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Thomas Schaaf ist seit 1999 Cheftrainer bei Werder Bremen © getty

Thomas Schaaf beschäftigt nur ein Thema: der Klassenerhalt. Im SPORT1-Interview spricht Werders Trainer über den Abstiegkampf.

Von Christian Stüwe

München - Thomas Schaaf und Werder Bremen bleiben ihrer Linie treu.

Während es in der Bundesliga derzeit zu einer heftigen Trainer-Rochade kommt, ob nun beim FC Bayern, Hoffenheim, Freiburg, Leverkusen oder Schalke, ist Schaaf seit 1999 Cheftrainer beim Weser-Klub.

Und das soll auch so bleiben: trotz einer völlig enttäuschenden Saison, seiner emotionalen Kritik an Frankfurts Maik Franz (Bericht) und akuten Abstiegssorgen soll der Vertrag des 49-Jährigen sogar vorzeitig verlängert werden (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Doch für Schaaf zählt nur das kommende Heimspiel gegen Schalke 04 (Sa., ab 18 Uhr im LIVE-TICKER), Kontraktverlängerungen seien momentan belanglos: "Das ist absolut kein Thema für mich", meint der Norddeutsche.

Abstiegskampf hat absolute Priorität

Auch Bremens Geschäftsführer Klaus Allofs bestätigt, dass Gespäche "auf Eis" liegen: "Im Moment gibt es nur ein Thema. Das ist der Klassenverbleib und dem wird alles untergeordnet."

Im SPORT1-Interview spricht Thomas Schaaf über das wild kreisende Trainerkarussell in der Bundesliga, den Druck im Abstiegskampf und die oft übersehenen Grautöne im Fußballgeschäft.

SPORT1: Herr Schaaf, Bayern-Trainer Louis van Gaal wurde entlassen. Es hat den Anschein, als würden Trainer immer schneller gefeuert. Erschreckt Sie das?

Thomas Schaaf: Diese Diskussion wurde ja schon geführt. Da hat die Bundesliga sicherlich nicht das beste Bild abgegeben. Auf der anderen Seite muss man festhalten, dass die Erwartungshaltung fast überall riesengroß ist. Und wenn es läuft, wird immer noch etwas oben drauf gesetzt. Und dann ist man wahnsinnig enttäuscht, wenn es nicht eintrifft. Wir müssen aufpassen, zu erkennen, was realisierbar ist. Es kann nicht immer nur den besonderen Moment geben. Grundsätzlich wünsche ich mir natürlich eine längere Verweildauer der Trainer bei den Vereinen.

SPORT1: Sie sind seit 1972 bei Werder Bremen und seit 1999 Chef-Trainer. Sie wirken fast wie der Gegenentwurf zu dieser Entwicklung. Auch Trainer wie Sir Alex Ferguson bei Manchester United oder Arsene Wenger bei Arsenal arbeiten seit Jahren erfolgreich. Ist es nicht besser, wenn ein Trainer viel Zeit bekommt?

Schaaf: Prinzipiell muss das jeder für sich wissen. Ich glaube, es ist eine gute Geschichte, wenn man sich als Verein sagt, wir haben eine bestimmte Philosophie, wir geben uns einen Zeitraum, indem wir das und das erreichen wollen. Und dafür ist dann ein Trainer eingeplant. Dann arrangiert man das für sich und sagt sich: Das ist genau das Richtige für mich, das möchte ich so erleben. Vielleicht möchte man sich dann auch wieder verändern. Dann passt das so. Wichtig ist die Philosophie, die man hat. Und alle Parteien müssen übereinkommen.

[kaltura id="0_r3u2bzkt" class="full_size" title="Kriegt Bremen die Kurve "]

SPORT1: Im Gegensatz zu den letzten erfolgreichen Jahren erleben Sie mit Werder eine schwierige Saison im Abstiegskampf. Gab es einen Punkt, an dem Sie gezweifelt haben?

