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Holger Stanislawski bricht nach 18 Jahren St. Pauli zu neuen Ufern auf © getty

Es ist amtlich: Das St.Pauli-Urgestein geht zur TSG. Mit dem Trainerwechsel soll 1899 zum Kultklub werden - ohne Hopps Millionen.

Sinsheim - Holger Stanislawski soll den Retortenverein zu einem Kultklub machen: Bundesligist 1899 Hoffenheim hat wie erwartet den Trainer des Ligarivalen FC St. Pauli für die kommende Saison verpflichtet und will damit einen Imagewechsel vollziehen.

Mit Hilfe des neuen Trainers soll aus dem Spielzeug des Milliardärs Dietmar Hopp ein Ausbildungsklub mit größerer Identifikation für die Fans werden.

Das ist der Plan des Mäzens, der dem Verein in den kommenden Jahren den Geldhahn zudrehen will.

"Holger Stanislawski ist ein sehr erfrischender und konsequenter Trainer, der Mannschaft und Fans auch emotional mitnimmt", sagte Hopp.

"Ich freue mich über die Verpflichtung und glaube, dass wir in den kommenden Jahren einen sehr erfolgreichen Weg mit ihm einschlagen werden."

Junge Talente als Marschroute

Schon in seinen lobenden Worten über Stanislawski kurz nach der Bekanntgabe des Engagements betonte Hoffenheims Manager Ernst Tanner die neue Marschrichtung.

"Holger Stanislawski gehört zweifelsfrei zu den außergewöhnlichen Trainerpersönlichkeiten der Bundesliga", sagte Tanner.

"Seine Trainerqualitäten hat er mit den Aufstiegen des FC St. Pauli bis in die Bundesliga unter Beweis gestellt. Darüber hinaus versteht er es, junge Talente an den Profifußball heranzuführen", so Tanner weiter.

Stanislawski beerbt in Hoffenheim den scheidenden Marco Pezzaiuoli und erhält einen Vertrag bis zum 30. Juni 2014.

Der Coach betreut bis zum Ende der laufenden Spielzeit noch die abstiegsbedrohten Hamburger, ehe er sich in ein völlig anderes Milieu begibt. Seinen Abschied vom Kiezklub hatte Stanislawski unter Tränen bereits am 13. April verkündet.

Im Kraichgau wird der neue Trainer aus Respekt vor seinem derzeitigen Arbeitgeber erst nach Saisonende vorgestellt. Ob der gebürtige Hamburger Stanislawski seine eigenen Assistenztrainer mit nach Hoffenheim bringen wird, ist offen.

"Volle Konzentration auf den Klassenerhalt"

"Natürlich fällt nach so langer Zeit ein Abschied aus Hamburg schwer. Ich denke dennoch, dass es für mich Zeit ist, eine neue, spannende Aufgabe anzugehen", erklärte Stanislawski.

"Die Gespräche mit den Verantwortlichen in Hoffenheim haben mich absolut überzeugt. Ich freue mich auf das neue Umfeld und die kommende Saison mit 1899 Hoffenheim. Dennoch gilt meine volle Konzentration noch dem Saisonendspurt und dem Klassenerhalt mit St. Pauli, ehe ich an meine neue Aufgabe herangehe", so der neue TSG-Coach weiter.

Der 41-Jährige Stanislawski war seit 2006 Trainer der Hamburger, für die er als Spieler von 1993 bis 2004 in 260 Spielen 18 Tore erzielt hatte.

Hopp: "Aus wenig viel gemacht"

m November 2006 übernahm das Urgestein des Klubs die Mannschaft in der Regionalliga und schaffte den Aufstieg bis in die Bundesliga. Derzeit liegt der Aufsteiger auf dem vorletzten Tabellenplatz.

Den Werdegang Stanislawskis würdigte Hopp bereits vor der feststehenden Verpflichtung. "Er hat auf St. Pauli aus wenig Mitteln viel gemacht. Ich sage nicht, dass wir wenig Mittel haben, aber ich denke, dass er aus dem, was wir haben, das Optimale herausholt. Er kann Begeisterung entfachen und Motivation rüberbringen", sagte der Mäzen des Tabellenneunten.

Hopp hatte zuletzt erklärt, dass er den Klub innerhalb der nächsten vier Jahre in die finanzielle Unabhängigkeit entlassen will. Er hat nach eigenen Angaben bereits 240 Millionen Euro investiert.

Experiment Pezzaiuoli gescheitert

Wie Hopp hofft auch Tanner darauf, dass Stanislawski nach dem Abgang von Ralf Rangnick im Januar und dem missglückten Experiment mit Pezzaiuoli endlich der richtige Coach für die Hoffenheimer ist.

"Mit seiner sympathischen und doch geradlinigen Art genießt er zu Recht bei Fans, Spielern und Mitarbeitern großes Ansehen", sagte der Manager: "Nach fast 20 Jahren St. Pauli sucht er nun eine neue Herausforderung, und wir freuen uns, dass er sich für 1899 Hoffenheim entschieden hat."

Unklar ist derzeit noch, was aus Pezzaiuoli wird. Der ehemalige U17-Nationaltrainer hat in Hoffenheim noch einen Vertrag bis 2013 plus ein Jahr Option und schloss am Samstag eine Rückkehr zum Deutschen Fußball-Bund (DFB) aus. "Mein Ziel ist es, weiter Trainer in der Bundesliga zu bleiben", sagte Pezzaiuoli.

381537(DIASHOW: Der 30. Spieltag).

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