vergrößernverkleinern
Uli Hoeneß sammelte als Manager und Präsident 39 Titel mit dem FC Bayern © imago

Der Präsident mischt wieder kräftig beim FC Bayern mit. Im Verein registriert man das wohlwollend. Der "Kaiser" sieht Probleme.

Von Mathias Frohnapfel

München - Es war wohl eine der gemeinsten Sticheleien, die Louis van Gaal je in Richtung Uli Hoeneß abgeschickt hatte.

"Diese Person ist nicht immer an der Säbener Straße", wetterte der mittlerweile geschasste Bayern-Trainer gegen den Präsidenten.

Ende Januar war das und die Episode ging unter dem Stichwort "Papageienmusik" in die Dauerfehde zwischen den beiden machtbewussten Charakteren ein.

Tatsächlich war Hoeneß zu jener Zeit - anders als zuvor in 30 Jahren als FCB-Manager - nicht mehr dauerpräsent am Vereinsgelände. Doch selbst von seinem Wohnsitz am Tegernsee aus war sein langer Schatten bis nach München deutlich spürbar.

Und spätestens seit dem Ende der Kurzära van Gaal hält Hoeneß bei den Roten wieder die Zügel in der Hand (KOMMENTAR: Die nackte Angst der Bosse).

"Es ist ein Märchen, dass die Mannschaft hinter van Gaal stand", polterte Hoeneß am Sonntag. Und ebenso heftig lederte er gegen die Torwartenscheidung zugunsten von Thomas Kraft, weil damit ja "die Scheiße" losgegangen sei.

Keine präsidiale Zustimmung

Von präsidialer Zurückhaltung keine Spur. Uli Hoeneß regiert beim FCB wieder eifrig (mit).

Dabei hatte er sich ja bei seinem Rückzug vom Managerposten vorgenommen, nun Nachfolger Christian Nerlinger und Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge machen zu lassen.

Hoeneß wollte das Gesicht des Vereins sein, das Tagesgeschäft sollten bitteschön die anderen übernehmen - und gerne ebenso erfolgreich wie zu seiner Zeit, als der FCB Titel um Titel einsammelte.

"Das steht ihm zu"

Franz Beckenbauer blickt mittlerweile mit einem jovialen Lächeln auf die hehren Vorsätze seines Amtsnachfolgers. "Ich denke, dass sich Uli Hoeneß einmischt, das steht ihm immer noch zu", erklärte der "Kaiser" jetzt auf "sky".

Dabei erinnert er sich natürlich noch genau daran, wie wenig erfreut Hoeneß und Co früher auf seine Einlassungen als Bayern-Präsident etwa zur Transferpolitik reagierten (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

[kaltura id="0_yvxuzu53" class="full_size" title="Van Gaals Abschied von der Säbener Straße"]

Als eine Meinung aus den Kitzbühler Bergen galt das für die Verantwortlichen an der Säbener Straße. Doch jetzt agiert Hoeneß genauso.

"Das ist zwar nicht seine Aufgabe, sich als Präsident in das operative Geschäft einzumischen, aber wir sind froh, dass er es tut", meint Beckenbauer (die Hintergründe der van-Gaal-Entlassung).

Die Problematik, die damit zusammenhängt, erkennt er aber auch. "Er ist derjenige, der die richtigen Worte findet. Ob die immer gut ankommen, wage ich zu bezweifeln."

Ohne Hoeneß ins Trainingslager

Und auch auf die Auswirkungen auf den aktuellen Sportdirektor weist Beckenbauer hin.

"Es ist schwierig für einen Christian Nerlinger, der die Position von Uli Hoeneß übernommen hat, sich zu etablieren, sich da durchzusetzen, wenn Hoeneß mit seinem Schatten da ist."

Hoeneß reist nicht mehr mit der Mannschaft ins Trainingslager, nimmt mehr Einladungen zu Benefizveranstaltungen wahr als früher.

Rückzug auf Eis gelegt

Doch die Fan-Proteste etwa gegen die mögliche Verpflichtung von Manuel Neuer richteten sich vor allem an ihn und auf den Plakaten prangte immer wieder der Name "Uli".

Die Führung seiner Wurstfabrik hat Hoeneß längst seinem Sohn übergeben, beim FC Bayern wollte er sich ähnlich nach und nach zurückziehen.

Im Moment kommt jedoch keine Geschichte über den Rekordmeister ohne seinen Namen und seine knackigen Zitate aus.

Die Abteilung Attacke ist zurück

Hoeneß steht wieder für die Abteilung Attacke, was jüngst Eintracht-Boss Heribert Bruchhagen ("Pulver im Kaffee"), Christoph Daum und die Nationalelf zu spüren bekamen.

Hoeneß bezieht Stellung, er war der erste, der van Gaal und seine "One-man-show" im Herbst 2010 in Bedrängnis brachte. "Ich bin der Meinung, dass er sich das nach 30 Jahren an vorderster Front erlauben kann", kommentierte Beckenbauer.

Die Münchner Verantwortlichen wissen nur allzu gut, was sie an dem Charakterkopf haben - eben deshalb erhielt Hoeneß nach den heftigen Fan-Plakaten Unterstützung von sämtlichen Würdenträgern des Vereins - bis hin zu Ex-Ministerpräsident Edmund Stoiber.

Leg dich nicht mit Hoeneß an

Klar ist, ohne Hoeneß' Unterstützung hat jeder Bayern-Trainer einen schweren Stand. Leg' dich nicht mit Hoeneß an, lautet die erste Grundregel.

Jupp Heynckes, Chefcoach ab Sommer, kennt sie.

Rummenigge beschreibt die Anforderungen für das Binnenverhältnis Trainer und Bayern-Bosse in der "Bild" so:

"Man muss kein Freund von mir oder Uli Hoeneß sein. Aber man muss den Klub so leben, wie er seit 30, 40 Jahren erfolgreich ist."

Heynckes dürfte bei seinem Amtsantritt an diese Worte denken.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel