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Arne Friedrich (r., mit Favre) spielt seit 2002 für die Hertha © getty

Die Hertha steht vor ihrer besten Hinrunde seit dem Aufstieg 1997. Doch vom Titel wollen die Verantwortlichen noch nicht träumen.

Von Martin Volkmar

Berlin/München - Im Verein wiegelt man ab, doch Berlins Boulevard-Zeitungen planen schon die Meisterfeier am Brandenburger Tor.

Nach Herthas unerwarteten Höhenflug bis auf Platz vier schüren die Medien erfolgreich die Euphorie um den lange als "graue Maus" verschrienen Hauptstadt-Klub.

Am Freitag im Heimspiel gegen den 1. FC Köln (ab 20 Uhr LIVE) dürfte ein volles Olympiastadion die Folge sein und ein mächtig gestiegener Erwartungsdruck.

Nach drei Siegen in Folge wird auch ein Dreier gegen den Aufsteiger erwartet, mit dem die Berliner zumindest vorübergehend auf Platz zwei klettern würden.

"Sind noch nicht so weit"

"Wir wollen weiter ganz oben mitmischen, auch in der Rückrunde", sagt der Brasilianer Cicero. "Wir müssen immer an die Schale denken."

Doch davon will Arne Friedrich nichts wissen. "Natürlich ist es schön, wenn ein bisschen Euphorie aufkommt", sagt der Hertha-Kapitän im Gespräch mit Sport1.de.

"Aber gleich zu sagen, wir werden Meister, das ist völlig verkehrt. Ich glaube nicht, dass wir so weit sind."

(Arne Friedrich zum Spiel in Köln im VIDEO)

Hoeneß: Vergleich mit Bruder Uli

Ball flach halten und weiter arbeiten - so lautet auch das Credo von Trainer Lucien Favre und Manager Dieter Hoeneß.

Trotzdem sieht sich Hoeneß auf dem richtigen Weg und vergleicht seine Arbeit mit der seines Bruders, FC Bayerns Manager Uli Hoeneß.

"Ich bin so vermessen zu sagen, dass ich hier bei Hertha Vergleichbares geleistet habe wie Uli bei den Bayern - und zwar unter ganz anderen Voraussetzungen", meinte Dieter Hoeneß in der "Bild".

Ungewohnte Situation für Hertha

Bei seiner Amtsübernahme stand die Hertha kurz vor dem Abstieg aus der Zweiten Liga, jetzt ist der Klub eine feste Größe in der Bundesliga und richtet den Blick nach oben.

Der Ex-Nationalspieler zu, dass er diese ungewohnte Situation nach Jahren im Mittelmaß genießt: "Wir wollen das hohe Niveau halten. Es ist schon eine ganze Zeit her, dass wir uns so nachhaltig in den oberen Regionen bewegt haben."

Erfolgreichste Hinrunde seit Jahren?

In den vergangenen Jahren folgte einem kurzen Aufschwung meist der schnelle Abschwung, doch diesmal stehen die Berliner vor ihrem besten Hinrundenabschluss seit dem Wiederaufstieg 1997, wenn sie mindestens Platz vier halten. (Ergebnisse und Tabelle)

"Ich glaube, dass wir als Mannschaft zusammengewachsen sind", sagt Friedrich über die Gründe für die Steigerung im zweiten Jahr unter Favre.

"Wir verinnerlichen immer mehr das System des Trainers. In der Defensive stehen wir sehr gut, schlagen vorne im richtigen Moment zu und gewinnen auch nach Rückstand Spiele, die wir vor einem Jahr nicht gewonnen hätten."

Der Titel bleibt Tabu-Thema

Dennoch bleibt der Nationalspieler ganz auf Vereinslinie, wenn er weiterhin den UEFA-Cup als Saisonziel ausgibt. So sieht schließlich der Masterplan von Favre und Hoeneß aus: 2009 UEFA-Cup, 2010 Champions League.

"Wir bleiben bei unserer Zielsetzung, besser abzuschneiden als im Vorjahr", ist der Schweizer Coach sogar noch eine Spur defensiver als sein Spielführer.

Und Hoeneß erklärt den Titel sogar zum Tabu-Thema: "Alles andere als über den UEFA-Cup zu diskutieren, wäre irrsinnig."

Ein Funke Hoffnung

Doch der Irrsinn könnte schon bald eintreten, wenn Hertha in der Winterpause unter den Top-Drei steht. Die Boulevard-Medien und die nach langer Durststrecke erwartungsfrohen Fans werden jedenfalls als erste auf diesen Zug aufspringen.

Und nicht nur Cicero lässt sich mitreißen. "Ich hoffe, dass wir am Ende der Saison ganz oben stehen", sagte der bislang überragende Josep Simunic.

Und sogar Friedrich könnte umkippen. "Wir wollen versuchen, in den UEFA-Cup-Rängen zu bleiben", erklärt er, ergänzt aber: "Wenn es im Endeffekt mehr wird, sind wir die letzten, die etwas dagegen haben."

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

Hertha: Drobny - Chahed, Friedrich, Simunic, Stein - Dardai, Kacar - Nicu, Cicero - Raffael, Voronin

1. FC Köln: Mondragon - Brecko, Geromel, Mohamad, Wome - Antar, Petit, Pezzoni, Broich - Vucicevic - Novakovic

Schiedsrichter: Wagner (Hofheim)

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