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Torwart Christian Wetklo (l.) spielt seit 2001 beim FSV Mainz 05 © getty

Nürnberg nimmt den misslungenen Sprung auf Platz fünf auf die eigene Kappe. Ein absichtliches Handspiel wird zur Nebensache.

Von Barnabas Szöcs

München - Der einzige Aufreger des Spiels kam wenige Sekunden vor dem Schlusspfiff.

Als der Mainzer Keeper Christian Wetklo außerhalb seines Strafraums die Hand zur Hilfe nahm und damit sogar ohne Verwarnung davonkam, hatte die schwache Partie zwischen Nürnberg und Mainz (0:0) ihren traurigen, weil einzig nennenswerten Höhepunkt (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

"Es ist extrem schwer zu beurteilen", analysierte FSV-Trainer Thomas Tuchel die Szene nach der Partie, fügte aber gleich hinzu: "Wir hatten in dem Fall das Glück des Tüchtigen. Sonst gibt es Freistoß und zwingend Rot."

Dass das Vergehen Wetklos fast schon das Interessanteste war, was beide Teams in Nürnberg zu bieten hatten, war bezeichnend für ein enttäuschendes Spiel, in dem es doch um so viel ging (Spielbericht).

Bloß kein Risiko

Ausgehend von der Tabellensituation sollte das Aufeinandertreffen zwischen Nürnberg gegen Mainz eigentlich das spielerische Feuerwerk zweier junger Teams werden, die den letzten Platz um Europa untereinander austragen wollten.

Doch das Spektakel blieb über 90 Minuten aus, weil beide Mannschaften ihr Heil nicht in der Flucht nach vorne gesucht haben, sondern mehr darauf bedacht waren, nicht ins offene Messer zu laufen.

Schieber: "Müssen die Schuld bei uns suchen"

"Wir haben uns beide durch die taktischen Zwänge gegenseitig neutralisiert und uns zu viele einfache Fehler im Passspiel erlaubt", analysierte Club-Trainer Dieter Hecking das harmlose Treiben auf dem Nürnberger Rasen.

Julian Schieber versuchte bei LIGA total! erst gar nicht, Entschuldigungen für die Darbietung der Franken zu suchen: "Wir müssen die Schuld bei uns suchen, wir haben uns zu wenig Chancen herausgespielt, von daher geht das 0:0 in Ordnung."

Der 22-Jährige, dessen Leistung sich nahtlos in das magere Auftreten der Gastgeber einreihte, wusste, dass ein Sieg die Chancen auf die Europa League wesentlich erhöht hätte. "Wir haben immer noch drei Spiele, in denen alles möglich ist. Mir wäre es lieber gewesen, wenn wir heute gewonnen hätten, dann hätte der Druck bei Mainz gelegen."

Club muss nun zum Tabellenführer

So jedoch blieb der Big Point aus, am Zwei-Punkte-Rückstand auf die fünftplatzierten Mainzer änderte sich nichts. Allerdings spricht der kommende Spieltag gegen den Club, wie auch Schieber wußte: "Jetzt haben wir das schwere Auswärtsspiel in Dortmund."

Während sich die Nürnberger über ihre vergebene Chance ärgerten, waren die Mainzer mit dem Punktgewinn und ihrem ersten 0:0 in dieser Saison überdurchschnittlich zufrieden: "Wir halten Nürnberg auf Distanz und können mit dem Punktgewinn gut leben. Es wäre ein Matchball gewesen, wenn wir gewonnen hätten, was wir auch vor hatten", sagte Christian Fuchs.

"Man muss nicht den ersten Matchball verwandeln"

Und auch sein Trainer bediente sich dieser Wortwahl: "Wir hatten heute Matchball. Aber man muss nicht gleich den ersten Matchball verwandeln, um das Match zu gewinnen."

Über Matchbälle machte sich Dieter Hecking indes keine Sorgen. Was ihn jedoch gestört haben dürfte, war der Umstand, dass sich seine Mannschaft kaum eindeutige Chancen erspielte, während Mainz durch Andre Schürrle das Tor des Tages auf dem Fuß hatte. Der Nationalspieler vergab allerdings freistehend mit dem schwächeren linken Fuß 386023(DIASHOW: Der 31. Spieltag).

"Sowas passiert. Ich habe den linken Fuß trainiert, er wird auch besser. Aber den muss ich machen. Schade für die Mannschaft. Aber der Punkt ist trotzdem wichtig", so Schürrle.

Mainz mit defensiver Herangehensweise

Die Ausgangslage vor dem Europa-Duell war ihm klar: "Wir hatten im Hinterkopf, dass wir mit einem Unentschieden gut bedient sind. Die Nürnberger müssen jetzt nach Dortmund und wir haben ein Heimspiel gegen Frankfurt, dass wir gewinnen können und wollen."

So analysierte es auch Nürnbergs Mehmet Ekici: "Mainz war mit dem Punkt von Anfang an zufrieden. Und so sind sie auch aufgetreten. Dadurch war es für uns ein schwieriges Spiel. Wir haben keine Mittel gefunden."

Dieter Hecking indes suchte keine entschuldigende Erklärung: "Wir müssen uns an der eigenen Nase fassen, dass wir nicht den Druck entfachen konnten wie in den letzten Heimspielen."

Club muss auf Ausrutscher hoffen

Wetklos Handspiel geriet für den Club alsbald zur Nebensache. Der Blick geht nun nach vorne, Richtung Dortmund. Ilkay Gündogan sprach am Ende aus, was alle Nürnberger dachten: "Wir müssen darauf hoffen, dass die Mainzer Fehler machen. Und dann müssen wir da sein."

Ihre wohl größte Chance auf Europa hatten die Nürnberger in den 90 Minuten zuvor verpasst.

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