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Christoph Daum trat bei Eintracht Frankfurt die Nachfolge von Michael Skibbe an © getty

Das Duell Frankfurt - Bayern ist wegweisend für beide. Doch ein Mini-Nachklapp der alten Feindschaft überschattet wieder alles.

Von Martin Hoffmann

München ? Die Nachrichtenagenturen verkündeten es am Freitagnachmittag als Vorabmeldung, als "Breaking News" quasi.

"Daum will Hoeneß nun doch die Hand geben", ist da zu erfahren - und es liest sich wie die Klärung einer weltpolitischen Krise.

Dabei erzählt die Geschichte, die dahinter steht, nur von einem Mini-Nachklapp einer persönlichen Feindschaft, deren Höhepunkt zehn Jahre zurückliegt.

Und davon, wie gerne auch jeder Mini-Nachklapp noch immer wichtiger genommen wird als alles Sportliche, was es zum Duell zwischen Eintracht Frankfurt und dem FC Bayern (ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) zu erwähnen gibt (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Weil immer wieder die Erinnerungen hochkommen an die legendären Szenen vor zwanzig Jahren, als sich Daum und Hoeneß im "Sportstudio" ankeiften.

Und an die Kokain-Affäre Daums, die Hoeneß im Jahr 2000 zum großen Thema machte - als er einen vorher kaum beachteten Zeitungsbericht über Drogen-Gerüchte um Daum zum Anlass nahm, öffentlich in Frage zu stellen, ob der damals designierte Bundestrainer für den Job geeignet wäre.

Mit den bekannten Konsequenzen 301586(DIASHOW: Die Chronologie der Daum-Affäre).

Kokain im Kaffee?

Um was geht es diesmal? Um eine spöttische Bemerkung Hoeneß vor einem Monat über "Pulver im Kaffee".

Der Bayern-Präsident vermutete es bei den Klubbossen, die damals wie wild ihre Trainer wechselten. Und bei Eintracht-Boss Heribert Bruchhagen im Speziellen, wegen der Daum-Verpflichtung.

Obwohl Bruchhagen nicht einziger Adressat war und Koks eher selten in Kaffee geschüttet wird: Was medial nur zu gerne herausgehört wurde, war eine "Anspielung auf Daums Kokain-Affäre", die in Frankfurt für "geballten Zorn" gesorgt hätte.

"Das Thema ist erledigt"

Tatsächlich fand Bruchhagen Hoeneß' Worte "ärgerlich und unnötig" - sah ihm den Kommentar aber zugleich als "Weinlaune" nach.

Trotzdem kommt der gekränkte Daum nun nirgendwo mehr um die H-Frage herum: Wie halten Sie's am Samstag mit Uli Hoeneß?

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"Mit dem eben erwähnten Herrn will ich gar nicht mehr zusammentreffen", meinte der Eintracht-Coach zu Beginn der Woche bei einem TV-Auftritt: "Das brauche ich gar nicht mehr zu erwähnen. Das Thema ist erledigt."

Die Hand wird gereicht

Was dann wieder teils verstanden wurde als Ankündigung, Hoeneß nicht die Hand reichen zu wollen.

Wozu Daum nun - nach einer Phase, in der er gar nicht mehr auf Fragen zu Hoeneß antworten wollte - erklärte: "Ihn am Samstag zu begrüßen, ist für mich eine Selbstverständlichkeit."

Was die Agenturen nun als "völlig überraschend" und als "Rolle rückwärts" werten: "Wie es zu dem plötzlichen Sinneswandel kam, ließ der Zampano offen."

Daum peilt Sieg an

Viel Aufregung also um wenig von Belang. Am Ende wird es auch am Samstag in erster Linie um drei Punkte gehen.

Die die Bayern nach Hannovers Sieg in Freiburg für die Champions-League-Qualifikation brauchen - und die Frankfurter im Kampf gegen den Abstieg.

"Wichtig ist, dass wir noch einige Spiele gewinnen. Damit sollten wir am Samstag beginnen", wünscht sich der in drei Spielen noch sieglose Daum.

"Unglaubliche hohe Laufbereitschaft"

Sein Team muss ohne die verletzten Maik Franz, Sonny Kittel und Georgios Tzavellas sowie ohne den gesperrten Alexander Meier versuchen, den Vier-Punkte-Vorsprung auf Platz 16 zu verteidigen.

"Unglaubliche hohe Laufbereitschaft" will Daum den Bayern entgegensetzen, denen ein letztes Mal der rotgesperrte Arjen Robben fehlt.

Die Frankfurter spielen dabei nicht nur um den Liga-Erhalt, sondern auch um den Verbleib von Daum.

Bei Abstieg Abgang

Denn Daum will nicht in die Zweite Liga, was er am Freitag nochmals betonte - und als uneigennützigen Entschluss verkaufte:

"Die Zweite Liga hat ganz besondere Eigenheiten. Da gibt es Trainer, die sich besser auskennen und deshalb besser geeignet sind. Das ist eine Entscheidung zum Vorteil des Klubs."

Um dann noch hinzuzufügen: "Aber wir beschäftigen uns nicht mit der Zweiten Liga."

Es geht um viel an diesem Samstag - nur am Rande geht es um Handschläge und Pulver im Kaffee.

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