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Darauf kann man sich einstellen: Manuel Neuer im roten Trikot © getty

Bayerns Bosse lassen durchblicken: Neuers Wechsel ist Gewissheit. Vier Jahre und knapp 20 Millionen - und kein Butt als Ersatz.

Von Tobias Hlusiak und Christoph Gschoßmann

München - Der Nationaltorwart befindet sich im Anflug auf die bayerische Landeshauptstadt.

Was über das Wochenende vom Gerücht zum offenen Geheimnis wurde, ist nun Gewissheit - wenn auch noch inoffiziell. Bayerns Chefetage gibt ihre Zurückhaltung auf, will aber Schalke mit der Vollzugsmeldung nicht zuvorkommen.

Auch neue Details des kommenden Mega-Transfers werden bekannt. Nach Informationen der "Bild" soll Neuer soll einen Vier-Jahres-Vertrag erhalten.

Auch auf eine Ablösesumme sollen sich die Klubs geeinigt haben: Zwischen 18 und 20 Millionen Euro sollen im Raum stehen, auch hier scheint ein Kompromiss gefunden worden zu sein.

Rummenigge: "Wollen Schalkes Vorbereitung nicht stören"

Bei der Präsentation des neuen Bayern-Trikots sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge am Dienstag: "Wir wollen Schalke in der Vorbereitung auf die Champions League nicht stören. Deshalb wollen wir die Personalie nicht zu offensiv kommentieren."

Rummenigge und die Bayern haben anscheinend was sie wollten - der ehemalige Angreifer konnte sich das Lächeln kaum verkneifen, auch wenn eine offizielle Bestätigung noch vermieden wird.

Der Bayern-Boss gab aber indirekt zu: Von der Seite des FCB ist nichts mehr zu regeln. Zwischen Bayern und Neuer sowie zwischen Bayern und Schalke herrscht also Einigkeit.

Jetzt fehlt nur noch eines: Schalke muss den Wechsel öffentlich machen. Wann und wo, darauf hat Bayern keinen Einfluss. Rummenigge: "Das Ganze ist eine Sache zwischen Manuel Neuer und Schalke 04."

Butt: "Bester deutscher Torwart"

Auch Neuers Vorgänger Jörg Butt rollt dem 25-Jährigen medienwirksam den roten Teppich aus.

"Manuel hat auf sehr hohem Niveau, über einen sehr langen Zeitraum bei einem guten Verein Topleistungen gezeigt", sagte Butt.

Deswegen ist sich der ehemalige Leverkusener bewusst, dass "Manuel Neuer im Moment der beste deutsche Torwart mit dem größten Potenzial ist."

Und der gehört ? nach eigenem Anspruch selbstredend ? nach München.

"Wir sind kein Ausbildungsverein"

Butt war in der Winterpause vom, mittlerweile geschassten Trainer Louis van Gaal auf die Bank versetzt worden. Für ihn hütete fortan der junge Thomas Kraft das Tor des Rekordmeisters. Erst seit dem vergangenen Spieltag gegen Bayer 04 (Spielbericht)steht Butt wieder im Kasten.

"Ich konnte die Entscheidung nicht nachvollziehen. Ich hatte eine konstante Hinrunde gespielt und nach der Winterpause wurde mir mitgeteilt, dass ich nicht mehr im Tor stehe", sagte der Keeper (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

"Das war mit großem Risiko verbunden. Du kannst ja auch nicht von der Schule kommen und gleich Topmanager werden. Wir sind hier beim FC Bayern, und das ist eben kein Ausbildungsverein."

Neuer stellt Butt dagegen ein gutes Zeugnis in punkto Erfahrung aus: "Er hat eine sehr gute WM gespielt, dazu einige Male in der Champions League."

Nerlinger gefällt Neuers rotes Trikot

Im Audi Star Talk pflichtete FCB-Sportdirektor Christian Nerlinger seinem Torhüter bei.

"Ich habe Louis van Gaal ganz klar gesagt, dass Bayern München kein Entwicklungsverein ist. Sondern dass wir erfolgreich sein müssen. Und dass wir uns in keiner stabilen Situation befinden. Aber er ist seinen Weg gegangen." Dieser führte schließlich in die Arbeitslosigkeit.

Auch in Sachen Neuer ist Nerlinger mit Butt einer Meinung: Neuer, der beste Torwart Deutschlands, muss zum FC Bayern kommen.

"Ich habe Manuel Neuer in einem weißen Trikot gesehen, in einem blauen Trikot gesehen. Aber ich habe ihn auch schon in einem roten Trikot gesehen. Und im Roten hat er mir mit Abstand am besten gefallen", so der Sportdirektor.

Keine Reservistenrolle mehr für Butt

Ganz Fußballdeutschland und auch Butt wissen um Neuers außergewöhnliche Qualitäten.

Natürlich wirkt sich der anstehende Wechsel auch auf Butts Position aus. Fast ein halbes Jahr auf der Bayern-Bank ist mehr als genug für den 36-Jährigen.

"Ich habe immer gesagt, dass ich gerne spielen will und mich nicht auf die Bank setzen möchte", wird Butt in der Münchner "Abendzeitung" zitiert.

Butt im Zwiespalt

Butt bleibt Realist. Im Kampf gegen einen 20 Millionen teuren Nationaltorwart sieht er sich ohne Chance. "Wenn Neuer kommt, ist doch klar, dass er spielen wird", sagte der gebürtige Oldenburger.

Auch Kraft hatte klargestellt, sich nicht hinter Neuer auf die Bank setzten zu wollen. Jetzt auch Butt. Der Routinier steckt im Zwiespalt, denn wie auch Torwart-Oldie Jens Lehmann (40) reizt den Keeper das Profifußballgeschäft nach wie vor.

Gerade nach der Demütigung seines Ex-Vereins Bayer Leverkusens (Nachbericht), hat Butt Blut geleckt. "In mir stecken noch ein paar Jahre Profi-Fußball", so der viermalige Nationalspieler.

Entscheidung nach Saisonende

Wie Neuer und die Bayern-Bosse hält sich Butt aber noch bedeckt, was endgültige Statements angeht.

Mit einer Entscheidung sei "erst nach Saisonende, wenn die Fakten feststehen" zu rechnen.

Einen Vereinswechsel steht wohl nach wie vor außer Frage - alles deutet aber darauf hin, dass Butt, dem nach seinem Karrierende ein Posten als Jugend-Koordinator beim FC Bayern angeboten wurde, seine Handschuhe - wenn auch widerwillig - an den Nagel hängt.

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