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Philipp Lahm ist seit Januar 2011 Kapitän des FC Bayern © imago

Der Bayern-Kapitän glaubt, dass Jonker die Probleme in van Gaals System abstellt. Gomez schickt ein Kampfansage gen Leverkusen.

Von Maik Rosner

München - Trainiert wird früher, und lauter sind die Spieler auf dem Platz jetzt auch.

Beim FC Bayern werden erste kleine Veränderungen nach der Trennung von Trainer Louis van Gaal deutlich. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Am Sonntag im Topspiel gegen Bayer Leverkusen sollen die Neuerungen bereits Früchte tragen. (AKTUELL: Sepp Maiers Kritik an Hoeneß)

Interimscoach Andries Jonker, bisher Assistent von van Gaal, nimmt die Spieler mehr in die Pflicht. Und Kapitän Philipp Lahm weiß auch schon, was gegen den Tabellenzweiten entscheidend sein wird.

"Wir haben sehr offensiv agiert in den vergangenen Monaten. Wir haben viele Fehler gemacht in unserem Aufbauspiel. Das müssen wir verändern", sagte Lahm am Mittwoch.

"Aufbau sehr risikoreich"

Es seien zuletzt Fehler passiert, die beim FC Bayern so nicht unterlaufen dürften. "Das müssen wir abstellen", forderte der Kapitän eine neue Stabilität.

An Torwart Thomas Krafts entscheidendem Patzer beim 1:1 in Nürnberg wollte der 27-Jährige das aber nicht festmachen. (MELDUNG: Kraft - Rensings Geschichte wiederholt sich)

"Das Aufbauspiel war sehr, sehr risikoreich in letzter Zeit. Das gehören alle dazu", sagte Lahm und bestätigte, dass die Spieler durchaus Meinungsverschiedenheiten mit van Gaal in diesem Punkt hatten: "Das hat die Mannschaft auch so gesehen."

"Haben die meiste Qualität"

Er habe jedoch Vertrauen und sei zuversichtlich, dass der Sprung auf Platz drei und damit die Teilnahme an der Hoffnungsrunde für die Champions League gelinge.

"Weil wir immer noch die meiste individuelle Qualität haben in der Liga und die Fehler abstellen können", begründete Lahm seinen Optimismus.

Das sieht auch Mario Gomez so. "Wir wollen das Spiel gewinnen. Jetzt zählen auch keine Ausreden und Alibis mehr. Jetzt ist die Mannschaft gefordert", sagte der Nationalstürmer.

Kampfansage für Leverkusen

Eine Kampfansage hatte er auch parat für Leverkusen mit dem künftigen Bayern-Trainer Jupp Heynckes. Damit nicht wie in Nürnberg ein Tor reiche, um die Münchner aus dem Konzept zu bringen, müsse man eben "gegen Leverkusen 2:0 führen und nicht 1:0."

Seine Zuversicht zieht er aus dem Trainerwechsel. "Es gibt keine Alibis mehr. Wir können das nicht mehr auf Andere schieben, wir Spieler sind jetzt dafür verantwortlich, ob wir Platz drei schaffen oder nicht", sagte Gomez.

Kleine Zweifel räumte er aber ein: "Dass wir die Qualität dazu haben, ist keine Frage. Ob wir die Verfassung und die Form dazu finden, wird sich zeigen." Er sei aber zuversichtlich.

[kaltura id="0_82jlefft" class="full_size" title="Lahm Angst hat bei uns nichts verloren "]

Selbstbewusstsein angekratzt

Auch Lahm gestand, dass das Selbstbewusstsein angekratzt sei. "In so einer Phase ist es natürlich so, dass das Selbstverständnis und die Leichtigkeit fehlt", sagte er.

Deswegen sei nun jeder gefragt, mit Einsatz das angeknackste "Mia-san-mia" zurückzuholen. "Wir müssen als Mannschaft rausgehen. Und das werden wir am Sonntag auch machen", versprach Lahm.

Gravierende Unterschiede werde es in der Spielweise aber nicht geben, meinte Gomez, der zugleich den Wechselgerüchten zu Liverpool eine klare Absage erteilte.

Lahm will nicht nachtreten

Persönliche Kritik an van Gaal wollten beide Profis nicht üben.

"Ich denke trotzdem, dass es funktioniert hat", sagte Lahm zur Zusammenarbeit mit dem Niederländer: 2Man darf nicht vergessen, was wir für eine erste Saison unter Louis van Gaal hatten, die sehr erfolgreich war."

Zudem sei es "nicht die Aufgabe eines Spielers oder Kapitän, irgendwo nachzutreten". Präsident Uli Hoeneß hatte am Sonntag mit deftigen Worten mit van Gaal abgerechnet, als die sofortige Trennung verkündet worden war.

"Einige haben van Gaal viel zu verdanken"

Ob es tatsächlich ein Märchen gewesen sei, dass die Mannschaft hinter van Gaal gestanden habe, wie Hoeneß gesagt hatte, beantwortete Gomez so:

"Das muss jeder Spieler einzeln entscheiden. Es gibt sicherlich Spieler, die ihm sehr viel zu verdanken haben und welche, die nicht so gut mit ihm zurecht kamen."

Wichtig sei es aber nun nach vorne zu schauen. Und das funktioniere mit dem umgänglichen Jonker gut.

Anderes Verhältnis zu Jonker

"Der Co-Trainer hat immer ein anderes Verhältnis zu den Spielern als der Trainer", sagte Gomez über den 48-Jährigen, der von den Spielern weiterhin gedutzt wird.

Er sei eine gute Wahl, "weil er die Mannschaft sehr gut kennt, schon immer sehr, sehr intensiv mit den Spielern gearbeitet hat. Und weil er auch nicht nur als Fußball-Fachmann, sondern auch als Mensch sehr gut zum FC Bayern passt."

"Sehr positiver Typ"

Gomez bezeichnete "Andries", wie er stets sagte, als "sehr positiven Typ", der zuvor ein "Bindeglied zwischen Trainer und Mannschaft" gewesen sei.

Ein Problem im weniger autoritären Umgang erkennt er nicht.

"Respekt hat nichts damit zu tun. Ich weiß, dass er sehr, sehr hohen Respekt in der Mannschaft genießt", sagte Gomez und verwies auf den Umgang mit Bundestrainer Joachim Löw, der von einigen Nationalspielern ebenfalls gedutzt werde.

Dass Lahm als Kapitän zu der Entscheidung beigetragen habe, van Gaal zu entlassen, verneinte er.

"Ich hatte sicher viele Gespräche, aber es ging nie um eine Trainerentlassung", sagte Lahm.

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