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Haarig wurde es dann im Jahr 2000, als Daums Kokainaffäre, die Hoeneß richtig ins Rollen gebracht hatte, den ihm bereits zugesagten Bundestrainer-Job kostete. Hoeneß griff Zeitungsgerüchte um einen "verschnupften Daum" auf - und erklärte, dass er nicht DFB-Coach werden könne, sollte es sich bestätigen. Das Ergebnis ist bekannt
Christoph Daum trainierte zuletzt den türkischen Erstligisten Fenerbahce Istanbul © getty

Die früheren Meistertrainer Daum und Magath stecken mit Frankfurt und Wolfsburg im Abstiegskampf. Doch der Erfolg bleibt aus.

Von Christian Stüwe

München - Der eine ist der "Messias", der andere der "Magier".

Aber aktuell scheint ihr Zauber verflogen zu sein.

Christoph Daum und Felix Magath stecken mit Eintracht Frankfurt und dem VfL Wolfsburg im Abstiegskampf und wirken irgendwie ratlos.

Daum, für seinen Redefluss bekannt, fasste sich nach der unnötigen und ärgerlichen Niederlage der Frankfurter in Hoffenheim kurz.

"Spiele werden durch Tore entschieden. Hoffenheim hat ein Tor gemacht", erklärte der 57-Jährige: "Glückwunsch nach Hoffenheim."

Während Daum keinen Drang verspürte, die Pleite seines Teams zu erläutern, kritisierte Magath seine Mannschaft, nachdem die "Wölfe" beim 2:2 gegen St. Pauli (Spielbericht) den Befreiungsschlag verpasst hatten.

Magath: "Der Wille hat gefehlt"

"Mir haben der Mannschaftsgeist und der absolute Wille gefehlt", sagte Magath und macht dafür seine Nachfolger als Trainer der Niedersachsen verantwortlich.

Nachdem "Quälix" nach dem Meister-Coup 2009 seine Zelte in Wolfsburg abbrach und nach Gelsenkirchen zog, nahmen erst Armin Veh, Steve McClaren und schließlich Pierre Littbarski auf der VfL-Bank Platz.

"Strukturen der Mannschaft verletzt"

"Man wollte wohl erfolgreiche Arbeit verändern. Warum man allerdings etwas Intaktes verändern wollte, entzieht sich meiner Kenntnis", wird Magath in der "Bild" zitiert.

"Mit dem Bedürfnis, etwas zu verändern, hat man die Strukturen der Mannschaft verletzt."

Trotzdem rechnet der Trainer noch mit dem Klassenerhalt. Man müsse sich allerdings "auf die Entscheidungsspiele (Relegation) einstellen".

Magath zählt Diego an

"Wir haben zu viele Spieler, die selbst gute Leistungen abliefern wollen, ohne auf die Mitspieler zu achten."

Spielmacher Diego dürfte sich durch diese Worte angesprochen fühlen. Magath nahm ihn gegen St. Pauli 20 Minuten vor Schluss vom Feld und bezeichnete ihn anschließend als "unsicher".

Natürlich habe sich Magath bei seiner Rückkehr "einen stärkeren Diego gewünscht", gibt er zu.

Ob es sich der Trainer allerdings leisten kann, in der heißen Phase des Abstiegskampfes seinen sensiblen Spielmacher zu verärgern, steht auf einem anderen Blatt.

Köln, Bremen, Kaiserslautern und Hoffenheim sind die verbliebenen Gegner, vor allem gegen die direkten Konkurrenten sollten die "Wölfe" gewinnen, wenn der Klassenerhalt noch gelingen soll.

[kaltura id="0_vddm8bon" class="full_size" title="Beeinflussen die Schiedsrichter den Abstiegskampf "]

Kein Sieg nach Trainerwechsel

Allerdings warten sowohl Daum wie auch Magath noch auf den ersten Sieg. Der positive Effekt des Trainerwechsels blieb aus.

"Die Bilanz ist nicht berauschend", räumt Wolfsburgs Coach ein. Drei Unentschieden und eine Niederlage stehen seit Magaths Dienstantritt vor einem Monat zu Buche.

Die Coaches, die ihre früheren Teams zu Meisterschaften und in die Champions League führten, blieben den Beweis, auch als "Feuerwehrmann" im Abstiegskampf zu bestehen zu können, bislang schuldig.

Frankfurt träumte zum Rückrundenstart noch von der Europa League, doch nach dem verpatzten Rückrundenstart erlebten die Hessen einen beispiellosen Absturz.

Erst sieben Punkte und ein Sieg, das 1:0 gegen St. Pauli war das letzte Spiel unter Daums Vorgänger Michael Skibbe, wurden in der Rückrunde eingefahren 381537(DIASHOW: Der 30. Spieltag).

Gekas trifft nicht mehr

Auch wenn die Mannschaft zuletzt nicht mehr so leblos wirkte wie unter Skibbe, sind die Probleme auch unter Daum die gleichen geblieben.

Das Spiel ist auf Theofanis Gekas zugeschnitten, doch der Grieche trifft nicht mehr und lässt reihenweise beste Chance liegen.

Zudem patzt Torhüter Ralf Fährmann in schöner Regelmäßigkeit, was die Eintracht nicht nur in Hoffenheim wichtige Punkte kostete (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Überraschungserfolg gegen Bayern?

Vor allem, da die Hessen mit Bayern München, Mainz, Köln und Dortmund ein nicht gerade leichtes Restprogramm haben.

Beide Trainer setzten zuletzt auf die für sie typische Methoden: Daum versuchte seine Mannschaft stark zu reden, Magath strich den trainingsfreien Montag.

"Vielleicht gelingt uns ja gegen die Bayern eine Überraschung", erklärte Daum, während Magath berichtete, "den richtigen Ansatz" bei der zusätzlichen Übungseinheit gesehen zu haben.

Letztlich klingen die Aussagen der beiden früheren Meistertrainer nach Durchhalteparolen. Und die Angst vor dem Sturz in die Zweite Liga dürfte bei den Erfolgscoaches groß sein, würde dies doch einen Imageschaden mit sich führen.

Daum denkt an die Relegation

Zumindest in Frankfurt beschäftigt man sich schon ausgiebig mit Zweitligisten. Daum lässt bereits jetzt mögliche Gegener in den Relegationsspielen auskundschaften.

"Es wäre fahrlässig, wenn wir das nicht tun würden. Natürlich beschäftigen wir uns damit und beobachten die möglichen Gegner aus der Zweiten Liga", sagte Daum der "Frankfurter Neuen Presse".

Daum geht davon aus, dass die Eintracht "mindestens 38" Zähler für den Klassenerhalt benötigt - also noch fünf Punkte in vier Spielen.

Magath: "Ich bleibe auch in der Zweiten Liga"

Daums Vertrag verlängert sich nur im Falle des Klassenerhalts, während Magath auch einen Kontrakt für die Zweite Liga besitzt.

"Ich bleibe auch in der Zweiten Liga, das habe ich so zugesagt", beteuerte Magath zuletzt im "kicker". "Meine Arbeit ist nicht auf kurzfristigen Erfolg ausgelegt, sondern auf Perspektive. Und diese ist beim VfL weiterhin sehr gut", legt er in der "Bild" nach.

Dass sich der 57-Jährige aber wirklich auch im Unterhaus auf die Bank setzen würde, erscheint mehr als unwahrscheinlich.

Denn Magie sucht man in der Zweiten Liga meist vergeblich.

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