Die Stimmung bei den drei ersten Abstiegskandidaten verdüstert sich zusehends. Nur bei einem herrscht demonstrative Gelassenheit.

Von Martin Hoffmann

München - "Vielleicht müssen wir in eine Sekte eintreten oder UFOs beschwören."

Das Rezept von KSC-Torwart Markus Miller gegen die Misere seines Teams ist vermutlich nicht direkt ernst gemeint. Aber es passt ins Bild.

Sein Team steht mittlerweile so schlecht da, dass man wirklich auf den Gedanken kommen kann, dass nur noch übersinnliche Mächte helfen können.

Ganz ähnlich sieht es bei Bochum und Cottbus aus, den beiden anderen Teams in der Abstiegszone, wo die Lage ähnlich düster ist - die Trainer aber trotzdem fest im Sattel zu sitzen scheinen.

Becker "unantastbar", Spieler unter Beschuss

Besonders weit hat man sich in Karlsruhe (Teamprofil) aus dem Fenster gewagt. Vor zehn Tagen nach dem 0:1 im Keller-Gipfel gegen Cottbus erklärte Sportdirektor Rolf Dohmen Trainer Edmund Becker für "unantastbar" und sprach ihm auch für den Abstiegsfall eine Job-Garantie aus.

Und auch nach dem folgenden 0:1 gegen Dortmund stärkte Dohmen Becker den Rücken - und richtete stattdessen seinen ganzen Zorn gegen die Mannschaft.

Aus seiner Sicht hat trotz jetzt sieben Niederlagen in den vergangenen acht Spielen immer noch nicht jeder den Ernst der Lage verstanden: "Die Spieler sollten langsam mal wach werden."

"Das ist ein Unding"

Dohmen ärgerte sich vor allem darüber, dass sein Team im Abstiegskampf steckt, aber gerade kämpferisch nicht zu überzeugen weiß.

"Ich habe schon vor vier Wochen gesagt: In unserer Situation muss man kratzen, beißen, spucken", meinte der Manager.

Kein Wunder, dass der KSC alles tut, um seinen Chefkratzer, -beißer und -spucker für das nächste Spiel in Hannover am Samstag (ab 15 Uhr LIVE) unbedingt wieder fit zu bekommen.

Kapitän Maik Franz, zuletzt wegen eines Fersenödems außer Gefecht, will in diesem Kellerduell unbedingt wieder auflaufen.

Verstärkungen sollen her

Doch beim KSC denkt man schon weiter, in der Winterpause soll personell nachgelegt werden. Besonders konkret sind die Bemühungen um eine Rückkehr von Giovanni Federico, der in Dortmund nicht zum Zug kommt.

Nach Dohmens Ansicht würde ein Comeback des Mittelfeldspielers aber nicht reichen: "Nach dem jetzigen Stand der Dinge müssten wir auf jeder Position etwas machen."

Auch Bochums Ernst dreht sich der Magen

Auch bei Bochums Sportvorstand Thomas Ernst verursachte die Leistung seiner Spieler am Wochenende Magenverstimmung.

"Wenn ich an die erste Halbzeit denke, wird mir schlecht", ärgerte er sich in der "Bild" über die desaströse Leistung beim 2:3 gegen Hertha BSC Berlin vor der Pause.

Anders als der KSC ist bei Bochum (Teamprofil) kein generelles Einstellungsproblem auszumachen, wie sich in der zweiten Hälfte zeigte, als der VfL noch um zwei Tore verkürzte.

Das Problem ist aber, dass Blackout-Phasen wie gegen Hertha immer wiederkehren - und dass sich selbst an guten Tagen einfach kein Erfolgserlebnis einstellen will.

Ultimatum für Koller?

Nur ein Sieg in 14 Ligaspielen - in dem Stil kann es nicht weitergehen. "Bis Weihnachten müssen wir noch sechs Zähler holen", forderte Ernst vor dem nächsten Spiel gegen Hamburg am Samstag.

Die "Bild" legt das als Job-Ultimatum an Trainer Marcel Koller aus, doch das erscheint eher unwahrscheinlich.

In der "WAZ" sagte Ernst nämlich: "Es gibt keinen Anlass über das Verhältnis der Mannschaft zum Trainer nachzudenken."

Was nicht heißt, dass sich der Anlass nicht noch ergeben könnte.

Relative Ruhe in Cottbus

Relative Ruhe herrscht bei den Cottbusern (Teamprofil), mit denen der Abstiegskampf ja seit jeher untrennbar verbunden ist.

Manager Steffen Heidrich glaubt gar, dass sein Team zum Klassenerhalt so wenig Zähler braucht wie noch nie. "27 Punkte könnten reichen", schätzt er. Neun sind es aktuell.

Dass beim 1:4 gegen Bayern keine hinzugekommen sind war abzusehen, der entscheidende letzte Eindruck war der 1:0-Sieg eine Woche vorher gegen Karlsruhe.

In dem Spiel beendeten die Lausitzer ihre schwarze Serie von sechs Monaten ohne Heimsieg und zeigten auch wieder die kämpferischen Tugenden und den Zusammenhalt, der in dieser Saison nicht immer so selbstverständlich war.

Wegweisendes Kellerduell

Ungewöhnlich viele Misstöne hat es in Cottbus in dieser Saison gegeben - allen voran den Rauswurf von Igor Mitreski nach dessen öffentlicher Kritik an seinem Verein.

Gegen Keller-Konkurrent Gladbach wird sich am Samstag zeigen, ob der KSC-Sieg wirklich die Trendwende war.

Heidrich geht vom Besten aus: "Es war immer unsere Stärke, die Nerven zu behalten, wenn der Druck für die anderen noch größer wird."

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