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Helmut Schulte (M.) ist seit 2008 Geschäftsführer beim FC St. Pauli © getty

Der Kiez-Klub kann im Abstiegskampf auf die Unterstützung der Fans bauen. Das DFB-Sportgericht schickt die Hamburger ins Umland.

Frankfurt/Main - Gnade statt Geisterspiel:

Der Einspruch des FC St. Pauli hat für eine überraschende Wendung in der Bierbecher-Affäre gesorgt.

Der abstiegsbedrohte Bundesligist muss das Heimspiel gegen den Nordrivalen Werder Bremen am Ostersamstag nun doch nicht unter Ausschluss der Öffentlichkeit bestreiten (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) unter dem Vorsitz von Hans E. Lorenz revidierte nach einer dreistündigen mündlichen Verhandlung sein Urteil aus dem schriftlichen Verfahren. St. Pauli kommt nun mit einer Platzsperre davon.

Harte Sanktionen gegen Kiez-Klub

Die Hamburger müssen das erste Spiel der kommenden Saison in einem Stadion austragen, das mindestens 50 Kilometer von der Hansestadt entfernt liegt.

Außerdem dürfen nicht mehr als 13.750 Zuschauer das Spiel besuchen, 12.500 Heim- und 1250 Gästefans. Dies entspricht der Sanktion eines Teilausschlusses der Zuschauer.

Stanislawski: "Das nennt man Fair Play"

Die ursprüngliche Strafe hätte das erste Bundesliga-Spiel der Geschichte ohne Zuschauer zur Folge gehabt und hätte dem Klub einen Verlust von 350.000 Euro zugefügt.

"Großen Respekt an den DFB-Kontrollausschuss bzw. das DFB-Sportgericht. Das nennt man Fair Play. Aus sportlicher Sicht freuen wir uns wirklich sehr, dass wir die letzten beiden Heimspiele in dieser Saison mit der Unterstützung unserer Fans austragen dürfen", sagte Trainer Holger Stanislawski.

Lorenz etwas erleichtert

"Diese Entscheidung hat den Charme, dass in den Wettbewerb der laufenden Saison durch das Sportgericht in keiner Weise eingegriffen wird", sagte Lorenz bei der Urteilsverkündung: "Das soll aber nicht heißen, dass es zukünftig nur Platzsperren geben wird."

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Richterspruch akzeptiert

Zuvor war ein Konsensgespräch zwischen Chefankläger Anton Nachreiner und den Klub-Verantwortlichen gescheitert. Nachreiner und die Klub-Verantwortlichen, die das Spiel in Bremen oder Hannover austragen wollen, akzeptierten den Richterspruch, der somit rechtskräftig ist.

"Das Urteil wird uns wirtschaftlich hart treffen, aber es greift nicht in den laufenden Wettbewerb ein", sagte St. Paulis Vize-Präsident Gernot Stenger: "Das erste Urteil war zu hart, da wir uns nicht schuldhaft verhalten hatten."

Fristen spielen wichtige Rolle

Nachreiner stimmte unter anderem deshalb zu, weil die Hamburger bei einer Bestätigung des früheren Urteils Einspruch beim DFB-Bundesgericht eingelegt hätten. Aufgrund der Fristen wäre eine Entscheidung des Bundesgerichts vor dem Werder-Spiel nicht möglich gewesen.

Im schriftlichen Verfahren waren die Hamburger verurteilt worden, weil Schiedsrichter-Assistent Thorsten Schiffner in der Begegnung gegen Vizemeister Schalke 04 am 1. April in der 89. Minute beim Stand von 0:2 von einem gefüllten Bierbecher im Nacken getroffen wurde. Das Spiel wurde mit 0:2 gegen die Hamburger gewertet.

Becherwerfer drohen harte Konsequenzen

Die Hanseaten hatten Einspruch gegen den Ausschluss der Öffentlichkeit eingelegt, um die Sanktion abzuwenden.

Der inzwischen mit großer Wahrscheinlichkeit identifizierte Werfer, der seine Tat bisher nicht gestanden hat, wird sich mit Schadenersatzforderungen seitens der Hamburger auseinandersetzen müssen. Zudem droht ihm ein mehrjähriges Stadionverbot.

Erleichterung bei Klaus Allofs

Einige Pauli-Fans hätten sich ohnehin nicht mit einem Geisterspiel abgefunden und hatten eine Massenklage gegen den DFB in Erwägung gezogen.

Das es dazu nicht kommt, freut auch Werder-Geschäftsführer Klaus Allofs. "Es wäre schade für die Fans beider Seiten gewesen. Es hätte viele getroffen, die damit nichts zu tun haben", sagte Allofs: "Ein sportlicher Vorteil wäre der Auschluss der Öffentlichkeit für uns auch nicht gewesen. Schließlich wäre es für beide Mannschaften ungewohnt gewesen."

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