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Bayerns Gomez (M.) erzielte in der ersten Halbzeit einen Hattrick gegen Leverkusen © getty

Bayer geht gegen Bayern sang- und klanglos unter - auch eine Ohrfeige für ihren neuen Coach. Die Münchner klettern auf Platz drei.

Aus der Allianz Arena berichten Daniel Rathjen und Thorsten Mesch

München - Was für eine Schmach für Jupp Heynckes.

Der Noch-Leverkusener und Bald-Wieder-Bayern-Coach wurde am Sonntagnachmittag gedemütigt.381537(DIASHOW: Der 30. Spieltag)

Mit 5:1 (4:0) siegten die Münchner gegen einen erschreckend schwachen Tabellenzweiten und eroberten sich damit Rang drei zurück.(DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Wir haben unsere Chancen eiskalt genutzt und hatten besonders in der ersten Halbzeit eine hohe Aggressivität. Die Jungs haben die Botschaft verstanden und das gemacht, was sie machen mussten", sagte Jonker.

Für die Werkself bedeutet die Niederlage vier Spieltage vor Saisonende einen herben Rückschlag im Titelkampf - wenn nicht gar den K.o.

"Wir haben in der ersten Halbzeit alles falsch gemacht, was man falsch machen konnte. Wir haben den Bayern in die Karten gespielt. So kann man gegen Bayern nicht gewinnen", ärgerte sich Heynckes.

Mario Gomez war in einem unterhaltsamen Duell mit einem lupenreinen Hattrick der überragende Mann (28., 44., 45) und führt nun die Torjägerliste mit 22 Toren an.

Rolfes trifft ins eigene Tor

Franck Ribery legte im zweiten Abschnitt nach (75.). Der erste Treffer war nach einem Eigentor von Simon Rolfes (7.) gefallen. Für Leverkusen traf Eren Derdiyok (62.).

Eine "Explosion" hatte Bayern-Präsident Uli Hoeneß sich erhofft, dass sich die Mannschaft von der "Zwangsjacke" befreit, in der sie unter Ex-Trainer Louis van Gaal seiner Meinung nach steckte. Und er wurde nicht enttäuscht.

Im ersten Spiel unter Interimstrainer Andries Jonker begannen die Bayern mit Jörg Butt im Tor engagiert, auch die Gäste hielten gut dagegen und setzten durch den agilen Sidney Sam Akzente.

Doch bereits in der siebten Minute kassierte der Tabellen-Zweite einen Schlag, der sich direkt auf die Moral auswirkte.

Beim 1:0 bekamen die Münchner die gütige Unterstützung von Bayer-Kapitän Rolfes, der den Ball nach einer Ecke von Franck Ribery aus vier Metern unglücklich ins eigene Tor lenkte.

Vidal patzt vor dem zweiten Treffer

Danach ging bei Bayer nichts mehr - es folgte der Einbruch, während sich der Rekordmeister in einen Rausch spielte.

Gleich mit der zweiten Chance legten die Hausherren nach. Arturo Vidal vertändelte leichtfertig mit einem Hackentrick im Strafraum den Ball gegen Thomas Müller, der passte zu Gomez an den Fünfmeterraum - und der Nationalstürmer vollstreckte mit Hilfe des linken Innenpfostens.

Bayer erspielte sich in einer kampfbetonten Begegnung kaum Torraumszenen.

Von Michael Ballack war nichts zu sehen, die wackelige Defensive machte ihren "Fahrtenschwimmer".

Hattrick von Gomez

Die Münchner dominierten, selbst Daniel van Buyten und Anatoliy Tymoshchuk spielten stark auf.

Beim logischen 3:0 musste Gomez nach Vorlage Müllers nur den Fuß hinhalten. Kurz danach zog er stumpf aus zehn Metern flach in die Tormitte nach Pass von Bastian Schweinsteiger zum 4:0 ab.

Es war sein 22. Saisontor und ein lupenreiner Hattrick, der erste der Bayern seit Luca Toni im Februar 2008 gegen Hannover 96. Jubelnd lief der Nationalstürmer danach in die Arme von Jonker.

"Wenn wir so weitermachen, bin ich sicher, dass wir die zwölf Punkte holen können", sagte Gomez: "Wir haben alle das große Ziel Champions League, dafür werden wir alles geben."

Derdiyok erzielt den Ehrentreffer

Auf dem komfortablen Polster ruhten sich die Hausherren im zweiten Abschnitt zunächst aus, die Partie verflachte - Derdiyok nutzte eine Unachtsamkeit zum 1:4.

Der Double-Sieger gab das Heft jedoch nicht aus der Hand. Ribery stellte nach einem entschlossenen Solo den alten Abstand wieder her.

Jonker hatte neben den gesperrten Arjen Robben und Holger Badstuber kurzfristig Toni Kroos (Magen-Darm-Virus) und Hamit Altintop (Rückenprobleme) ersetzen müssen.

Etwas überraschend hatte Jonker Miroslav Klose hinter Gomez auf der Zehner-Position aufgeboten.

Auf den Tribünen blieb es vergleichsweise ruhig - zumindest was Proteste anging.

Fans: "Mia san Uli"

Als die Mannschaften den Arena-Rasen betraten, demonstrierten die Fans auf der Gegengeraden mit Plakaten und drei großen Blockfahnen ("Mia san Uli") für den zuletzt kritisierten Bayern-Präsidenten.

In der Südkurve, aus der Hoeneß vor zwei Wochen angefeindet wurde, gab es jedoch erneut kritische Stimmen - auf einem Banner wurde Hoeneß mit Shakespeares "König Lear" gleichgesetzt, einem von Herrschsucht und Eitelkeit geblendeten Herrscher.

Der Konflikt ist noch nicht ausgestanden. Im allgemeinen Jubel über den hohen Sieg rückte er aber in den Hintergrund.

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