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Jupp Heynckes ist seit Juli 2009 Trainer bei Bayer Leverkusen © getty

Leverkusens Trainer meint, dass Bayer im Titelkampf noch alles zuzutrauen sei. Außerdem lobt er den BVB und kritisiert den DFB.

Leverkusen - Jupp Heynckes sprengte die Etikette.

Alle Spieler und Verantwortlichen von Bayer Leverkusen schienen ihre zurückhaltenden Aussagen von demselben Blatt abzulesen, dann kam der Trainer und plauderte ganz locker über den Titel.

"Alles ist möglich. Meiner Mannschaft ist alles zuzutrauen. Wir müssen jedoch alle fünf Spiele gewinnen, wenn noch etwas passieren soll", sagte Heynckes nach dem mühsamen 2:1 (Nachbericht) gegen den FC St. Pauli.

Als der Mann zu Bayern München zu wechseln, der Leverkusen vom "Meisterfluch" befreit hat, das wäre schon was.

"Habe es schon einmal geschafft"

Ein Beispiel für ein Duell Spitz auf Knopf kramte Heynckes dann auch umgehend aus seinem reichhaltigen Erfahrungsschatz.

"Ich habe das einmal mit Borussia Mönchengladbach geschafft. Aber ich weiß nicht, ob man das wiederholen kann", sagte der 65-Jährige.

1971 hatte er mit der Borussia Bayern München das Nachsehen gegeben, mit vier Siegen und einem Unentschieden aus den letzten fünf Spielen.

Heynckes sprachlos

Apropos Bayern: Über die Neuigkeiten bei seinem künftigen Klub verlor Heynckes kein Wort.

"Ach, nein", sagte er nur, ließ sich dann aber zumindest entlocken, dass "wir auch in München gewinnen wollen. Es ist nie einfach dort, denn die haben 18 Superspieler. Aber wir sind gut beieinander, wir können auch Spiele drehen. Meine Truppe hat eine Supermoral!"

Am Sonntag kann Heynckes also den Bayern schon einmal zeigen, wie man eine Mannschaft vernünftig einstellt.

Oder wie man den Sieg einwechselt, wenn alles schief läuft - wie gegen St. Pauli. "Joker" Lars Bender (77.) erlöste Bayer mit dem Siegtor, nachdem Stefan Kießling (66.) die Gästeführung durch Charles Takyi (58.) ausgeglichen hatte (Spielbericht).

"Der BVB macht Spaß"

Dennoch sind es noch fünf Punkte Rückstand auf Borussia Dortmund.

"Ich schaue mir schon an, wenn sie Fußball spielen. Das ist ja nicht schlecht, das macht schon Spaß", sagte Heynckes.

Aber sonst befasse er sich nicht mit dem BVB - denn der habe sowieso "alle Trümpfe in der Hand".

Heynckes wirft Wettbewerbsverzerrung vor

Zumindest die direkte Champions-League-Qualifikation ist so gut wie sicher, aber auch das war am Sonntagabend nicht das Lieblingsthema des Bayer-Trainers.

Er sprach lieber über St. Pauli und warf dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) eine Wettbewerbsverzerrung im Zusammenhang mit dem "Geisterspiel" für den Kiez-Klub vor.

"Das Strafmaß ist sehr, sehr extrem. Ich hätte mir gewünscht, die Sperre in die nächste Saison zu verlegen und nicht jetzt den Wettbewerb zu verzerren", sagte Heynckes.

"Senden Lebenszeichen"

In diesem Moment hellte sich die düstere Miene von Holger Stanislawski ein wenig auf. Wieder einmal hatte seine Mannschaft ordentlich gespielt, wieder gab es keine Punkte.

Seit dem Derbysieg beim Hamburger SV hat St. Pauli alle sieben Spiele verloren.

"Dennoch haben wir ein Lebenszeichen gesendet - für uns selbst und jeden Einzelnen, der an den FC St. Pauli glaubt. Wir sind noch da, und wir wollen nicht absteigen!", sagte Stanislawski.

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