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Manuel Neuer ist seit 1991 Mitglied beim FC Schalke 04 © getty

Der bevorstehende Wechsel von Schalke nach München sorgt für viel Empörung in beiden Fanlagern. Rangnick glaubt an Neuer.

Von Tobias Hlusiak

München - Wirft ihn die Fan-Wut um?

Manuel Neuers Wechsel vom FC Schalke, seiner großen Liebe, zum bei den königsblauen Fans verhassten FC Bayern noch in diesem Sommer ist so gut wie sicher (Bericht).

In den restlichen vier Ligaspielen droht dem Nationaltorhüter ein Spießrutenlauf.

Im Heimspiel gegen den 1. FC Kaiserslautern (Sa., ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) muss sich Neuer wohl auf was gefasst machen (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Die Nordkurve, deren Teil der 25-Jährige als Kind selbst war, hat sich von ihrem Idol abgewandt. Und auch in München stehen ihm nicht alle positiv gegenüber.

Als er am Mittwoch seinen Abschied von S04 verkündete, war er sich der Tragweite seiner Entscheidung bewusst.

Deswegen offenbarte sich der 25-Jährige zuerst seinen (zu diesem Zeitpunkt) rund 170.000 "Freunden" auf "facebook".

Er habe "wichtige Personen aus der Fanszene informiert", betonte Neuer auf der anschließenden Pressekonferenz und bat erneut um Verständnis für seinen Entschluss, den eigenen Vertrag auf Schalke nicht verlängern zu wollen.

Fans reagieren heftig

Der Rekordmeister ist für die meisten Anhänger der Königsblauen ein rotes Tuch. Auch für Neuer galt dies lange Zeit, was er - mehr oder weniger medienwirksam - zur Schau stellte.

Vielleicht hat Neuer aber die Heftigkeit der Anfeindungen unterschätzt (Reaktionen der SPORT1-User).

Nach der Pressekonferenz ergoss sich ein Schwall aus Häme, Trauer und schlimmen Beleidigungen über Neuer.

"Du bist kein Schalker mehr"

Mehr als 15.000 Kommentare weist Neuers facebook-Eintrag auf, in dem er seine Entscheidung darlegt (385423DIASHOW: Manuel Neuers Karriere).

Beschimpfungen der Kategorie "Judas" und "Verräter" tauchen hundertfach auf, sind allerdings noch harmloser Natur.

Zwar werden die Hasstiraden einiger "Neuer-Freunde" hier und da durch Beschwichtigungen anderer relativiert. Doch der Tenor bleibt: Neuer hat Schalkes Fans vor den Kopf gestoßen.

"Fans bleiben treu und wechseln nicht zum Feind. Du bist kein Schalker mehr", fasst ein Anhänger zusammen.

[kaltura id="0_g4hyey00" class="full_size" title="Klose und van Buyten ber Neuer"]

Nun steht es dem Torhüter frei, ob er das Feedback aus dem sozialen Netzwerk wirklich liest.

Spätestens gegen Lautern wird es aber zur Konfrontation kommen. Einige Fans planen im Internet eine Aktion gegen Neuer: "Schmeisst eure Trikots, Schals und Mützen mit dem Aufdruck des Judas auf das Spielfeld. Lasst uns ihm klarmachen, dass er ab sofort eine Persona non grata darstellt", heißt es da.

Geplanter Beginn: Spielminute 19:04.

Ein schwerer Gang

Der schwerste Gang steht Neuer allerdings noch bevor. Egal wie heftig die Proteste in der Schalker Arena tatsächlich ausfallen werden.

Am 30. April ist der 25-Jährige mit S04 in München zu Gast. Die Partie des 32. Spieltags wird zum Spießrutenlauf für den 19-fachen Nationalspieler.

Denn: Auch Bayerns Anhänger sind in Teilen strikt gegen eine Verpflichtung von Deutschlands Nummer eins.

Eine Münchner Fangruppe kündigte bereits an, dass den vermutlich künftigen Bayern-Keeper "kein warmes Willkommen" erwarten wird.

Schon beim Pokalhalbfinale zwischen beiden Teams war Neuer mit tausenden "KOAN NEUER"-Plakaten empfangen worden, Münchens Bosse entschuldigten sich danach beim Keeper.

"Neuer nicht diplomatisch"

Wenn jemand auf seiner Homepage mit Aussagen wie "Heimat ist das, wo man herkommt" oder "Nationalität: Schalke" sein Bild zeichne, limitiere er sich natürlich auf einen, auf "seinen" Verein, erläutert Henning Tidelski von der Münchner Fangruppierung "Schickeria" im Online-Portal "derwesten".

"Hinzu kamen in der Vergangenheit auch diese kleinen Spielchen: Mit der Trinkflasche beim Gang in Richtung Kurve ein bisschen provokant herumspritzen, oder natürlich die Anspielung auf Oliver Kahn beim Jubel an der Eckfahne", erläutert der Bayern-Fan. Neuer habe sich nicht diplomatisch verhalten.

Unbekannte Größe

Dass beide Fanlager gegen einen Spieler Position beziehen, der zwischen den Vereinen wechselt, ist in diesem Ausmaß sicherlich Bundesliga-Neuland.

Für den Menschen Manuel Neuer werden die kommenden Wochen zur vielleicht größten Prüfung seines Lebens.

In seiner noch jungen Karriere hat er neben vielen Höhepunkten auch einige Tiefen erlebt, reifte als Sportler.

Ob ein 25-Jähriger allerdings diesen enormen öffentlichen Druck gewachsen ist, muss sich zeigen.

"Dass ich keinen Applaus erwarten durfte, war mir klar. Ich habe auch Verständnis, dass viele von euch enttäuscht sind", postete Manuel Neuer noch am späten Mittwochabend. "Ich hätte ja nicht anders reagiert."

Zuspruch von Rangnick

Sein Noch-Trainer Ralf Rangnick glaubt jedoch, dass Neuer diese Phase überstehen wird.

"Vielleicht wird er etwas angefasster als sonst sein, aber er ist ein Mensch, der in sich ruht. Falls Pfiffe kommen, wird er stark genug sein, um seine Leistung abzurufen", sagte Rangnick.

"Er ist einfach der Beste, da gehören solche schwierigen Momente dazu."

Neuer sei "ein sehr wichtiger Bestandteil der Mannschaft". Angesichts der wichtigen Spiele in den kommenden Tagen wünscht sich der Trainer "eine Einheit zwischen den Fans und der Mannschaft."

Übrigens: Das vor den vergangenen Heimpartien der Königsblauen gespielte Lied "Ich würde nie zum FC Bayern München gehen" von den Toten Hosen wird in weiser Voraussicht aus dem Vorprogramm gestrichen.

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