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Bayerns Interimscoach Andries Jonker (r.) herzt Hattrick-Schütze Mario Gomez © imago

Bayern demütigt Leverkusen, bleibt aber auf dem Teppich. Von van Gaal redet kaum jemand. Heynckes spricht von einem "Unfall".

Aus der Allianz Arena berichtenDaniel Rathjen und Thorsten Mesch

München - Uli Hoeneß hatte sein Siegerlächeln aufgesetzt.

Der Präsident des FC Bayern stolzierte mit breiter Brust an den Journalisten vorbei in Richtung Auto.

Äußern wollte sich Hoeneß nach dem überzeugenden 5:1 (4:0) gegen den Tabellenzweiten Bayer Leverkusen nicht. (Spielbericht)

Aber die Erleichterung über den Sieg, mit dem sich die Münchner Platz drei zurückeroberten, war auch ihm deutlich anzusehen. 381537(DIASHOW: Der 30. Spieltag)

Besondere Woche für die Bayern

Der Rauswurf von Trainer Louis van Gaal, die Amtsübernahme von Andries Jonker, die Vorbereitung auf das Duell mit dem künftigen Bayern-Coach Jupp Heynckes:

"Das war eine besondere Woche", seufzte Mario Gomez. Der Nationalstürmer erwischte einen glänzenden Tag und lieferte mit seinem Hattrick (28./44./45.+1) die Basis für den Erfolg.

"Dass viel Potenzial in der Mannschaft steckt, war allen klar. Wir haben sehr gut gearbeitet und es endlich mal gezeigt. Es gibt keine Alibis mehr", sagte Gomez. (383058DIASHOW: Die Einzelkritik)

Um Sachlichkeit bemüht

Es sei "ein großer Schritt in die richtige Richtung gewesen".

Wie alle Bayern war er um Sachlichkeit bemüht. Von Genugtuung, weil van Gaal nun nicht mehr seine "Zwangsjacke" (Hoeneß) um sie legen konnte, war nichts zu spüren.

"Damit hat das nichts zu tun", betonte Gomez. Und auch Kapitän Philipp Lahm stellte klar: "Wir haben auch schon gute Spiele unter van Gaal gemacht."

Schlüssel war die Aggressivität

Der Schlüssel zum Sieg war aus Bayern-Sicht die Aggressivität.

Durch konsequentes Zweikampfverhalten, wobei insbesondere Daniel van Buyten und Anatoliy Tymoshchuk heraus stachen, schlugen sie den Gegner mit den eigenen Mitteln.

"Das war auch für mich eine Überraschung, gegen Leverkusen zur Pause 4:0 zu führen", sagte Jonker. "Jetzt müssen wir zusehen, dass Hannover hinter uns bleibt." (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Das was gut war, hat er beibehalten"

Laut Lahm habe der Trainer punktuell einiges anders gemacht, vor allem "neue Impulse gesetzt". "Das war wichtig. Das, was gut war, hat er beibehalten", resümierte er.

Auffällig war im Bayern-Spiel, dass schneller nach vorne gespielt wurde, der Ball in brenzligen Situationen auch einfach mal weggehauen wurde.

Unter van Gaal, der stur auf spielerische Lösungen Wert gelegt hat, gab es das zuvor kaum.

Desolate Leverkusener

Auch wenn sich die Bayern-Bosse bestätigt gefühlt haben mögen, so blieb Boss Karl-Heinz Rummenigge doch sachlich: "Wir tun gut daran, jetzt ruhig zu bleiben und nach vorne zu schauen."

Schnell vergessen wollte auch Heynckes: Sein Team, das eigentlich den Angriff auf Dortmund starten wollte, präsentierte sich desolat.

Der totale Einbruch erfolgte bereits nach dem Eigentor von Simon Rolfes (7.).

Gerannt, gekämpft, gegrätscht

Das 1:4 durch Eren Derdiyok (62.) linderte den Schmerz nicht, weil Franck Ribery unmittelbar danach (75.) schon wieder auf 5:1 erhöhte.

Gerannt, gekämpft, gegrätscht wurde nur von den Bayern

Auf Platz zwei schielen sie angeblich jedoch nicht mehr. "Leverkusen ist zu weit weg. Wir müssen uns auf Platz drei konzentrieren", stellte Lahm klar.

"Das Spiel war ein Unfall"

Heynckes bilanzierte bei Liga total!: "Wir stehen immer noch auf dem zweiten Tabellenplatz der zur Teilnahme an der Champions League berechtigt. Das Spiel war ein Unfall, aber wir haben ja noch vier weitere. Wir haben schlecht gespielt und die Mannschaft ist dementsprechend deprimiert."

Der Trainer musste einsehen: "Durch den Trainerwechsel bei den Bayern sind Emotionen freigesetzt worden. Die Mannschaft hat heute ganz anders agiert als in den Wochen zuvor. Das wusste ich zwar auch im Vorfeld, dennoch muss man hier eine bessere Leistung abliefern."

Mit hängenden Köpfen verließen die Leverkusener die Allianz Arena. Der Frust über die eigene Leistung saß tief.

Noch sieben Punkte für Platz zwei

"Es hat ja schon scheiße angefangen. Wir haben in Zweikämpfen viel zu viel Platz gelassen und sind für individuelle Fehler bestraft worden. Wir haben gegen Bayern München gespielt und nicht gegen irgendeinen Tralala-Verein", sagte Stefan Reinartz zu SPORT1.

Gegen Hoffenheim wollen die Leverkusener es am kommenden Wochenende besser machen.

"Es tut zwei oder drei Tage ein bisschen weh, aber wir müssen wieder aufstehen und nächste Woche die ersten drei Punkte holen von den sieben, die wir noch brauchen, um den zweiten Platz zu sichern", bekräftigte Bayer-Sportdirektor Rudi Völler.

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