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Frank Schaefer (l.) trat in Köln die Nachfolge des glücklosen Zvonimir Soldo an © imago

Der Kölner Trainer zögert, seinen Vertrag zu verlängern. Über die Gründe dafür gibt es verschiedene Spekulationen.

Von Tobias Wiltschek

München - Der 1. FC Köln gibt schon seit Wochen viele Rätsel auf.

Wo stehen die "Geißböcke" derzeit wirklich? Haben sie seit Beginn der Rückrunde einen positiven Lauf oder eine Negativ-Serie?

Sind Sie auf dem Weg zum Klassenerhalt oder geraten sie noch einmal in akute Abstiegsgefahr? (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Diese Fragen lassen sich fünf Spieltage vor Schluss genauso wenig beantworten wie die Frage, ob Trainer Frank Schaefer dem Verein erhalten bleibt. 376809(DIASHOW: 29. Spieltag)

Noch keine Tendenz

Schon seit Ende des vergangenen Jahres liegt dem 47-Jährigen ein unterschriftsreifer Vertrag vor. Doch Schaefer zögert.

Er könne noch keine Tendenz mitteilen, ließ er die Medienvertreter in den vergangenen Tagen mehrmals wissen.

"Ich möchte keine Schnellschuss-Entscheidung treffen", erklärte er im "Express".

Man müsse ihm das Recht zugestehen, "die vergangenen Monate zu bewerten und einwirken zu lassen", meinte Schaefer, obgleich er wisse, "dass der öffentliche Druck steigt".

Das Verwirrspiel um die Zukunft des Trainers.

Vor der Bundesliga-Partie gegen den VfB Stuttgart sorgt FC-Sportdirektor Volker Finke für neue Spekulationen.

Coach widerspricht Sportchef

Schaefer habe seine starke Beziehung zum religiösen Glauben, so Finke, "und dorther kommt ja offensichtlich sein Problem, den Job als Profifußball-Trainer mit seiner privaten Lebenssituation verbinden zu können".

Schaefer widerspricht. "Mein Glaube steht in keinem Zusammenhang mit meinem Job und meinen Überlegungen für die Zukunft", kontert der bekennende Christ, gibt aber auch zu:

"Teile dieses Geschäfts widern mich an."

Was lässt den Coach zögern, den neuen Kontrakt als Kölner Cheftrainer zu unterzeichnen?

30 Punkte in 20 Spielen

Die Entwicklung der Mannschaft zeigt nach oben, seit der U-23-Trainer Ende Oktober 2010 die Profis übernommen hat.

Mit 30 Punkten aus 20 Partien führte der gebürtige Kölner den FC vom letzten auf den elften Platz, die Mannschaft stellte mit sieben Heimsiegen in Folge einen neuen Klub-Rekord auf.

Doch der Job als Bundesliga-Trainer in Köln hat auch seine Schattenseiten.

Seit Wochen versucht Schaefer vergeblich, die eklatante Auswärtsschwäche seiner Mannschaft zu kurieren; eine Aufgabe, die ihn zusehends verzweifeln lässt.

Klatsche beim Rivalen

"Die Auswärtsthematik steckt wohl so in den Köpfen der Spieler drin, dass wir nach dem ersten Gegentor richtig wegbrechen", musste der Fußball-Lehrer nach der jüngsten Klatsche beim rheinischen Rivalen aus Mönchengladbach (1:5) zugeben.

Wer ihm dabei in die Augen sah, spürte, dass ihm die Unsicherheit der Spieler auch persönlich nahe geht.

"Ich lebe diesen Job mit Haut und Haaren, gedanklich 24 Stunden am Tag", sagt Schaefer. Wenn man seine Geschichte als langjähriger FC-Mitarbeiter kennt, nimmt man ihm diese Floskel ab.

Arbeit im Schatten

Genau da liegt auch der Grund für sein Zögern. Im Gegensatz zu den meisten Kollegen bedeutet ihm die Arbeit als Profi-Trainer nicht alles.

Er hat im täglichen Umgang mit den Nachwuchs-Fußballern des Vereins auch die Tätigkeit im Schatten des "Big Business" Bundesliga schätzen gelernt.

Der mediale Druck ist bei der U 23 nicht vergleichbar mit dem eines Profi-Trainers.

Auch daher soll er Vize-Präsident Jürgen Glowacz gebeten haben, zum Regionalliga-Team zurückkehren zu dürfen, wenn er es bei der ersten Mannschaft nicht schafft.

"Es gibt viele Aspekte, die in meine Entscheidung einfließen. Sie gehen auch in den persönlichen Bereich rein", gab Schaefer zumindest zu.

Kommt Michael Skibbe?

Bei den Entscheidungsträgern im Verein macht sich offenbar die Vermutung breit, dass Schaefer den Vertrag nicht verlängern könnte, auch wenn Finke betont:

"Es gibt keinen Plan B, wir halten uns absolut zurück."

Der Sportchef sagt aber auch: "Ich weiß, wie man sich zu verhalten hat, wenn er nicht bei uns Profi-Trainer bleibt."

In der Medienstadt Köln brodelt daher schon die Gerüchteküche, wer denn im Fall des Falles Schaefer beerben könnte. Mit Michael Skibbe wird schon der erste Name gehandelt.

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