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Arjen Robben (2.v.r.) redet nach Abpfiff auf Schiedsrichter Knut Kircher ein © imago

Der Niederländer erweist Bayern mit seiner Roten Karte einen Bärendienst. Er entschuldigt sich. Der Trainer muss sofort gehen.

Aus Nürnberg berichtet Daniel Rathjen

Nürnberg - Er war der Einzige beim FC Bayern, der permanent Gefährlichkeit versprühte (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Doch Arjen Robben war beim 1:1 (1:0) am Samstag beim 1. FC Nürnberg (Spielbericht) auch oft auf sich allein gestellt.

Nach dem Schlusspfiff brannten dem Niederländer dann die Sicherungen durch.

Der Frust über das Resultat platzte aus ihm heraus, wutentbrannt stapfte er auf Knut Kircher zu und beschimpfte ihn. Der Schiedsrichter zückte sofort Rot 376809(DIASHOW: Der 29. Spieltag).

"Da fielen Worte, die in den Bereich der Beleidigung gehen", berichtete der Unparteiische.

"Ich habe mich sofort entschuldigt"

Unmittelbar danach kühlte Heißsporn Robben wieder herunter und ihm wurde klar, dass er seinem Team mit seinem undisziplinierten Verhalten keinen Gefallen getan hatte.

In der entscheidenden Schlussphase der Saison, in der der auf Platz vier abgerutschte Rekordmeister um die Qualifikation für die Champions League kämpft, fehlt er nun - voraussichtlich zwei Spiele. (EINWURF: Ohne Robben Richtung Europa League)

"Ich habe mich sofort entschuldigt und hoffe, dass die Strafe nicht so schlimm ausfällt", erklärte ein reuiger Robben in der Mixed Zone gegenüber den Journalisten.

Robben sauer

Er bereut seinen Fehler, der Frust über das Resultat war ihm allerdings noch anzusehen.

Dem Superstar, der das 1:0 durch Thomas Müller in der vierten Minute glänzend vorbereitet hatte, stank es mächtig, dass letztlich zwei Punkte verschenkt wurden, weil Christian Eigler nach einem derben Patzer von Thomas Kraft noch den Ausgleich erzielte (60.).

Ein Punkt trennen die Münchner nun vom Dritten Hannover 96. Es kristallisiert sich immer mehr heraus, dass Robben im Falle des Verpassens der europäischen Königsklasse den Verein um seine Freigabe bitten wird.

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Van Gaal doch vorzeitig weg

Für Trainer Louis van Gaal ist die Zeit in München sogar schon vor Saisonende vorüber. Noch am Samstagabend traf sich der Vorstand mit Präsident Uli Hoeneß zu einer Krisensitzung.

Noch am Abend fiel die Entscheidung: Der Niederländer muss sofort gehen!

Die Entscheidung wurde van Gaal um kurz vor 23 Uhr am Samstag telefonisch mitgeteilt, was gegenüber SPORT1 von einem Mitglied des Trainerstabs bestätigt wurde.

Jonker übernimmt

Mit ihm wurden auch der bisherige Torwarttrainer Frans Hoek sowie Video-Analyst Max Reckers und Trainingsphysiologe Jos van Dijk freigestellt.

Nun greift Plan B: Als Interimstrainer - so kristallisiert es sich heraus - wird Andries Jonker von jetzt an das Sagen haben, Hermann Gerland ihm assistieren.

Vorwurf an Mitspieler

Van Gaals Landsmann Robben verweigerte zuletzt immer wieder ein klares Bekenntnis. Momentan ist er unzufrieden.

"Ich bin zum FC Bayern gekommen, um Champions League zu spielen. Dafür muss man 200 Prozent geben", moserte er.

Das kann durchaus auch als Kritik oder indirekter Vorwurf an die Mitspieler verstanden werden.

Gomez kontert

Torjäger Mario Gomez wollte das nicht auf sich sitzen lassen. "Es ist sicherlich nicht jeder mit 100 Prozent Selbstvertrauen ausgestattet, aber am Einsatz liegt es nicht", stellte er klar.

Zudem kritisierte Gomez Robbens Ausraster: "Das ist erstens keine Art, und zweitens darf das nicht passieren."

Auch Trainer Louis van Gaal machte dem Team keinen Vorwurf. "Es ist natürlich sehr enttäuschend, wir hätten noch mehr machen müssen. Aber Nürnberg hatte bis auf das Tor auch nicht viele Chancen", resümierte er.

Vielmehr fuchste ihn die Rote Karte für Robben. "Ich weiß nicht, was er gesagt hat, aber er wird schon etwas gesagt haben, wenn er sich entschuldigt. Eigentlich muss er sich unter Kontrolle haben", monierte der Niederländer.

Van Gaal nimmt Kraft in Schutz

Im nächsten Spiel, am kommenden Sonntag, wenn sein Team Bayer Leverkusen empfängt, fehlt ihm zudem Holger Badstuber, der gegen Nürnberg seine fünfte Gelbe kassierte.

Der Verteidiger wollte sich nach dem Spiel nicht äußern und zog schnell seine Kapuze auf. Dass Keeper Thomas Kraft weiterhin das Bayern-Gehäuse hütet, dürfte indes klar sein. Van Gaal - zu diesem Zeitpunkt noch Trainer - nahm ihn in Schutz.

"Spieler sind Menschen und Menschen machen Fehler. Natürlich hat mein Vertrauen auch Grenzen, aber zuvor hat Thomas Kraft noch nicht so viele Fehler gemacht", betonte er.

Insgesamt beurteilen die Münchner die Situation als "schwierig". "Natürlich ist die Lage kritisch", sagte auch Kapitän Philipp Lahm und fügte an: "Aber die Mannschaft wird alles tun, um Platz drei noch zu erreichen."

"Beim Kampf um Platz fünf dabei"

Während er und seine Kollegen mit Sorgenfalten in den Bus gen Heimat stiegen, waren die "Clubberer" hochzufrieden.

"Wir haben gut Druck gemacht und die Bayern kamen nicht so ins Spiel, das Remis geht in Ordnung", fand Torschütze Christian Eigler.

Sein Trainer Dieter Hecking sah das ähnlich: "Wir haben uns ins Spiel zurückgebissen und meine Spieler sind für ihren läuferischen Mehraufwand belohnt worden."

Die Frage zu den Europa-Ambitionen stellte er sich selbst und beantwortete sie euphorisch: "Wir haben Punkte gutgemacht, wir sind beim Kampf um Platz fünf dabei!"

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