vergrößernverkleinern
Andries Jonker war auch in der holländischen Eredivisie bei Tilburg bereits Cheftrainer © imago

Bayerns Interimstrainer erlebt die wohl schwerste Woche seiner Karriere. Am Ende herrscht Erleichterung.

Vom FC Bayern berichtet Daniel Rathjen

München - Beim Abschied von der Mannschaft am Montag hatte Louis van Gaal nach SPORT1-Informationen Tränen in den Augen.

Er ist Vergangenheit. 381537(DIASHOW: Der 30. Spieltag)

Manuel Neuer (Artikel: Wechsel so gut wie perfekt) und Jupp Heynckes - das ist die Zukunft des FC Bayern.

In der Gegenwart kämpfen die Münchner um Rang drei und haben nach dem 5:1 gegen Bayer Leverkusen (Nachbericht) beste Chancen, auch am Saisonende dort zu stehen.

Mutter erleidet Herzstillstand

Interimscoach Andries Jonker leitet die Mission: Qualifikation für die Champions League. Dabei waren die Voraussetzungen, unter denen er seinen Job antrat enorm schwierig. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Am Anfang hatte ich ein komisches Gefühl", gab der 48-Jährige offen zu. Am Montag war er vor die Presse getreten, am Dienstag entwickelte er ein Konzept für die brisante Schlussphase.

Parallel litt seine Mutter in der niederländischen Heimat an gesundheitlichen Problemen, die in einem Herzstillstand am Donnerstag gipfelten.

Jonker war hin- und hergerissen zwischen München und Mama. Co-Trainer Hermann Gerland hätte im Falle des Falles am Samstag die Mannschaft betreuen sollen, doch Jonker entschied sich gegen die Reise nach Hause und stand wie geplant an der Seitenlinie.

Bayern wie entfesselt

Der überzeugende Sieg, bei dem manche Akteure wie entfesselt wirkten, linderte den Schmerz ein wenig.

"Die Jungs haben die Botschaft verstanden und gemacht, was sie machen müssen", resümierte er. Unmittelbar nach dem Erfolg ließ sich Jonker dann doch zum Flughafen bringen, um seiner Mutter beizustehen.

Mittlerweile geht es ihr wieder besser, Jonkers Rückkehr ist für Mittwoch angedacht. Er wird der Mannschaft nicht groß fehlen, denn am Montag stand ohnehin nur Auslaufen auf dem Programm, der Dienstag ist trainingsfrei.

"Mein Team hat sehr erwachsen gespielt", lobte Jonker seine Mannschaft, der er zudem "großes Herz und unglaublichen Einsatzwillen" attestierte. (383058DIASHOW: Die Einzelkritik)

"Kompliment" vom Kapitän

Kapitän Philipp Lahm betonte indes, dass unter dem geschassten van Gaal nicht alles schlecht gewesen sei, sprach Jonker aber "ein Kompliment" aus: "Wir haben nicht wie früher so oft einfache Fehler gemacht."

Oder, wie es Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge zusammenfasste: "Bayern hat gespielt, wie Bayern spielen muss."

Das "Weltuntergangsszenario" (Nerlinger) Platz vier ist bei nur einem Punkt Vorsprung auf Hannover 96 aber noch nicht abgewendet.

Rummenigge warnt vor Arroganz

Einerseits. Andererseits hat der Zweite Leverkusen nur noch sechs Punkte Vorsprung, die verbliebenen Gegner - Frankfurt, Schalke, St. Pauli und Stuttgart - sind schlagbar.

"Wir sollten nicht arrogant sein und unsere Ziele übersteuern", fügte Rummenigge an. Doch warum präsentierte sich der FC Bayern überhaupt anders als sonst? Welche Maßnahmen hat Jonker in der kurzen Zeit treffen können?

"Er hat schnelles Umschalten gefordert, auch mehr Aggressivität im Zweikampf, und man hat das heute alles bei uns gesehen", sagte Nerlinger.

Ohne Quartett gegen Bayer

Auf Arjen Robben und Holger Badstuber hatte der Coach verzichten müssen, Toni Kroos (Magen-Darm-Infekt) und Hamit Altintop (Erkältung) waren kurzfristig ausgefallen.

Erstmals seit September rückte somit Miroslav Klose wieder in die Startelf ? wenn auch auf der von ihm nicht gerade bevorzugten Zehner-Position.

Der Nationalstürmer war fleißig und und meinte hinterher vergnügt, vielleicht auch mit einem Gruß an van Gaal: "Ich habe gespielt, trotzdem haben wir gewonnen."

Kompromisslose Innenverteidiger

Auch sonst wurde mit dem starren taktischen Konzept van Gaals etwas gebrochen. Ballbesitz hatte nicht oberste Priorität, Bälle auch mal lang geklärt, was vor allem Kapitän Lahm gefiel, wie er nach dem Spiel verriet.

Die ohne Zweifel sehr schwachen Leverkusener verloren zudem reihenweise Bälle vor dem gegnerischen Tor, weil Daniel van Buyten und Luiz Gustavo in der Innenverteidigung kompromisslos zu Werke gingen.

Auch im Mittelfeld gab es kaum ein Durchkommen für die Werkself, da Anatoliy Tymoshchuk sich relativ frei bewegen konnte. Vorne besorgte der eiskalte Mario Gomez den Rest.

"Unser Ziel ist es jetzt, die nächsten vier Spiele zu gewinnen", sagte Jonker. "Dafür werden wir alles tun."

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel