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Sergio Pinto erzielte in 149 Bundesligaspielen 18 Tore © getty

Europa League - das ist zu wenig. Serigo Pinto will mit 96 in die "Königsklasse"! Im SPORT1-Interview spricht Pinto über seinen Traum.

Von Christoph Gschoßmann

München - Hannover 96 spielt die beste Bundesligasaison seiner Vereinsgeschichte. 17 Siege und 54 Punkte bedeuten Rekord - bereits jetzt, vier Spieltage vor Saisonende (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Einer der Säulen im Team der Niedersachsen ist der Serigo Pinto, der mit konstant starken Leistungen maßgeblichen Anteil am Höhenflug der Hannoveraner hat.

Mit 28 Einsätzen zählt der defensive Mittelfeldspieler zu Trainer Mirko Slomkas unumstrittenen Stammspielern, zudem spielt der 30-Jährige mit sechs Toren und vier Assists auch offensiv seine beste Bundesligasaison.

"Keinen Zentimeter nachlassen"

Wegen einer Gelbsperre fehlt Pinto beim Auswärtsspiel seiner 96er in Freiburg (ab 20 Uhr im LIVE-TICKER) ebenso wie Toptorjäger Didier Ya Konan.

Trotz der Ausfälle weiß er um Hannovers mannschaftliche Geschlossenheit und ist sich sicher, dass 96 die Ausfälle kompensieren kann. "Ich gehe davon aus, dass die Jungs auch ohne uns hochmotiviert in das Spiel gehen", so Pinto.

Für ihn und Hannover gelte es jetzt, die wohl einmalige Chance auf die Champions League nicht verstreichen zu lassen. "Dafür müssen wir auch alles tun, dürfen keinen Zentimeter nachlassen", sagt der ehemalige Aachener.

Im SPORT1-Interview spricht Sergio Pinto über Hannovers Chancen im Fernduell um Platz drei gegen die Bayern, das Spiel in Freiburg und warum die "kleinen" Vereine in dieser Saison so groß auftrumpfen.

SPORT1: Herr Pinto, durch Hannovers Remis in Hamburg sind die Bayern wieder an 96 vorbeigezogen. Wie schätzen Sie ihre Chancen auf Platz drei jetzt ein?

Sergio Pinto: Es bringt uns nichts, wenn wir ständig darauf schauen, ob die Bayern einen Punkt vorne sind oder wir. Wir müssen genau das machen, was uns bisher ausgezeichnet hat: Von Spiel zu Spiel denken und auf uns schauen. Dann werden wir sehen, ob wir am Ende dafür belohnt werden, oder Vierter werden. Natürlich will jeder Champions League spielen! Wer will das nicht?

SPORT1: Wäre auch die Europa League schon ein großer Erfolg?

Pinto: Selbstverständlich wäre auch das eine Riesensache für Hannover. Wer hätte das denn vor der Saison schon gedacht? Wir sind aber zu Recht da oben, weil wir einen sehr guten, attraktiven Fußball spielen und uns auch nicht aus der Ruhe bringen lassen - auch wenn wir mal verlieren.

SPORT1: Das heißt, sie wären auch mit der Europa League zufrieden?

Pinto (lacht): Nein, eben nicht! Ich wäre zufrieden, wenn wir die Champions League erreichen würden! Wir haben hier eine einmalige Gelegenheit. Da müssen wir auch alles dafür tun, dürfen keinen Zentimeter nachlassen, um diese Chance auch zu nutzen. Wenn wir das schaffen, wären wir sehr stolz.

SPORT1: Hannover in der Champions League - können sie sich das überhaupt vorstellen?

Pinto: Selbstverständlich. Ein Stadion dafür haben wir, einen Flughafen haben wir auch! Und die Mannschaft würde nach dieser Saison auch gut da hinpassen. Ich wüsste nicht, was dagegen spricht.

