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Mehmet Ekici wechselte vor der Saison auf Leihbasis vom FC Bayern zum 1. FC Nürnberg © getty

Bei SPORT1 spricht Nürnbergs Mehmet Ekici über die starke Saison der Franken, seine Zukunft und die Entscheidung für die Türkei.

Von Olaf Mehlhose

München - Seine Karriere ist vergleichbar mit der Saison des 1. FC Nürnberg.

Zugetraut wurden beiden vor der Saison wenig, doch sowohl der Club als auch der 21-Jährige haben sich mit imposanten Leistungen zu den Überraschungen dieser Spielzeit entwickelt.

Die Bayern-Leihgabe wurde in Nürnberg auf Anhieb zum Stammspieler und überzeugt bisher mit drei Treffern und acht Vorlagen.

Nach dieser Saison soll der türkische Nationalspieler zum Rekordmeister zurückkehren, doch noch können sich die Franken Hoffnung auf einen weiteren Verbleib von Ekici machen.

Im SPORT1-Interview spricht der Mittelfeldspieler über das Erfolgsgeheimnis der Nürnberger, seine Zukunft und die Entscheidung für die Türkei.

SPORT1: Zu Beginn der Saison wurde der Club von vielen zum Abstiegskandidaten erklärt. Jetzt haben Sie sogar die Chance, sich für die Europa League zu qualifizieren. Was ist das Nürnberger Erfolgsgeheimnis?

Mehmet Ekici: Damit hat wirklich keiner gerechnet, dass wir da oben mitspielen. Ich denke, uns zeichnet vor allem die mannschaftliche Geschlossenheit auf dem Platz aus. Dass jeder für jeden da ist und jeder für jeden kämpft. Das ist unsere Waffe.

SPORT1: Rechnerisch braucht der 1. FC Nürnberg noch einen Punkt, um nicht abzusteigen. Könnte man jetzt nicht die Europa League als Ziel ausgeben?

Ekici: Mit dem Abstieg werden wir mit Sicherheit, nichts mehr zu tun haben, deshalb können wir uns auch neue Ziele setzen. Die Chance auf die Europa League besteht, darum wollen wir sie auch nutzen. Daran können wir uns persönlich und sportlich weiterentwickeln.

SPORT1: Der FCN liegt zwei Punkte hinter dem Tabellenfünften Mainz 05. In zwei Wochen steht nun in Nürnberg das direkte Duell an. Wie werden Sie die Partie angehen?

Ekici: Wir wollen jedes Spiel gewinnen, auch schon letzte Woche gegen Bayern. Die drei Punkte wären schön gewesen, aber wir können auch mit dem 1:1 leben. Mit dieser Einstellung werden wir auch in den kommenden Wochen auftreten.

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SPORT1: Am Samstag treten Sie beim 1. FC Kaiserslautern an, der noch mitten im Abstiegskampf steckt. Was erwarten Sie?

Ekici: Das wird bestimmt nicht einfach. Nach dem Sieg in Stuttgart werden die gegen uns mit breiter Brust auftreten. Doch dadurch dürfen wir uns nicht nervös machen lassen. Wenn wir auf dem Platz das zeigen, was uns stark macht, haben wir auch in Kaiserslautern gute Chancen.

SPORT1: Leistungsträger wie Sie und Julian Schieber sind nur ausgeliehen. Philipp Wollscheid wird bei Leverkusen gehandelt, auch Ilkay Gündogan wird umworben. Besteht die Gefahr, dass die Mannschaft auseinanderfällt?

Ekici: Für den 1. FC Nürnberg ist das natürlich nicht einfach. Aber auch im letzten Jahr waren einige Leihspieler im Kader. Ich glaube, wir haben uns mit unserer jungen Mannschaft in diesem Jahr sehr gut geschlagen. Außerdem hat der Club eine sehr gute Jugendarbeit - es kommen wieder viele gute Spieler nach. So wird das in Zukunft auch weitergehen. Finanziell ist Nürnberg nicht so stark wie die anderen Klubs, aber für seine Möglichkeiten macht der Verein das schon sehr gut.

SPORT1: Sie sind derzeit vom FC Bayern an Nürnberg ausgeliehen. Ihr Vertrag in München läuft noch bis 2012. Haben Sie schon konkrete Zukunftspläne gemacht?

Ekici: Bisher noch nicht. Aber es ist jetzt ein Gespräch geplant, da wird sich dann zeigen, wie die Zukunft aussehen wird. Ich bin für alles offen und lasse das einfach auf mich zukommen. Bisher gibt es noch keine Tendenz. Ich werde mir alles anhören und dann entscheiden, was für mich das Beste ist.

SPORT1: Könnte es bei Ihrer Entscheidung eine Rolle spielen, dass Jupp Heynckes den Ruf hat, gut mit jungen Spielern umgehen zu können?

Ekici: Ich habe mich noch nicht mit ihm unterhalten. Auch mit Christian Nerlinger gab es noch kein Gespräch. Bevor wir miteinander gesprochen haben, kann ich dazu nichts sagen.

SPORT1: In dieser Saison herrscht bei den Bayern viel Unruhe. Glauben Sie, dass es die Bayern noch in die Champions League schaffen?

Ekici: Bayern ist halt Bayern. Aber sie haben eine individuell sehr starke Mannschaft und werden mit Sicherheit nochmal angreifen. Und ich denke, dass sie erfolgreich sein werden.

SPORT1: Sie haben alle Junioren-Nationalmannschaften in Deutschland durchlaufen, haben sich dann aber entschieden, für die Türkei zu spielen. Wie kam es dazu?

Ekici: Das stimmt. Ich war in allen Auswahlmannschaften und habe dabei auch Erfolg gehabt. Dass ich mich dann für die Türkei entschieden habe, war für mich eine Herzensangelegenheit. Ich bereue die Entscheidung auf keinen Fall, weil es mich stolz macht, für mein Vaterland zu spielen.

SPORT1: Wie war es, dass erste Mal für die Türkei aufzulaufen?

Ekici: Vor meinem Debüt gegen Holland war ich unheimlich aufgeregt und sehr emotional. Es war einfach super. So etwas ist schwer zu beschreiben, man muss es erleben.

SPORT1: In der Qualifikation für die EM liegt die Türkei im Moment auf Platz drei. Wie schätzen Sie die Chancen ein, das EM-Ticket noch zu lösen?

Ekici: Sehr gut. Wir haben eine spielerisch starke und sehr junge Mannschaft. Ein neues Team, das hungrig und sehr bissig ist. Die Chance ist da. Im nächsten Spiel geht es gegen Belgien, da liegt alles in unserer Hand. Wenn wir da gewinnen, sieht es gut aus.

SPORT1: Mit Guus Hiddink hat die Türkei einen sehr erfahrenen Trainer. Wie war Ihr Eindruck?

Ekici: Zuallererst freue ich mich, dass ich unter ihm trainieren darf. Er bringt sehr viel Erfahrung mit und kennt bereits alle Höhen und Tiefen. Er weiß genau, wie er die Mannschaft einstellen und heiß machen muss. Ich denke, dass er uns auf dem Weg zur EM sehr gut begleiten wird.

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