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Mit Lukas Podolskis Identifikation mit dem FC Bayern ist es nicht mehr weit her © imago

Der Nationalstürmer passt nach Ansicht von Beckenbauer als Spielertyp nicht zu den Bayern. In Köln wird derweil fleißig gerechnet.

Von Martin van de Flierdt

München - Die unendliche Geschichte "Der angekündigte Abschied des Lukas Podolski" ist um ein Kapitel reicher.

Am Donnerstag bestätigte Bayern Münchens Aufsichtsratsvorsitzender Franz Beckenbauer via "Bild", was der Stürmer schon länger zu wissen glaubt: Er hat keine Perspektive an der Isar.

"Poldi passt nicht ganz ins System", wird der "Kaiser" zitiert.

"Er ist ein Klasse-Stürmer, wenn er viel Platz vor sich hat und seine Schnelligkeit ausspielen kann. Aber weil unsere Gegner meistens mauern, brauchen wir eher Strafraum-Torjäger."

Ein solcher ist Podolski ganz sicher nicht. Und daher wird er an Luca Toni und Miroslav Klose - zumal in der gegenwärtigen Form der Konkurrenten - im Normalfall nicht vorbeikommen.

Zwangspause gegen Leverkusen wahrscheinlich

Am Samstag gegen Leverkusen wird "Poldi" zudem voraussichtlich wegen Rückenproblemen ausfallen.

Beckenbauer signalisiert unterdessen sogar Verständnis für Podolskis Begehren, zum 1.FC Köln zurückzukehren: "Auf die Dauer kann man keinen Profi halten, der nur unzufrieden auf der Bank sitzt und nicht regelmäßig spielt."

Keine Freigabe im Winter

Wie dauerhaft der Rekordmeister den Nationalspieler in München halten will, ist trotz eines bis 2010 laufenden Kontrakts unklar. In der Winterpause - so viel scheint jedoch sicher - werden die Bayern ihn nicht gehen lassen.

"Wir haben dem 1.FC Köln mehrmals mitgeteilt, dass sie Podolski jetzt nicht haben können", wird Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge nicht müde zu betonen. "Da können sie alle Kerzen im Kölner Dom anzünden, sie kriegen ihn nicht."

In erster Linie Trainer Jürgen Klinsmann weicht nicht von seiner Haltung ab, Podolski (Spielerporträt) werde in München sehr wohl noch gebraucht.

Klinsmann verweist auf Engpass im Sturm

"Wir sind sehr, sehr dünn aufgestellt mir drei Stürmern", führt Klinsmann an. "Wir brauchen vier Stürmer, um in der Champions League mit Manchester, Real Madrid oder Barcelona mithalten zu können. Damit muss sich der Lukas abfinden."

Der FC Bayern stehe dort nun im Achtelfinale, wo "die richtigen Kaliber" auf ihn warteten, meint der Trainer. "Da kann eine Situation entscheiden, und das kann seine sein."

Kann, muss aber nicht. Nach der Verpflichtung von Landon Donovan hat der FC Bayern aktuell vier Stürmer für die Rückrunde.

Ein Transfer des imm er wieder genannten Russen Andrej Arschawin (Spielerporträt), der seinen Abschied bei UEFA-Cup-Sieger Zenit St. Petersburg öffentlichkeitswirksam vorantreibt, erscheint unwahrscheinlich.

Keine Angebote für Arschawin

Zum einen hat Arschawin für Zenit in dieser Saison bereits in der Champions League gespielt und wäre für die Münchner in der Königsklasse bis zum Sommer nicht spielberechtigt. Zum anderen scheint das angebliche Bayern-Interesse ohnehin nicht so konkret, dass es in ein Vertragsangebot gemündet wäre.

"Uns liegen keine Angebote für Andrej vor", sagt Zenit-Präsident Alexander Djukow. "Wenn Interessenten auftauchen, werden wir mit ihnen verhandeln. Von einem ablösefreien Wechel kann allerdings keine Rede sein."

Von einem solchen wagt man im Fall Podolski nicht einmal auf Kölner Seite zu träumen.

"Im Winter ist eine Rückkehr von Lukas kein Thema", hat FC-Manager Michael Meier die großen Ankündigungen der "Geißböcke" auf der Jahreshauptversammlung wenig später relativiert.

"Es gab bisher keine Verhandlungen, weder mit den Bayern noch mit dem Spieler."

FC hat "ein klares Konzept"

Sondierungsgespräche allerdings habe es laut Meier gegeben. "Es gibt ein klares Konzept, mit dem es machbar wäre, Lukas nach Köln zu holen", macht Meier den Fans Hoffnung.

Die wird jedoch sogleich von Beckenbauer gedämpft. "Alles im Leben hat seinen Preis", sagt der "Kaiser".

"Da muss Kölns Präsident Wolfgang Overath schon ordentlich was zusammenkriegen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir Podolski zum Einkaufswert abgeben."

Zehn Millionen Euro überwiesen die Münchner 2006 an den Rhein. Einen Betrag dieser Größenordnung, so wird spekuliert, seien die Kölner in der Lage aufzubringen. Alles darüber ist für die FC-Bosse wohl nicht zu stemmen.

"Das sind Größenordnungen, die es Köln nicht leicht machen", gibt Meier zu. "Es gibt", wird Overath noch deutlicher, "finanzielle Grenzen für uns."

So bleibt den Kölnern fast nur die Hoffnung auf ein Bank- oder Tribünenhockerdasein ihres Auserwählten in der Rückrunde. Das würde seinen Preis sicher ein wenig drücken.

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