Van Gaals Rauswurf hatte sich angedeutet und kam zum letztmöglichen Zeitpunkt. Die Ursachen für das Aus liegen auf der Hand.

Der FC Bayern hat die Reißleine gezogen und Louis van Gaal vor die Tür gesetzt (zum Artikel) - dafür gibt es nur einen Grund: Die nackte Angst, gepaart mit Enttäuschung und Wut.

Nach dem mageren Remis in Nürnberg und dem erneuten Abrutschen auf Rang vier ist sie prekär. Denn das Ziel, die Qualifikation für die Champions League, steht an oberster Stelle.

Das Aus des Niederländers hatte sich angedeutet.

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Letztlich bewahrheitet sich nun das, was viele geahnt hatten, als van Gaal zur "lahmen Ente" abgestempelt wurde.

Er schaffte es nicht, der Mannschaft wieder Selbstvertrauen einzuimpfen, sie zu stärken, er erreichte sie nicht mehr. Seine Autorität hatte gelitten. Zuletzt stand kaum ein Profi noch bedingungslos hinter ihm.

Bei Pressekonferenzen wirkte er, nachdem klar war, dass er am Saisonende sowieso geht, beinahe teilnahmslos, irgendwie gleichgültig. Am vergangenen Freitag äußerte er sich - erstmals in seiner Ära beim Rekordmeister - nicht öffentlich vor einem Spiel. Das stand im krassen Gegensatz zu seinem Verhalten zuvor.

Wahrscheinlich nahm auch er die Tendenz wahr.

Ausschlaggebend für das Scheitern der Ehe zwischen dem FC Bayern und dem General van Gaal war zu einem großen Teil der Streit mit Präsident Uli Hoeneß, der ihm im TV vorwarf, "beratungsresistent" zu sein.

Der Vertrauensbruch war für van Gaal nicht mehr zu kitten, der Platz an der Säbener Straße wurde zu klein für die beiden stolzen Hirsche.

Trotz des Scheinfriedens von Cluj war der Konflikt nie abgeklungen. Streitpunkte gab es genug.

Die oftmals riskante Spielweise unter van Gaal missfiel Hoeneß. Und die Degradierung von Butt wirkte auch noch nach.

Am deutlichsten sichtbar wurden die Unterschiede schließlich in der Vereinsphilosophie. Van Gaal sieht sich als Ausbilder, als Entdecker und Förderer von Talenten.

Die Bosse vertreten die Meinung: "Der FC Bayern ist kein Ausbildungsverein. Er muss Erfolg haben."

Weitere Siege, kleine Lichtblicke wie das 6:0 gegen den Hamburger SV, kamen zwar. Doch Platz zwei geriet dennoch außer Reichweite, das unnötige Aussscheiden gegen Inter erhöhte den Frustfaktor zusätzlich.

Dennoch: Es bleibt auch viel Gutes von van Gaal in Erinnerung. Er war es, der den FC Bayern in der Saison zum Double führte, mit einer durchdachten Spielweise, die es so vorher in München noch nicht gab.

Mit seiner Mannschaft sammelte er Sympathiepunkte in ganz Deutschland, wurde zum "Feierbiest" und verliebte sich in die Stadt. Thomas Müller und Holger Badstuber blühten unter seiner Regie auf, Bastian Schweinsteiger reifte im defensiven Mittelfeld zur Weltklasse.

Bei allem Verständnis für den Rauswurf sollte das nicht vergessen werden.

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