein Tag. Aber das müssen wir uns erarbeiten.

[kaltura id="0_9601v7xg" class="full_size" title="Hoene schockiert von Fan Wut"]

SPORT1: Haben Sie die mannschaftliche Geschlossenheit bei den Niederlagen gegen Bremen und Köln vermisst?

Hecking: Nein. Da muss man auch mal die Kirche im Dorf lassen. Dass unserer jungen Mannschaft mal zwei Niederlagen in Folge passieren können, wo sie nicht ganz so frisch ist, das ist doch normal. Die Mannschaft hat jetzt vier Fünftel der Saison am oberen Limit gespielt. Immer wieder, jedes Wochenende. Wenn dann zwei Spiele vorkommen, wo man, obwohl man nicht so gut spielt, auch noch Punkte hätte mitnehmen können, dann ist das Jammern auf sehr hohem Niveau. Man muss als 1. FC Nürnberg auch mal akzeptieren, dass die jungen Spieler in einem Tief sind.

SPORT1: Haben Sie ein wenig Sorgen, dass der jungen Truppe im Schlussspurt die Puste ausgehen könnte?

Hecking: Was heißt im Schlussspurt? Wir haben unsere Ziele doch jetzt schon erreicht, alles, was noch kommt, ist Zugabe. Wir sind so gut aufgestellt und trainiert, dass wir auch in den letzten sechs Spielen Vollgas geben können. Wir spielen noch gegen vier der ersten fünf Mannschaften der Tabelle, das ist kein leichtes Restprogramm. Da sind Siege nicht unbedingt einzufordern. Aber wir werden alles probieren, um erfolgreich zu sein.

SPORT1: Es fehlen nur drei Punkte zu Mainz 05 auf dem Europa-League-Platz. Inwiefern beschäftigt das Sie und die Mannschaft?

Hecking: Das beschäftigt uns nicht so, wie es von der Öffentlichkeit gesehen werden könnte. Wir betrachten jedes Spiel extra. Und wir haben die Mainzer noch hier im direkten Vergleich. Bis zu diesem Spiel wollen wir uns eine Ausgangsposition erhalten, mit der wir sie mit einem Sieg unter Druck setzen können. Wenn das gelingt, wunderbar. Aber ich glaube nicht, dass wir übermäßig neue Ziele definieren müssen.

SPORT1: Zurück zum Spiel gegen Bayern: Die Münchner konnten zuletzt gegen Gladbach nicht überzeugen. Arjen Robben hat einmal mehr den Unterschied gemacht. Ist es der Schlüssel zum Erfolg, ihn und Franck Ribery aus dem Spiel zu nehmen?

Hecking: Natürlich haben die beiden in der Bundesliga eine Extra-Klasse. Wenn sie gut drauf sind, sind sie schwer zu halten. Aber auch Mario Gomez, Bastian Schweinsteiger oder Thomas Müller sind Spieler, die eine Partie entscheiden können. Von daher sollten wir nicht nur das Augenmerk auf die beiden richten.

SPORT1: Julian Schieber ist wieder fit. Kann er Ihnen schon gegen die Bayern weiterhelfen?

Hecking: Es ist noch nicht entschieden, ob er auf der Bank sitzen kann. Er hat am Donnerstag das zweite Mal mit der Mannschaft trainiert. Wir werden uns zusammensetzen und besprechen, inwiefern ihm das Knie noch Probleme bereitet. Wenn er sich fit und glaubt, dass er der Mannschaft helfen kann, dann könnte ich mir vorstellen, dass er auf der Bank sitzt.

SPORT1: Schieber ist genau wie Mehmet Ekici ein ausgeliehener Spieler. Bereitet es Ihnen Sorge, dass die beiden wohl nächste Saison wieder zu Ihren Stammvereinen zurückkehren werden?

Hecking: Nein. Das muss man als Trainer des 1. FC Nürnberg einplanen. Wenn sie ihre Leistung gebracht haben, sind sie eben wieder interessant für ihre Stammvereine. Das ist ja auch der Sinn und Zweck des Ausleihgeschäfts: Einerseits haben sie uns sehr gut getan, aber auch für ihre Entwicklung war es genau der richtige Schritt. Der VfB Stuttgart und Bayern München können sich darauf freuen, die Spieler zurück zu bekommen. Sie gelten jetzt als gestandene Bundesliga-Spieler. Das ist für alle eine gute Situation.

SPORT1: Nürnbergs Ex-Trainer Hans Meyer hat kürzlich im SPORT1-Interview die "phantastische Mischung aus jungen Spielern und erfahrenen Leuten" gelobt. Ist das für Sie auch das Erfolgsgeheimnis des Clubs in dieser Saison?

Hecking: Es ist schon wichtig, dass man eine sehr gute Hierarchie in der Mannschaft hat. Das hat nach dem Bundesliga-Aufstieg vielleicht ein bisschen gefehlt, da war ein wenig Unruhe zwischen alt und jung. Mittlerweile machen die älteren Spieler einen phantastischen Job. Aber sie verstehen sich nicht nur als diejenigen, die kommandieren. Sie versuchen die jungen Spieler zu führen und ihnen zur Seite zu stehen, wenn sie gebraucht werden. Es macht wirklich Spaß, sie ihm Umgang mit den jungen Spielern zu beobachten.

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