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Einige S04-Fans konnten sich Seitenhiebe auf den Ex-Trainer nicht verkneifen © getty

Nach der Niederlage in Gelsenkirchen gibt sich der VfL-Trainer unterkühlt. Die S04-Fans empfangen den Ex-Coach mit Gleichmut.

Von Thorsten Mesch

München/Gelsenkirchen ? Als Schiedsrichter Peter Sippel um 17.20 Uhr das Spiel in der Schalker Arena abpfiff und die 0:1-Niederlage seiner Mannschaft damit besiegelt war, stand Felix Magaths sofort auf und verließ den Innenraum 376809(DIASHOW: Der 29. Spieltag).

Seine ehemaligen Spieler tanzten ausgelassen vor ihren Fans und feierten den dritten Sieg im dritten Spiel unter Magaths Nachfolger Ralf Rangnick.

Als Magath einige Minuten später vor die Kameras trat, wirkte der Trainer des VfL Wolfsburg, der vor dreieinhalb Wochen beim FC Schalke 04 entlassen worden war, betont sachlich ? und dabei fast schon unterkühlt.

"Natürlich war das Spiel etwas nicht ganz Alltägliches", sagte Magath in Bezug auf seine Rückkehr nach 24 Tagen bei LIGA total!

"Aber dennoch war es ein Bundesligaspiel und es ging um drei Punkte. Mir wäre es lieber, wir könnten es noch einmal spielen."

"Abstiegskampf heißt Absteigen"

Da die Deutsche Fußball-Liga Magaths Wunsch aber sicher nicht nachkommen wird, bleiben die Wolfsburger mit 28 Punkten auf dem Relegationsrang. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Entweder sei seine Mannschaft "den Abstiegskampf nicht gewohnt und hat dadurch Hemmungen", sagte Magath, "oder der eine oder andere Spieler hat nicht begriffen, was es heißt: Abstiegskampf oder Absteigen."

Sollte der FC St. Pauli am Sonntag bei Bayer Leverkusen punkten, würden die Niedersachsen sogar auf Platz 17 abrutschen.

S04-Fans halten sich zurück

"Die Abstiegsgefahr haben wir in Wolfsburg schon seit ein paar Wochen, sonst wäre ich ja nicht da", meinte Magath.

Ebenso scheinbar emotionslos wie der Wolfsburger Coach seine Kommentare abspulte, hatten die Schalker Fans den ehemaligen Trainer der Königsblauen empfangen.

Einige wenige hielten zwar Plakate ("Zweite Liga - Magath ist dabei" oder "Felix, du Wurst") hoch, in der Schlussphase gab es ein paar Gesänge ("Siehst du, Magath, so wird das gemacht"), aber das war es auch schon.

Magath tritt nicht mehr nach

Er nehme "die Dinge so, wie sie grad eben kommen", erklärte Magath, der sich vor dem Spiel zu den Vorwürfen aus dem Schalker Spielerkreis wegen seines Umgangs mit den Profis nicht hatte äußern wollen.

"Wenn ich ein Engagement beendet habe, trete ich nicht mehr nach und beschäftige mich nicht mit der Vergangenheit", hatte Magath betont ? und auf seinen Anteil am Aufwind der Schalker verwiesen.

"Ich sehe einen Verein, der fast Pokalsieger ist und mit anderthalb Beinen im Halbfinale der Champions League steht. Ich wäre froh, wenn wir mit dem VfL Wolfsburg in den nächsten beiden Jahren ähnlich große Erfolge hätten."

"Wichtigster Sieg" für Schalke

Während Magath mit Wolfsburg aus drei Spielen nur zwei Punkte holte und damit den schlechtesten Start seiner Trainerlaufbahn hinlegte, feierte sein Nachfolger den dritten Sieg im dritten Spiel.

"Großes Kompliment, dass die Mannschaft nach dem Spiel am Dienstag so eine Energieleistung abgeliefert hat", sagte Rangnick. "Von den drei Siegen war es nicht der wertvollste, aber der wichtigste."

Wichtiger also auch als der 5:2-Triumph im Champions-League-Viertelfinale bei Inter Mailand.

"Knappen" machen Klassenerhalt klar

Warum genau dieser Dreier so bedeutsam war, wollte der Coach nicht sagen: "Das können die Medien interpretieren."

Vermutlich war der Erfolg über seinen Vorgänger schon eine Art Genugtuung.

Zumal Schalke nun elf Punkte Vorsprung auf Magaths Team und somit mit dem Abstiegskampf nichts mehr zu tun hat.

Rangnick zufrieden

Schließlich war die Partie gegen Wolfsburg für Rangnick aus einem anderen Grund etwas Besonderes.

Es war sein erstes Heimspiel als Schalke-Trainer seit seiner berühmten "Ehrenrunde" im Jahr 2005, nach der er damals entlassen worden war.

"Natürlich war es ein Start, wie er besser kaum geht. Aber es war ein Start, und jetzt geht es darum, weiter zu machen", betonte Rangnick bei LIGA total! und richtete den Blick schon auf das Rückspiel gegen Inter am kommenden Mittwoch.

Königsblau vor "historischer Chance"

"Wir haben eine historische Chance und es lohnt sich, in den nächsten drei, vier Tagen dafür alles zu investieren", meinte der Coach.

"Ralf Rangnick hat ja beim letzten Mal als Trainer auf Schalke die ersten sechs Spiele gewonnen. Dann kann ja noch was möglich sein", sagte Kapitän Manuel Neuer.

Auch Aufsichtsratschef Clemens Tönnies war voll des Lobes für Rangnick. Dieser habe es "in kurzer Zeit geschafft, die Köpfe freizubekommen und die Moral zu stärken."

Lob von höchster Stelle

Die Entscheidung, sich von Magath zu trennen und Rangnick zu verpflichten, sei die richtige gewesen, erklärte Tönnies.

"Wir haben es richtig gemacht, wir haben uns im Vorhinein sehr viele Gedanken gemacht, und im Nachhinein fühlen wir uns bestätigt, dass alles richtig war."

Die Rückkehr des geschassten Magath nahm der Klubchef bei LIGA total! ganz gelassen: "Ich trage ihm nichts nach, wir sind clean miteinander."

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