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Louis van Gaal holte 2009/2010 das nationale Double mit dem FC Bayern © imago

Der Niederländer erfährt auf der A9 von seinem Rauswurf. Jonker beeindruckt. Butt soll zurück ins Tor. Details einer Entlassung.

Vom FC Bayern berichtet Daniel Rathjen

München - Am Montag tauchte er noch einmal unerwartet an der Säbener Straße auf.

Wohl, um sich noch einmal offiziell von der Mannschaft zu verabschieden.

Louis van Gaals Schicksal war schon am Samstagabend besiegelt worden - irgendwo zwischen Nürnberg und München.

Bayerns Sportdirektor Christian Nerlinger bekam einen Anruf, nickte kurz und informierte dann Louis van Gaal.

Der Chefcoach habe nach der Ankunft an der Säbener Straße noch einen Termin in der Vorstandsetage, teilte er dem Niederländer mit. Dieser verstand sofort: Das bedeutet das Aus.

Er ergriff umgehend das Mikrofon und richtete sich an die Mannschaft.

"Ich muss gleich zu meinem Vorstand. Ich denke, es ist deshalb vielleicht das letzte Mal, dass ich als Trainer zu Ihnen spreche. Danke für die Zusammenarbeit. Ich wünsche Ihnen viel Glück und Erfolg", soll er laut "Bild" mit lauter Stimme gesagt haben.

Die Profis, bei denen sich zuletzt große Unzufriedenheit mit dem "General" breitgemacht hatte, schwiegen betreten (die Hintergründe der Entlassung).

Diskussionen auf der A9

Das Gespräch im dritten Stock der Geschäftsstelle soll dann lediglich drei bis vier Minuten gedauert haben.

"Er hat es professionell hingenommen. Es war emotionslos", beschrieb der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge, der das Wort führte, die Reaktion van Gaals.

Den Entschluss, ihn schon vor Saisonende zu feuern, hatten die Bosse ebenfalls auf der Autobahn gefasst (KOMMENTAR: Die nackte Angst der Bosse).

Frust über Gesamtlage

Nachdem sie nach dem enttäuschenden Remis beim Club in der Kabine bei der Mannschaft waren (Spielbericht), ließen sich Rummenigge, Präsident Uli Hoeneß und Finanzvorstand Karl Hopfner in einer schwarzen Audi-Limousine nach München fahren, diskutierten die ganze Zeit.

Letztlich stand für sie fest: Die Ära von van Gaal beim Rekordmeister ist beendet. Zu schwer wogen Frust über die sportliche Situation und personelle Maßnahmen, die der Trainer im Alleingang getroffen hatte (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

[kaltura id="0_nlrmpcye" class="full_size" title="Das Ende f r van Gaal"]

"Mit der Butt-Entscheidung ging die ganze Scheiße los!", polterte Hoeneß am Sonntag.

Er ist der Überzeugung, dass durch die Beförderung von Thomas Kraft eine Kette von Problemen in Gang gesetzt wurde, wodurch "der ganze Verein durcheinander geraten war" und an dessen Ende es nur den Rauswurf geben konnte.

Es gilt als sicher, dass der neue Interimstrainer, Andries Jonker, am Sonntag im Topspiel gegen Bayer Leverkusen wieder auf Routinier Jörg Butt baut.

Jonkers erste Änderungen

Der bisherige "Co" wird laut Rummenigge "das Gute übernehmen und Dinge verändern, die veränderungswürdig sind" (Jonker-Porträt: Raus aus dem Schatten).

Eine Änderung drückte der bei den Spielern beliebte Niederländer sofort durch: Das Training startet nicht wie sonst um 11.30 Uhr, sondern bereits um 10 Uhr.

Wahrscheinlich denkt Jonker auch über ein System mit zwei Stürmern nach, vor allem weil Arjen Robben rotgesperrt fehlen wird.

In seiner Antrittsrede, von der die "tz" berichtet, kündigte der 50-Jährige an, nun zunächst Vertrauen schaffen zu wollen.

"Kommunikation verbessern"

"Das ist auch für mich keine einfache Situation, weil ich sehr lange mit Louis van Gaal zusammengearbeitet habe. Ich werde nicht von einem Tag auf den anderen alles verändern", sagte er.

Danach fügte er an: "Ich möchte die Kommunikation untereinander verbessern. Wenn einer ein Problem oder eine Frage hat, kann er jederzeit zu mir kommen. Es braucht keiner Angst zu haben."

Vor van Gaal zitterten die Spieler zuletzt. Sie fühlten sich blockiert von dessen starrem Positionsspiel, waren von ständigen Videositzungen entnervt. Zudem bildeten sich viele Grüppchen.

Dass keine Einheit existierte, drückte sich in den Resultaten aus. Die Stars Robben und Franck Ribery machen seit Wochen "ihr Ding". Bei den Jungen wie Holger Badstuber herrschte große Verunsicherung.

Die Kapitäne Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger haben das längst registriert, doch gelang es ihnen nicht wie der von van Gaal zum AC Mailand vergraulte Mark van Bommel, die Mannschaft zusammenzuhalten.

Jetzt ist van Gaal weg - möglich, dass sich diese Befreiung positiv auswirkt.

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