Schaaf: Gezweifelt nicht. Aber man fragt sich immer: Wie kann ich das erreichen, was ich erreichen will? Wie kriegen wir das wieder hin? Es kann ein weiter Weg sein, da wieder rauszukommen.

SPORT1: War das 0:6 beim VfB Stuttgart in der Hinrunde ein Tiefpunkt in Ihrer Karriere?

Schaaf: Das war natürlich kein schöner Moment.

SPORT1: Zuletzt präsentierte sich die Mannschaft deutlich verbessert. Wann hatten Sie das Gefühl, dass die Mannschaft den Abstiegskampf angenommen hat?

Schaaf: Wir haben uns die Situation immer klar vor Augen gehalten. Nur haben wir lange nicht die richtigen Mittel gefunden, um uns entscheidend dagegen zu wehren.

SPORT1: Und jetzt haben Sie es gefunden?

Schaaf: Natürlich waren wir auch im Herbst schon aktiv. Aber jetzt seit Beginn der Rückserie hat man gemerkt, dass nicht nur jeder läuft, sondern, dass man auch miteinander läuft. Das ist ein entscheidender Punkt: Das man noch mehr aufeinander eingeht.

SPORT1: Inwiefern ist die Trainingsarbeit in einer solchen Situation anders, als wenn man oben dabei ist?

Schaaf: Denken Sie, man muss nichts tun, wenn man erfolgreich ist?

SPORT1: Nein.

Schaaf: Man hat vielleicht andere Vorzeichen, man hat vielleicht andere Schwerpunkte, aber es ist genauso intensiv.

SPORT1: Ist der Druck im Abstiegskampf größer?

Schaaf: Wenn man Meister werden will, wenn man international dabei sein will, hat man genauso einen Druck.

SPORT1: Können Sie dieser Saison und dem Abstiegskampf trotzdem auch etwas Positives abgewinnen?

Schaaf: Ich möchte das nicht andauernd machen. Es gibt Dinge, die wesentlich positiver besetzt sind. Aber natürlich lernen wir auch sehr viel aus der Situation.

SPORT1: Der nächste Gegner ist Schalke 04. Dort hat Ralf Rangnick übernommen, die Mannschaft erlebte einen Aufschwung. Ist das ein positives Beispiel für einen Trainerwechsel?

Schaaf: Schalke war davor schon erfolgreich. Sie hatten vorher schon den Weg ins Champions-League-Viertelfinale geebnet, sie standen vorher schon im DFB-Pokalfinale. Mit so einer Bewertung wäre ich etwas sorgfältiger.

SPORT1: Aber gegen Inter Mailand lieferte Schalke die besten Spiele seit langem ab.

Schaaf: Die Spiele waren klasse. Schalke hat unheimlich selbstbewusst in Mailand agiert, es hat riesigen Spaß gemacht, zu zuschauen. Dazu kann man Schalke nur gratulieren. Trotzdem: Auch in dieser Gesprächsführung geht mir zu vieles ins schwarz-weiße. Tatsächlich bewegen wir uns zu 80, 90 Prozent in Grauwerten. Ich bin nicht so dafür zu sagen: Das war klasse und das war schlecht. An Dingen, die wunderbar dargestellt werden, gibt es auch Kritikpunkte. Und andererseits sagt man pauschal, da geht gar nichts mehr, obwohl in einer bestimmten Phase etwas sehr Besonderes passiert.

SPORT1: Wäre Werder mit einem Sieg gegen Schalke durch?

Schaaf: Die Saison geht danach weiter.

SPORT1: Aber die Punkte würden reichen?

Schaaf: Die Punkte würden uns helfen, unser Ziel weiter zu verfolgen. Aber ich habe schon gesagt, dass es bis zum Schluss spannend bleibt, weil alles eng zusammen ist. Wir müssen uns da behaupten.

SPORT1: Was glauben Sie, wie viele Punkte zum Klassenerhalt nötig sind?

Schaaf: Darüber mache ich mir keine Gedanken, weil ich darauf fixiert bin, die nächste Partie gut zu spielen und da Punkte zu sammeln.

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