vergrößernverkleinern
Jakub Blaszczykowski (l.) erzielte in der 90. Minute den Ausgleich beim HSV © getty

Der Tabellenführer feiert den Punktgewinn in Dortmund wie einen Sieg. Klopp outet sich als Fan. Sein Gegenüber erhält Rückenwind.

Hamburg - Gelernt ist eben gelernt - als Jakub Blaszczykowski in der Nachspielzeit traf, war Jürgen Klopp nicht mehr zu halten.

Wie einst zu Mainzer Zeiten als Außenverteidiger legte Borussia Dortmunds Coach einen sehenswerten Sprint an der Seitenlinie hin und ließ dabei alle Anspannung hinter sich (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

"Ich bin eben nicht nur Trainer von Borussia Dortmund, sondern auch ein Fan meiner Mannschaft", sagte Klopp nach seinem Emotionsausbruch.

Ob das Tor des polnischen Nationalspielers zum 1:1 (0:1) beim Hamburger SV ein "Big Point" oder ein Rückschritt auf dem Weg zum Titel war, war dem 43-Jährigen dabei herzlich egal 376809(DIASHOW: Der 29. Spieltag).

"Wichtig war mir vor allem, dass wir unsere Art Fußball auch in Hamburg auf den Platz gebracht haben. Alles, was da passierte, waren wir. Und darüber hinaus fahren wir nicht mit leeren Händen nach Hause."

Hochverdientes Unentschieden

Das hochverdiente Unentschieden in der mit 57.000 Zuschauern ausverkauften Hamburger WM-Arena war ein schwarz-gelbes Lehrstück, wie sich technisch feiner und taktisch glänzender Fußball ergänzen sollten.

Die Gäste behielten ihr Konzept auch nach dem Rückstand durch einen von Ruud van Nistelrooy verwandelten Foulelfmeter (39.) unbeirrt bei.

Und als der HSV zwölf Minuten vor Schluss Mittelfeldspieler Änis Ben-Hatira durch eine Gelb-Rote Karte verlor, zog sich die Schlinge um den Hals der Gastgeber mehr und mehr zu.

Subotic kennt den Unterschied

"Wir verlieren in einer hektischen Schlussphase nicht mehr die Linie, sondern bleiben dominant. Genau das ist der Unterschied zu früheren Jahren", analysierte Neven Subotic.

Sportdirektor Michael Zorc lobte die Fähigkeit der Mannschaft, Fehler zu beheben und anschließend die Dinge besser zu machen: "Wir haben uns in der ersten Halbzeit nur mit dem Spielen begnügt, dann aber die notwendige Konsequenz entwickelt."

Und hätten nicht Torpfosten, Querlatte und HSV-Keeper Frank Rost gleich mehrfach im Wege gestanden, der neue Bundesliga-Rekord mit zwölf Auswärtssiegen in einer Spielzeit wäre gefallen.

"Günstiges" Restprogramm

So aber bleiben die Westfalen "nur" Kandidat Nummer eins auf den Meistertitel, es wäre der erste für den BVB seit 2002.

Das Restprogramm meint es gut mit den Westfalen.

Drei von fünf Spielen finden vor eigenem Publikum statt, eine Top-Mannschaft ist nicht mehr unter den verbliebenen Gegnern.

"Wie eine Niederlage"

Das kann der HSV nicht von sich behaupten.

Schon das Nordderby am nächsten Samstag gegen Hannover 96 könnte so etwas wie eine letzte Chance auf die Qualifikation für die Europa League sein, zumal der HSV sein letztes Auswärtsspiel beim Champions-League-Aspiranten Bayer Leverkusen bestreiten muss.

Folgerichtig schlichen die Platzherren trotz ansprechender Leistung mit hängenden Köpfen vom Rasen.

Mittelfeldspieler David Jarolim: "Dieses Ergebnis fühlt sich wie eine Niederlage an."

Oennings Chancen steigen

Trainer Michael Oenning ärgerte sich mehr über den Zeitpunkt des Ausgleichs als über das Resultat an sich.

"Immerhin haben wir einen Punkt gegen den kommenden deutschen Meister geholt", sagte der Coach, um nach einem Blick auf die Tabelle dann doch einzuschränken: "Ein Sieg hätte uns gutgetan."

Man wäre nämlich bis auf einen Zähler an den fünftplatzierten FSV Mainz 05 herangerückt.

Eine Rückkehr des HSV auf die internationale Bühne würde auch Oennings Aussichten auf einen Verbleib in der Hansestadt verbessern.

Unter der Woche kam es in London zwar zu einem Gespräch mit dem im Sommer als Sportdirektor nach Hamburg wechselnden Frank Arnesen, doch noch ist eine Entscheidung nicht gefallen.

Van Nistelrooy stützt den Trainer

Immnerhin: Einen prominenten Fürsprecher hat der einstige Assistent des mittlerweile beurlaubten Armin Veh in Torschütze van Nistelrooy.

"Oenning arbeitet gut, er hat die Qualitäten eines Cheftrainers."

Bloß Pech für den 45-Jährigen, dass "Van The Man" die Hanseaten zum Saisonende verlassen wird.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel