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Nicht mehr gut zu sprechen auf van Gaal (l.): Bayern-Keeper Jörg Butt © getty

Bayerns Keeper wirft dem Ex-Trainer im Duell mit Kraft Ungerechtigkeit vor - und verurteilt van Gaals Geltungssucht.

München - Bayern Münchens Torwart Jörg Butt sieht im Geltungsbedürfnis des entlassenen Trainer Louis van Gaal die Hauptursache für das Scheitern des Niederländers beim deutschen Rekordmeister.

"Das Problem war, dass er nicht bereit war, die Identität des Vereins anzunehmen. Er hat den Erfolg vielleicht ein bisschen sehr auf sich bezogen", sagte der Schlussmann im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung". (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Butt weiter: "Es kann nicht sein, dass ein leitender Angestellter in einem funktionierenden Verein alles umwerfen will. Der FC Bayern hat eine sportliche Linie gesucht - niemanden, der den Verein übernehmen will."

"Entscheidungen in die Vereinspolitik hinein"

Laut Butt wollte van Gaal "der ganzen Welt zeigen, dass er der Beste ist. Das wäre gar nicht nötig, weil man ja ohnehin merkt, wie gut er fachlich ist".

Dennoch habe der Coach "am Ende eben nicht mehr rein sportlich entschieden. Er hat Entscheidungen getroffen, die tief in die Vereinspolitik hineingingen".

Durch die dadurch entstandene Lagerbildung im Klub und den ausbleibenden Erfolg "kommt es dann zu Reaktionen wie bei uns".

Wechsel-Wirrwarr stört Butt

Van Gaals fortgesetzte Personalwechsel in der Mannschaft hätten die Position des Niederländers trotz der erfolgreichen Vorsaison, als die Bayern unter van Gaal Meisterschaft und Pokal gewannen sowie das Finale der Champions League erreichten, erheblich geschwächt.

[kaltura id="0_g4hyey00" class="full_size" title="Klose und van Buyten ber Neuer"]

"Wir hatten doch keine festen Größen mehr in der Abwehr: Im Tor, aber auch auf der Doppel-Sechs ist ständig gewechselt worden. Wie soll man da die Sicherheit beim Herausspielen bekommen, die ja verlangt wurde?", so Butt.

Der Keeper ergänzte: "Da hast du einen stabilen, über Jahrzehnte herausragend geführten Verein - und auf einmal ist vieles labil. Es gab am Ende doch gar keine Konstante mehr in der Mannschaft."

"Hatte keine Chance"

Seine Degradierung nach der Winterpause zur Nummer zwei durch van Gaal zugunsten von Thomas Kraft bezeichnete Butt als "ungerecht".

"Es gab keine sportlichen Grund, mich aus dem Tor zu nehmen", erläuterte der nach van Gaals Entlassung wieder zum Stammkeeper ernannte Ex-Leverkusener seine Sichtweise der Vorgänge.

Butt beklagt besonders van Gaals einsame Entscheidungsfindung in dieser Frage: "Er hat nicht einmal einen Zweikampf im Trainingslager ausgerufen. Ich konnte nichts tun, nichts beeinflussen, ich hatte keine Chance."

Bayern-Identität muss erhalten bleiben

Ungeachtet einzelner Kritikpunkte findet Butt allerdings auch einige lobende Worte für den entlassenen Startrainer.

"Louis van Gaal ist fachlich einer der besten Trainer, die ich hatte. Das denken alle Spieler bei uns - auch die, die mit ihm Probleme hatten. Ich glaube, dass der Verein viel von van Gaal übernehmen und lernen sollte", so Butt,.

Doch er mahnte: "Aber die Identität des FC Bayern muss erhalten bleiben."

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