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Frank Schaefer kehrt seinen Spielern nach dem 1:3 den Rücken zu. Wird er gehen? © imago

Trotz der Niederlage gegen Stuttgart redet in Köln niemand von Abstiegsnot. Die Tage des FC-Trainers scheinen gezählt zu sein.

Köln - Die Mannschaft sucht den Maulwurf, der beliebte Trainer wird vergrault:

Trotz bester Chancen auf den Klassenerhalt droht dem 1. FC Köln im Saisonfinale eine Zerreißprobe und mehr denn je der Abgang von Erfolgscoach Frank Schaefer.

Die von den Medien und sogar Teilen des Vereins geführte Diskussion über seinen christlichen Glauben als mögliches Abschiedsmotiv hat dem bescheidenen und bodenständigen Ur-Kölner offenbar die letzte Lust an eine Fortsetzung seiner Arbeit beim Profiteam geraubt.

Skibbe und Stanislawski favorisiert

Schaefers Worte und Mimik nach dem 1:3 (0:0) gegen den VfB Stuttgart (Spielbericht) ließen jedenfalls nur einen Schluss zu:

Der 47-Jährige wird sich wohl trotz guter Punkteausbeute, großer Beliebtheit bei den Fans und einem finanziellen Quantensprung beim Vertragsangebot des Vereins spätestens nach der Saison wieder zu "seiner" U23 zurückziehen.

Als mögliche Nachfolger werden schon Holger Stanislawski und vor allem Michael Skibbe gehandelt. Letzterer soll sich am Freitag schon zu Vertragsverhandlungen in Köln aufgehalten haben.

Stanislawski allerdings wird bereits als neuer Trainer in Hoffenheim gehandelt.

"Es ist legitim, dass der Verein sich anderweitig umsieht", sagte Schaefer bei Liga total! lapidar.

Horstmann dementiert

Allerdings dementierte FC-Geschäftsführer Claus Horstmann im "Express" Kontakte zu anderen Trainern: "Es gibt keinen Plan B, es gibt keine Gespräche mit anderen Trainern. Wir haben eine klare Vereinbarung mit unserem Trainer und die werden wir mit Leben füllen."

Sollte der Verbleib in der Bundesliga klappen, kennt Horstmann seine erste Option, nämlich Frank Schaefer: "Wenn der Klassenerhalt geschafft ist, führen wir Gespräche - mit ihm. Erst wenn da eine Entscheidung gefallen ist, werden wir entscheiden, wie es weitergeht. Klar wäre alles einfacher, wenn wir wüssten, wer nächstes Jahr unser Cheftrainer ist. Aber dem ist jetzt halt nicht so."

"Keine gute Woche"

Insgesamt sprach Schaefer von "keiner guten Woche".

Die Enttäuschung über die weit ins Privatleben ragenden Diskussionen im Laufe der vergangenen sieben Tage - sogar Mitglieder seines Bibelkreises wurden befragt - war dem sympathischen Fußballlehrer deutlich anzumerken.

"Es gab nur zwei Möglichkeiten. Wir gewinnen, dann ist alles vergessen, oder wir verlieren, dann war die Unruhe mit schuld."

Und zermürbt meinte er: "Ich habe in dieser Woche eine Menge gelernt"

"Ich habe gelernt, wie schnell Themen hochkochen und sich von Tag zu Tag hochschaukeln. Es ging um sehr persönliche Dinge, zu denen ich stehe, aber dass sie drei Tage lang in dieser Form und diesem Umfang in die Öffentlichkeit reingebracht werden, hat mich schon überrascht."

Kein Abgang vor dem Saisonende

Als er den Posten übernommen habe, habe er sich darauf eingestellt, dass er in der Öffentlichkeit arbeite. "In dieser Woche hat das aber eine neue Dimension erreicht. Jeder muss sich mal fragen, ob das alles so richtig war."

Einen Abgang noch vor dem Saisonende, wie von manchem Beobachter befürchtet, schließt Schaefer aber offenbar aus. "Entscheidungen, die auf die Lebensplanung Einfluss nehmen, werde ich sicher nicht durch Stimmungen beeinflussen lassen."

Zwei Tage frei nach zweiter Pleite in Folge

Der Mannschaft gab er nach dem "Nackenschlag" gegen Stuttgart erst einmal zwei Tage frei.

"Ganz bewusst", wie er betonte: "Weil ich glaube, dass im Moment jeder mit sich selbst zu tun hat. Es ist wichtig, Abstand zu gewinnen. Das gilt natürlich auch für mich."

Kein Teamgeist mehr in der Mannschaft

Zudem ist auch die zuletzt so geschlossen auftretende Mannschaft auf dem besten Wege, wieder in ihre Einzelteile zu zerfallen.

Dem Kreis vor dem Anpfiff verweigerten sich einige Profis.

"Das ist das Spiegelbild dessen, was wir auf dem Platz gesehen haben", erklärte der Trainer. Es sei "jeden Tag eine neue Herausforderung, aus dieser Mannschaft eine Einheit zu machen".

Eichner fordert "Selbstreinigungsprozess"

Torhüter Michael Rensing, der im zweiten Durchgang ein ähnliches Debakel wie zuvor in Mönchengladbach (1:5) verhinderte, forderte, dass sich die Mannschaft mal zusammensetzen müsse: "Ich wüsste aber nicht, wie viele wir da zusammenkratzen könnten."

Auch Abwehrspieler Christian Eichner forderte, genervt von ständig nach außen dringenden Interna, einen "Selbstreinigungsprozess" der Mannschaft.

"Was mich stört, ist dass ihr bei unseren Sitzungen dabeizusitzen scheint", sagte er den Journalisten. Das einzige Glück am Ende einer verkorksten Woche sei, "dass uns die anderen Ergebnisse in den Schoß gefallen sind".

Vier Spiele vor dem Saisonende beträgt der Vorsprung auf den Relegationsplatz immer noch sechs Punkte.

Stuttgart kann durchatmen

Bei den Stuttgartern sind es nach dem erneuten Auswärtssieg immerhin schon deren vier.

"Wir haben das alle zusammen erzwungen", sagte Sportdirektor Fredi Bobic nach dem Erfolg durch Tore von Nationalspieler Christian Träsch (51.), Martin Harnik (53.) und Zdravko Kuzmanovic mit einem umstrittenen Handelfmeter (63.) bei einem Gegentor von Milivoje Novakovic (69.): "Deshalb dürfen wir einmal durchschnaufen."

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