vergrößernverkleinern
Gleiches Schicksal beim FC Bayern: Thomas Kraft (l.) und Michael Rensing. © getty

Zum zweiten Mal binnen anderthalb Jahren dürfte ein Torwarttalent beim FC Bayern demontiert werden. Krafts Zukunft ist offen.

Von Maik Rosner

München - Für Michael Rensing war im August 2009 nach dem dritten Spiel Schluss.

Bei Thomas Kraft dauerte es nun zwölf Partien, bis zu seinem Fehler, der zum 1:1 in Nürnberg führte.

Am Sonntag gegen Bayer Leverkusen dürfte der 22 Jahre alte Torwart wieder zur Nummer zwei zurückgestuft werden und der zuverlässige Routinier Jörg Butt, 36, ins Tor des FC Bayern zurückkehren.

Präsident Uli Hoeneß hatte am Sonntag gegen den entlassenen Trainer Louis van Gaal gepoltert:

"Mit der Entscheidung, Jörg Butt aus dem Tor zu nehmen, ging die Scheiße los." (KOMMENTAR: Die nackte Angst der Bosse)

Interimscoach Andries Jonker bleibt eigentlich gar keine andere Wahl, als den Rollentausch der Torleute durch seinen Mentor wieder rückgängig zu machen.

Damit dürfte sich Rensings Geschichte bei den Bayern wiederholen.

Nationalkeeper in Garching

Als hoffnungsvoller Nachfolger Oliver Kahns angetreten, kam der junge Mann aus Lingen in den Wirren der Amtszeit Jürgen Klinsmanns unter die Räder.

Van Gaal versuchte es zu Beginn noch einmal mit Rensing, revidierte seine Entscheidung aber rasch zugunsten von Butt.

Rensing, einst von Hoeneß als kommender Nationaltorwart gepriesen, wurde am Saisonende in die Vereinslosigkeit entlassen.

Erst nach einem halben Jahr und Training beim Amateurklub VfR Garching kam er in Köln wieder unter.

[kaltura id="0_yvxuzu53" class="full_size" title="Van Gaals Abschied von der S bener Stra e"]

Kraft sauer auf Hoeneß

Nun wird binnen anderthalb Jahren das zweite Torwarttalent beim FC Bayern demontiert.

Kraft, nach seinem Fehler in Nürnberg offiziell wegen Rückenproblemen nicht im Training, ist entsprechend sauer (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

"Das ging voll gegen mich", sagte er der "tz" über die Kritik von Hoeneß und kündigte an: "Ich werde mich dazu zu gegebener Zeit äußern."

In Nürnberg hatte Kraft tatsächlich eine schwache Leistung gezeigt, nicht allein wegen seines entscheidenden Fehlers, der van Gaal den Job kostete (die Hintergründe der van-Gaal-Entlassung).

Zudem hatte der junge Mann aus dem Westerwald bei der 1:3-Niederlage in Hannover Anfang März schwer gepatzt.

Ansonsten aber hatte er gut gehalten, besonders beim 1:0 im Achtelfinal-Hinspiel bei Inter Mailand.

Doch weil van Gaals eigenmächtiger Wechsel des Torwarts ein Politikum war im Verein, genügten zwei Fehler in wettbewerbsübergreifend 18 Spielen als Nummer eins, um ihn wieder zu kippen.

Zeit läuft ab

Jonker hat sich dazu zwar noch nicht geäußert. Doch er hat ja angekündigt, auf die Granden der Führungsetage hören zu wollen.

Die haben auch längst einen Transfer des Schalker Nationaltorwarts Manuel Neuer verabredet.

Für Kraft, dessen Vertrag am Saisonende ausläuft, dürfte die Zeit beim FC Bayern damit bald abgelaufen sein.

Sich als Nummer zwei wieder auf die Bank zu setzen, hatte er vor einiger Zeit bereits abgelehnt.

HSV oder Schalke?

Allerdings wird es ihn wohl nicht so hart treffen wie Rensing. Der Hamburger SV hat bereits vor einiger Zeit Kontakt zu Kraft aufgenommen.

Wird Neuers Wechsel nach München wie erwartet im Sommer vollzogen, dürfte auch der Deal mit dem HSV fix gemacht werden.

Oder sogar mit Schalke 04, wo die Torwartstelle nach Neuers Wechsel neu besetzt werden muss.

Maiers Schelte gegen Hoeneß

Zu den Nachwuchskeepern Rensing und Kraft hat Sepp Maier, Weltmeister von 1974 und ehemaliger Torwarttrainer beider Profis bei den Bayern, seine hohe Meinung schon mehrfach kundgetan.

Dass Hoeneß nun auf dem Rücken von Kraft mit van Gaal abrechnete, bezeichnete der ehemalige Nationaltorwart in einem "tz"-Interview als eine "Frechheit":

"Thomas gegenüber war das unfair. Mit solchen Sätzen kann man einen jungen Kerl kaputt machen."

Stattdessen brauche ein Talent "das absolute Vertrauen".

Rummenigge relativiert

Vorstands-Chef Karl-Heinz Rummenigge hat Kraft unterdessen ebenfalls in Schutz genommen.

"Er kann nichts dafür. Diesen Fehler, den er am Samstag gemacht hat, hat er nur gemacht, weil man ihm Tag und Nacht beigebracht hat, nicht den Ball nach vorne zu schlagen, sondern den Ball zu chippen", sagte Rummenigge in der BR-Sendung "Blickpunkt Sport".

Nach Maiers Ansicht gehören Rensing und Kraft zu den Besten ihres Fachs in Deutschland.

Eines ihrer Probleme: Vor ihnen stand Oliver Kahn im Bayern-Tor, für viele über Jahre der Beste seiner Zunft. Nun soll Neuer folgen, der aktuell Beste.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel