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Andries Jonker arbeitet seit Sommer 2009 für den FC Bayern © getty

Andries Jonker soll den FC Bayern in die Champions League bringen. Die Torwartfrage lässt der neue Chefcoach noch offen.

Vom FC Bayern berichtet Daniel Rathjen

München - Louis van Gaal ist endgültig weg.

Auf Einladung von Andries Jonker, dem bisherigen Co-Trainer und jetzigem Chefcoach des FC Bayern, konnte sich der Niederländer am Montagmorgen noch einmal offiziell von der Mannschaft verabschieden.

In den verbleibenden fünf Spielen trägt nun Jonker die Verantwortung für Aufstellung und Einstellung.

Seine Mission ist klar definiert: Die Qualifikation für die Champions League, also mindestens Platz drei, muss um jeden Preis geschafft werden.

Jonker hofft auf neue Einheit

Mit einem fröhlichen "Guten Mittag!" begrüßte der 48-Jährige bei seiner Vorstellung die an der Säbener Straße versammelte Presse.

Im weißen Trainingsanzug saß er auf dem Podium, seine Worte waren klar, sein Deutsch im Vergleich zu seinem Vorgänger besser (KOMMENTAR: Die nackte Angst der Bosse).

"Ich bin davon überzeugt davon, dass wir unser Ziel schaffen werden. Das geht jedoch nur, wenn alle zusammen wirken: Fans, Spieler, Stab, Vorstand", betonte er (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Trotz aller Entschlossenheit, die der Interimstrainer ausstrahlte, so ganz passte ihm die Rolle als Cheftrainer noch nicht.

"Ich bin nicht fröhlich"

"Es ist komisch, aber ich bin nicht fröhlich", gab er offen zu. Auch ihm machten die Entwicklungen der letzten Monate zu schaffen (die Hintergründe der van-Gaal-Entlassung).

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"Wir waren noch vor einem Jahr unglaublich erfolgreich, und dann fällt diese Gruppe auseinander", seufzte er.

Die Harmonie wiederherzustellen, ist nun die große Herausforderung für den Niederländer (Jonker-Porträt: Raus aus dem Schatten).

Den Segen von van Gaal hat er dabei. Das war entscheidend für Jonker. Er musste stark überlegen, als der Verein ihm das Angebot unterbreitete, die Mannschaft zu übernehmen.

Van Gaal gibt Jonker den Segen

"Es war schwierig für mich, weil ich eine starke Bindung zu Louis van Gaal habe. Wir haben bei Ajax, beim holländischen Verband und beim FC Barcelona zusammengearbeitet. Ich habe ihm beim Schreiben seines Buches geholfen", zählt er auf.

Zwei Anrufe bei seinem Ziehvater waren letztlich nötig, damit er reinen Gewissens zusagen konnte.

"Seine Worte waren: Wenn ich in deinen Schuhen stecken würde, würde ich den Job übernehmen. Das zu hören, war ganz wichtig für mich. Ich habe gesagt: Unsere private Beziehung muss so bleiben wie sie ist, das hat er bestätigt", erzählte Jonker.

[kaltura id="0_yvxuzu53" class="full_size" title="Van Gaals Abschied von der S bener Stra e"]

Kein Kommentar zur Torwart-Frage

Alles umkrempeln wird er aber nicht: "Louis van Gaal hat sehr viele Sachen sehr gut gemacht", hob er hervor.

Zur brisanten Torwart-Frage schweigt Jonker noch.

Es gilt jedoch als sicher, dass Jörg Butt ins Tor zurückkehrt, zumal Thomas Kraft wegen Rückenproblemen beim Training fehlte.

Am trainingsfreien Dienstag wolle er sich darüber Gedanken machen, kündigte er an.

Robben für zwei Spiele gesperrt

Verzichten muss er im Top-Spiel gegen Bayer Leverkusen in jedem Fall auf Arjen Robben. Nach seiner Roten Karte wegen Schiedsrichterbeleidigung in Nürnberg wurde der Superstar zu zwei Spielen Sperre und einer Geldstrafe von 15.000 Euro verdonnert.

"Darüber bin ich natürlich nicht froh. Aber wir müssen eine Lösung finden - und das werden wir", kommentierte Jonker.

Badstuber muss zusehen

Zudem fehlt am Sonntag auch noch Holger Badstuber wegen einer Gelbsperre.

Es sind keine leichten Voraussetzungen, unter denen der neue Bayern-Trainer seinen Dienst antritt. Doch funktionieren kann es.

Jonker ist beliebt bei der Mannschaft, in seiner Antrittsrede, die bei allen sehr gut ankam, betonte er, dass die Tür bei ihm "jederzeit offen stehe".

"Ich sage, was ich sehe"

Bei Fragen wolle er zur Verfügung stehen und seine Hilfe anbieten. Parallel geht er - im Gegensatz zu van Gaal - auf Schmusekurs mit dem Vorstand.

"Ich bin geradeaus, ich sage, was ich sehe. Doch der Vorstand hat auch eine Meinung. Die will ich hören und zum Vorteil nutzen", stellt Jonker klar.

So oder so ist seine Zukunft beim FC Bayern gesichert. Nach der Saison wird er die zweite Mannschaft übernehmen und zusammen mit (voraussichtlich) Jörg Butt und Michael Tarnat den Nachwuchsbereich koordinieren.

"In mir steckt viel van Gaal", weiß Jonker. Der zahme Teil des sturen Holländers bleibt dem Rekordmeister also noch erhalten.

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