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Ruud van Nistelrooy wechselte im Januar 2010 von Real Madrid zum Hamburger SV © getty

Aufgrund einer Muskelverletzung wird van Nistelrooy wohl kein Spiel mehr für den HSV machen. Sein Abschied im Sommer steht fest.

Von Daniel Rathjen

München - Vor einem halben Jahr hätte kaum jemand etwas Schlechtes über ihn verbreitet.

Ruud van Nistelrooy galt stets als geradlinig, ehrlich, direkt. Ein Musterprofi 195995(DIASHOW: Van Nistelrooys Karriere).

Und beim Hamburger SV schien er im Herbst seiner Karriere glücklich.

Der 34-Jährige war beliebt, half jüngeren Spielern gerne und hatte, obwohl er unter Trainer Armin Veh auch ungewohnt viel Defensivarbeit verrichten musste, noch immer diesen schier unbändigen Tordrang.

Nun steht so gut wie fest: "Van the Man" wird nie mehr für den HSV auflaufen, weil er sich am Samstag beim 0:0 gegen Hannover 96 (Spielbericht) eine Muskelfaser in der linken Wade riss (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Zurück bleibt Frust - beim Profi und beim Verein. Es ist ein unwürdiges Ende für den Stürmer beim Liga-Dino, der im Januar einen schweren Imageschaden davontrug.

Dass van Nistelrooys Zeit in Hamburg im Sommer abläuft, steht seitdem fest. Mit seinem Entschluss, um jeden Preis zu Real Madrid zurück zu wollen, wandte er sich von seinem Arbeitgeber ab.

Die "Königlichen" hatten fieberhaft nach einem Ersatz für den verletzen Stürmer-Star Gonzalo Higuain gesucht und dem Niederländer ein Angebot unterbreitet.

Sehnsucht nach Madrid

Van Nistelrooy saß auf gepackten Koffern, träumte von Jose Mourinho, der spanischen Meisterschaft und der Champions League.

Boss Bernd Hoffmann sprach ein Machtwort, ließ den Oldie nicht ziehen - und wird diese Entscheidung mittlerweile bitter bereuen.

Denn dem HSV gingen dadurch nicht nur fünf Millionen Euro (zwei Millionen Ablöse, zwei Millionen gespartes Gehalt, eine Million für ein Ablösespiel) durch die Lappen - der Klub hatte auch noch einen Spieler im Kader, der seine Unzufriedenheit schamlos zur Schau trug.

Panne bei der "Tor-Maschine"

Van Nistelrooy, ob in Eindhoven, Manchester oder Madrid als "Tor-Maschine" bekannt, ließ sich hängen.

Fassungslos schauten die Fans zu, wie solch ein Mann mit gleichgültiger Miene schließlich hauptsächlich auf der Bank hockte.

"Ruuuuuuud", hatte es zuvor oft von den Rängen in der Imtech-Arena geschallt, die Rufe verstummten - van Nistelrooy sprach immer nur vom Abschied.

Die Erinnerungen an seinen glänzenden Einstand, ein Doppelpack im ersten Spiel in Stuttgart, waren da längst verblasst.

Nur ein kleiner Lichtblick

Erst unter Michael Oenning bekam van Nistelrooy noch einmal neuen Schwung, sein Elfmeter-Tor beim 1:1 gegen Dortmund war ein kleiner Lichtblick in der grauen Rückrunde des HSV.

"Es war ein geiles Gefühl, als der Ball im Netz zappelte. Ich hoffe, der Knoten ist geplatzt", sagte der Angreifer danach. Doch gegen Hannover bot er erneut eine enttäuschende Vorstellung (Spielbericht).

Seine beste Chance, ein Kopfball, den er zu seinen besten Zeiten mit verbundenen Augen verwandelt hätte, vergab er in der 76. Minute kläglich - und zog sich dabei auch seine Verletzung zu.

Im Sommer endet sein Vertrag - aus einer möglichen Ära mit glanzvollem Karriereende wird ein kurzes Kapitel. Seine Bilanz im HSV-Trikot: Zwölf Tore in 35 Liga-Spielen. Immerhin.

Chance auf die EM?

Mit der Raute auf der Brust schaffte van Nistelrooy auch das Comeback in der "Elftal", Bondscoach Bert van Marwijk hat ihn auf dem Zettel und schätzt seine Qualitäten weiterhin. Die Teilnahme an der EM 2012 ist möglich.

Für welchen Verein "Van Goal" dann aufläuft, steht noch nicht fest.

"Ich würde bei einem großen europäischen Klub auch eine Reservistenrolle akzeptieren", sagt der Niederländer, der am liebsten noch einmal nach England oder Spanien wechseln würde.

Wohin zieht es ihn?

Eine Rückkehr nach Madrid hat er abgeschrieben. "Ich denke nicht, dass ich noch mal ein Angebot bekomme", seufzt er.

Möglich ist auch, dass es ihn zu seinem Heimatverein PSV Eindhoven zieht, wo man ihn mit offenen Armen empfangen würde.

Mit einem herzlichen Abschied aus Hamburg kann Rutgerus Johannes Martinus van Nistelrooy hingegen nicht rechnen.

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