SPORT1: Wie sehr ärgert Sie im Nachhinein ihre Gelbe Karte gegen Hamburg? In Freiburg müssen Sie aussetzen.

Pinto: Daran bin ich selber schuld. Das ist jetzt natürlich bitter, aber es spielt keine Rolle, wenn wir als Mannschaft auftreten.

SPORT1: Didier Ya Konan ist ebenfalls gesperrt. Kann die Mannschaft das kompensieren, wenn gleich zwei Stammspieler fehlen?

Pinto: Didier hat uns in dieser Saison schon ein paar Spiele gefehlt und ich war auch schon zweimal nicht mit dabei. Trotzdem haben wir viele dieser Spiele gewonnen. Ich gehe davon aus, dass die Jungs auch ohne uns hochmotiviert in das Spiel gehen.

SPORT1: Trainer Mirko Slomka hat dem Team, egal wie das Spiel ausgeht, einen Osterurlaub versprochen. Pusht eine solche Maßnahme die Mannschaft nochmal?

Pinto: Zwei Tage mehr frei mehr oder nicht - jeder weiß bei uns, worum es geht. Ein internationaler Platz ist ziemlich sicher, aber wir wollen die drei Punkte, damit wir das Unmögliche möglich machen können.

SPORT1: Wie beurteilen Sie ihr Restprogramm nach dem Spiel in Freiburg (Gladbach zu Hause, Stuttgart auswärts und zum Schluss gegen Nürnberg)?

Pinto: Heimstark sind wir ja. Ich gehe davon aus, dass wir gegen Gladbach und Nürnberg gewinnen. Das wird zwar ein hartes Stück Arbeit, vor allem gegen Gladbach, bei denen es um den Ligaverbleib geht. Stuttgart hat noch ein größeres Polster, aber für sie gilt das Gleiche. Das letzte Spiel zu Hause kann dann ein Showdown sein. Für uns geht es dann vielleicht um die Champions League - man weiß ja nie! Dann wollen wir unsere Fans mit einem schönen Ende in den Urlaub schicken.

SPORT1: Sie selbst spielen ihre wahrscheinlich beste Saison in der Bundesliga. So viele Tore und Vorlagen sind Ihnen noch nie gelungen. Wieso läuft es für Sie persönlich besser als in den vergangenen Spielzeiten?

Pinto: Die Position auf der Sechs liegt mir einfach sehr gut. Ich bin sehr froh, dass mir der Trainer die Gelegenheit gegeben hat, dort zu spielen. Dazu spüre ich auch hundertprozentig, dass man hinter mir steht. So ein Vertrauen habe ich noch nie gespürt. Und das versuche ich dann, Woche für Woche mit Leistung zurückzubezahlen. Natürlich hilft mir die Mannschaft auch. Es macht einen Riesenspaß mit der Truppe.

SPORT1: Sie sind 30 Jahre alt und haben noch bis 2013 Vertrag. Wie sieht's danach aus?

Pinto: Bisher habe ich mich noch gar nicht damit beschäftigt. Ich habe jeden Tag Spaß, ins Training zu gehen, freue mich auf die Spiele. 2013 ist für mich noch da noch zu weit weg.

SPORT1: Hannover war sonst immer Abstiegskandidat, auch letzte Saison war es ganz knapp. Jetzt diese grandiose Runde. Was glauben Sie, wie geht es in der nächsten Saison weiter?

Pinto: Wir können nächste Saison eine genauso gute Runde spielen. Natürlich gehört auch ein bisschen Glück dazu. Die vermeintlich größeren Vereine waren in diesem Jahr nicht so gut drauf. Das liegt aber ein Stück weit auch daran, dass der Fußball sich weiter entwickelt hat. Es zählt nicht mehr nur, wer den größten Etat hat. Nur durch viel Geld ist man nicht zwangsweise vorne mit dabei. Wenn man konsequent als Mannschaft auftritt, kann man auch erfolgreich sein. Dafür sind wir ja das beste Beispiel.

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