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Daniel van Buyten (l.) und Franck Ribery liegen mit Bayern nun einen Punkt hinter Hannover © imago

In Spiel zwei nach der Van-Gaal-Entlassung holt Bayern das Zittern um die Champions League wieder ein. Hoeneß schweigt dazu.

Von Martin Hoffmann

München/Frankfurt - Eine "Explosion" werde man sehen, das Abstreifen der "Zwangsjacke".

Das war die drastisch formulierte Erwartung, die Bayern-Präsident Uli Hoeneß nach der Entlassung von Trainer Louis van Gaal hegte.

Das 5:1-Schützenfest gegen derangierte Leverkusener schien den Vereinspatriarchen zu bestätigen (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Nach dem erneuten Rückschlag in Form eines 1:1 bei Abstiegskandidat Frankfurt (Spielbericht) lautet das Fazit allerdings: Die Explosion ist verpufft - und die Zwangsjacke kratzt noch 386023(DIASHOW: Der 31. Spieltag).

Das missratene Gastspiel bei Hoeneß' altem Feind Christoph Daum demonstrierte deutlich, dass über Nacht nicht auf einmal Gold geworden ist, was unter van Gaal nicht mehr geglänzt hatte.

Kein Wunder, dass Hoeneß, der diese Erwartung wohl etwas zu offensiv geschürt hatte, nach dem Abpfiff wortlos von dannen schlich. Ebenso wie Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge und Sportdirektor Christian Nerlinger.

Die unangenehme Erkenntnis des Spieltags sprach stattdessen Thomas Müller bei LIGA total! aus: "Es ist bitter, dass wir es nicht mehr in der Hand haben."

Gemeint ist die Qualifikation für die kommende Champions-League-Saison - jener Saison, deren Krönungsmesse im eigenen Stadion stattfinden wird.

Um dabei zu sein, ist Bayern nun auf einen Ausrutscher von Hannover 96 angewiesen, das am Donnerstag mit dem Sieg in Freiburg Platz drei erobert hatte.

Jonker spricht klare Worte

"In dieser Situation müssen wir einfach gewinnen, und wenn du zu einem Abstiegskandidaten wie Frankfurt reist, dann musst du einfach die drei Punkte holen", legte Interims-Coach Andries Jonker den Finger in die Wunde.

Der Niederländer widerstand auch der Versuchung, die Schuld am verpassten Sieg an Schiedsrichter Jochen Drees abzuladen, der den Bayern im Lauf des Spiels einen klaren und einen möglichen Elfmeter verweigerte.

"Kein Recht auf drei Punkte" hätte sein Team insgesamt gehabt.

"Vielleicht fehlt das Selbstvertrauen"

Trotz eines guten Beginns, und eines starken Schlussspurts, der das 1:1 durch das Elfmetertor von Mario Gomez hervorbrachte. "Von den guten Ansätzen können wir uns nichts kaufen", hielt Müller fest.

Obwohl sich sein Team nach dessen Sicht der Dinge "zerrissen" hat, präsentierte es sich über weite Strecken ohne Inspiration, ohne Durchschlagskraft und ohne Glanz.

Stützen wie der angeschlagene Mittelfeld-Lenker Bastian Schweinsteiger, Philipp Lahm oder Franck Ribery kamen nicht zur Entfaltung.

"Vielleicht fehlt im Moment einfach das Selbstvertrauen", rätselte der eingewechselte Toni Kroos: "Wir zeigen derzeit nicht die spielerische Klasse, die wir haben." Als "zu dumm" empfand Mario Gomez sich und seine Teamkollegen.

Daum enttäuscht

Und so blieben an diesem Abend praktisch nur lange Gesichter zurück.

Denn auch die Frankfurter trauerten der verpassten Chance nach, größere Distanz zu den Abstiegsplätzen aufzubauen.

"Für uns ist das Ergebnis eine ganz große Enttäuschung", meinte Daum, der am Ende wegen Meckerns über die Länge der Nachspielzeit auf die Tribüne verbannt wurde - und nach dem vierten Spiel unter seiner Regie weiter auf den ersten Sieg wartet.

Gekas ohne Glück

Zum Sinnbild der andauernden Ergebniskrise wurde einmal mehr der in der Rückrunde glücklose Goalgetter Theofanis Gekas.

Der Grieche vergab die ultimative Chance zur Entscheidung, als er vier Meter vor dem Tor an einem punktgenau servierten Ball vorbeitrat.

Die Vollstrecker-Aufgaben erledigte an diesem Samstag dafür der junge Abwehrmann Sebastian Rode, der sich als kämpferisches Defensiv-Arbeitstier ebenso hervortat wie als Torschütze.

Fährmann rehabilitiert sich

Rehabilitieren konnte sich für seinen jüngsten Patzer bei 1899 Hoffenheim außerdem der "exzellent" (Daum) aufgelegte Keeper Ralf Fährmann.

Der versuchte hinterher bei LIGA total! auch das Positive zu betonen: "Wenn uns vor dem Spiel einer gesagt hätte, wir holen einen Punkt gegen München, hätten wir das sofort unterschrieben."

Auch Daum mühte sich an gleicher Stelle um den rechten Mittelweg aus Fehleranalyse und Seelenmassage für eine "Riesen-Mannschaftsleistung". Er müsse seine Truppe ja auch "immer wieder starkreden".

Beschwörer Daum

Ein wenig an diesem Ziel vorbei führte die anschließende Feststellung: "Normalerweise würde ich gern dazwischenhauen und sagen: So ein Ding, Leute, das dürft ihr euch nicht mehr nehmen lassen."

Man sei aber eben keine "eiskalte, abgezockte Mannschaft, wir sind ja nicht umsonst in dieser Situation".

Mit den gewohnt großen Augen beschwörte Daum dafür den Glauben, dass sein Team "an der Situation wachsen" werde: "Die Mannschaft wird sich noch selber belohnen."

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