St. Pauli verliert mit Stanislawski eine Ikone. Hoffenheim will mit dem charismatischen Trainer das Graue-Maus-Image ablegen.

Holger Stanislawski und der FC St. Pauli - es schien eine Symbiose zu sein wie bei einem alten Ehepaar.

Doch diese Ehe ist nun geschieden (Bericht). Nach 18 Jahren.

Der "ewige Paulianer" sucht eine neue Herausforderung. Voraussichtlich in Hoffenheim.

Stanislawski und Hoffenheim - es wirkt auf den ersten Blick befremdend.

Denn der Coach war für viele Fußball-Fans der personalisierte FC St. Pauli.

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Eine Langzeitbeziehung wie Volker Finke und der SC Freiburg oder Otto Rehhagel und Werder Bremen.

Rehhagel hat Bremen auch verlassen, ging damals zum FC Bayern. Erfolgreich wurde er beim Rekordmeister nicht, trotz größerem finanziellen Spielraum.

Den größeren finanziellen Spielraum hat Stanislawski nun auch bei 1899.

Dass Stanislawski ein ausgezeichneter Trainer ist, beweist nicht nur sein Zeugnis beim Trainerlehrgang 2008, den er mit Bestnoten abschloss.

Aber er muss nun beweisen, dass er auch außerhalb seines Biotops St. Pauli erfolgreich arbeiten kann - und mit den hohen Erwartungen vor allem von Mäzen Dietmar Hopp zurecht kommt.

Beim Kultklub St. Pauli war "Stani" selbst Kult, konnte sich immer der Unterstützung der Fans sicher sein. Er war einer der Ihren.

Bis die TSG 1899 Hoffenheim Kultstatus erreicht hat, wird es noch eine Weile dauern.

Vielmehr ist der Retortenklub ohne Tradition, wie er zumindest von anderen Fans immer wieder bezeichnet wird, spätestens in dieser Saison zur grauen Maus mutiert.

Mit einem "klaren Profil" will Manager Ernst Tanner das Ruder nun wieder herumreißen - zurück zum Überflieger-Image der Herbstmeister-Helden von 2008.

Marco Pezzaiuoli schaffte diese Wende nach dem Abgang von Ralf Rangnick nicht.

Zu grün, zu unerfahren, zu weich im Umgang mit den Spielern lautet das fast schon vernichtende Urteil über den Bundesliga-Neuling.

Stanislawski soll nun das neue Aushängeschild werden. Ein Hamburger Jung im beschaulichen Kraichgau.

Für Hoffenheim wäre die strahlende Persönlichkeit Stanislawski ein großer Gewinn.

St. Pauli hingegen verliert mit ihm eine "Ikone", wie ihn der Kiez-Klub auf seiner Homepage bezeichnet.

Dennoch kommt er mit seiner Abnabelung vom Kiez-Klub einem Rauswurf nur zuvor, der zwangsläufig bei ausbleibendem Erfolg irgendwann erfolgt wäre.

Eine Symbiose gibt es im Fußball einfach nicht.

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