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Mike Hanke (M.) hat bereits fünf Gladbacher Tore vorbereitet © imago

Nach dem fulminanten Heimsieg über Köln schöpft die Borussia wieder Mut. Die Gäste verzweifeln an ihrer Auswärtsschwäche.

Von Tobias Wiltschek

München/Mönchengladbach - Vor dem Derby gegen den 1. FC Köln hatte sich Gladbachs Trainer Lucien Favre ungewohnt martialisch geäußert:

"Wir brauchen noch vier Siege aus sechs Spielen - sonst sind wir tot." (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

So gesehen bleibt den Borussen nach dem beeindruckenden 5:1-Heimerfolg über den rheinischen Rivalen die Hoffnung, am Leben zu bleiben.

Es war der höchste Bundesliga-Heimsieg der "Fohlen" seit dem 5:1 gegen 1860 München am 15. Oktober 1997.

Nach den Niederlagen von Wolfsburg auf Schalke (Spielbericht) und St. Pauli in Leverkusen (Spielbericht) beträgt der Rückstand auf den Relegationsplatz 16 nur noch zwei Punkte. 376809(DIASHOW: Der 29. Spieltag)

Gelungenes Torwart-Debüt von ter Stegen

Angetrieben von Marco Reus und Mike Hanke fegten die Gladbacher den Gast förmlich aus dem Borussia-Park.

"Egal ob 1:0 oder 5:1 - wir wollten das Spiel gewinnen, und das haben wir geschafft. Wir sind noch Letzter und dürfen nur auf uns schauen", erklärte Reus.

Ganz nebenbei bereiteten sie damit ihrem jungen Torwart Marc-Andre ter Stegen ein mehr als gelungenes Bundesliga-Debüt.

"Er war sicher und ruhig"

Der 18-Jährige vertrat den verletzten Stammtorwart Logan Bailly überzeugend. "Er war sicher und ruhig und hat ein gutes Spiel gemacht", erklärte Favre.

Ansonsten hatte der Youngster einen relativ ruhigen Nachmittag.

"Man hat heute gesehen, dass wir unbedingt wollen", sagte der zweifache Torschütze Reus, der mit seinem sehenswerten Distanzschuss zum 3:0 (39.) für den Höhepunkt der Partie sorgte.

Wichtiger aber war die Führung durch Juan Arango zehn Minuten zuvor.

"Nach dem 1:0 hatte die Mannschaft mehr Vertrauen. Das hat sich nach den beiden folgenden Toren noch gesteigert", wies Favre auf die Bedeutung von Arangos drittem Saisontreffer hin.

Hanke: "Letzte Chance genutzt"

Mike Hanke, der die ersten drei Tore vorbereitet hatte, zeigte sich nach dem deutlichen Lebenszeichen seines Teams erleichtert:

"Das war heute unsere letzte Chance, die haben wir genutzt. Das war enorm wichtig für uns."

Nach dem Führungstor hatten die Gastgeber leichtes Spiel und ließen sich nur in der Anfangsviertelstunde der zweiten Halbzeit ein wenig aus dem Konzept bringen.

Die Kölner kamen wütend aus der Kabine und schöpften nach dem 1:3 durch Milivoje Novakovic (50.) noch einmal Hoffnung.

Sorgenfalten bereite dieser Treffer dem Gladbacher Coach jedoch nicht. "Du musst immer ruhig bleiben, alles andere bringt nichts", meinte der Schweizer.

"Das hat die Mannschaft auch nach dem Kölner Tor gezeigt."

Kölner lassen Köpfe hängen

Die Treffer durch den verwandelten Handelfmeter von Kapitän Filip Daems (65.) und Havard Nordtveit (67.) brachen den Gästen endgültig das Genick.

Wie schon bei der 2:6-Klatsche in Hamburg vor drei Wochen hatten die Kölner Spieler aber bereits nach dem ersten Gegentreffer die Köpfe hängen lassen.

"Bis zum Tor haben wir wenig zugelassen", sagte Trainer Frank Schaefer, der durch den Einsatz von drei defensiven Mittelfeldspielern das "Zentrum kompakter" gestalten wollte.

Doch auch diese Maßnahme fruchtete nicht. Schaefer sieht mittlerweile ein mentales Problem bei seinem Team:

"Die Auswärtsthematik steckt wohl so in den Köpfen der Spieler drin, dass wir nach dem Tor richtig wegbrechen."

Elfte Auswärtspleite

In Mönchengladbach kassierten die "Geißböcke" schon ihre elfte Niederlage auf fremdem Platz. Lagen sie auswärts zurück, setzte es immer eine Pleite.

Bei der Borussia hissten die Kölner schon zehn Minuten nach dem 0:1 die weiße Fahne.

"Ich kann mir das nicht erklären. Wir alle können uns nur bei den Fans entschuldigen", rätselte ein bitter enttäuschter Lukas Podolski.

"Wenn jeder kämpft, dann läuft es, aber wenn wir immer nur diese langen Bälle spielen, kriegen wir halt auf die Fresse."

Jajalo und Matuschyk gesperrt

Zu allem Überfluss müssen die Kölner in der nächsten Partie gegen den VfB Stuttgart auf die beiden gelbgesperrten Mato Jajalo und Adam Matuschyk verzichten.

Noch ist der Klassenerhalt trotz des Vorsprungs von sieben Punkten auf den Relegationsplatz nicht geschafft.

Für die Kölner gab es an diesem bitteren Nachmittag nur einen Trost: Gegen die Stuttgarter dürfen sie wieder zuhause ran - dort, wo sie die letzten sieben Spiele gewonnen haben.

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