vergrößernverkleinern
Der letzte Sieg von Bayer Leverkusen gegen den FCB liegt mehr als vier Jahre zurück © imago

Bayer empfängt zum Topspiel des 15. Spieltags den Angstgegner aus München. Legt Leverkusen nach vier Jahren den Bayern-Fluch ab?

Von Thorsten Mesch

Leverkusen ? Als Bruno Labbadia am Freitagnachmittag zum Abschlusstraining bat, war der Himmel über Leverkusen grau.

Von der Autobahn direkt neben dem Trainingsplatz dröhnte wie immer der Lärm der Autos herüber, nebenan werkelten die Arbeiter auf der Großbaustelle der im Umbau befindlichen BayArena ? wie schon seit der gesamten Hinrunde.

Doch das Bild täuscht. Vor dem Spitzenspiel der Bundesliga gegen den FC Bayern (Sa., ab 15 Uhr LIVE) herrscht beim Werksklub keinesfalls Tristesse, sondern vielmehr Aufbruchstimmung.

Mit einem Sieg gegen die Bayern will Leverkusen seinen zweiten Platz vor den Münchnern sichern und den Kontakt zu Tabellenführer Hoffenheim halten (Ergebnisse und Tabelle) .

Statistik spricht für die Bayern

Ein Unentschieden sei zu wenig, betont Sportchef Rudi Völler. Was jedoch ein schwieriges Unterfangen sein wird.

Der letzte Sieg von Bayer Leverkusen liegt mehr als vier Jahre zurück.

Beim 4:1 am 28. August 2004 trafen Dimitar Berbatov und Franca je zweimal für Leverkusen, Michael Ballack erzielte an seiner ehemaligen Wirkungsstätte den Ehrentreffer der Bayern.

In den anschließenden letzten sieben Aufeinandertreffen hieß der Sieger jedoch jedes Mal Bayern München.

"Dann haben wir umso mehr Grund, dass das geändert wird", gibt Simon Rolfes die Marschroute für den Samstag vor.

Druck verspüre seine Mannschaft jedoch nicht, der sei "bei den Bayern viel größer", behauptet der Leverkusener Kapitän.

Labbadia betont gelassen

Das übliche Verhalten vor einem Spitzenspiel: Man gibt sich betont gelassen. "Für mich ist jedes Bundesliga-Spiel etwas Besonderes, jeder Spieltag ein Feiertag", sagt Labbadia, der in 82 Spielen im Trikot der Münchner 28 Treffer erzielte.

"Wir werden unser Spiel nicht verändern, weil der FC Bayern kommt. Wir glauben an unsere Stärken", gibt sich Labbadia, der um den Einsatz von Stürmer Stefan Kießling (Magenprobleme) bangt, selbstbewusst.

Gelingt Bayer die Wiedergutmachung?

"Die neuen Spieler, die zu Beginn der Saison dazugekommen sind, tragen viel zum Erfolg bei", sagt Defensiv-Allrounder Arturo Vidal (Spielerporträt) im Sport1.de-Interview.

"Renato Augusto, Henrique, Michal Kadlec und Patrick Helmes sind sehr gute Spieler, die dem Team enorm weiterhelfen. Deshalb stehen wir in der Liga so gut da."

Beim 1:2 am vergangenen Samstag in Bielefeld habe die Einstellung nicht gestimmt, erklärt Labbadia. Er gehe aber davon aus, dass es "gegen Bayern anders sein wird".

In der vergangenen Saison stimmten Einstellung und Körpersprache, aber dennoch verlor Leverkusen das Heimspiel gegen die Münchner mit 0:1.

Nach der 1:2-Pleite in München begann der Absturz.

Von einem Champions-League-Platz ging die Talfahrt bis auf Platz sieben, Bayer verpasste einen Europapokalplatz.

Hoeneß stichelt

"In welchem internationalen Wettbewerb spielt Leverkusen denn?", fragte Uli Hoeneß zuletzt hämisch und gab sich die Antwort selbst: "In keinem!"

Der Bayern-Manager stichelte sogar, Hoffenheim sei "ganz klar" stärker als Leverkusen.

"Das ist seine Meinung", entgegnet Vidal: "Hoffenheim ist momentan zwar vor uns, aber wir haben Sie hier geschlagen. Am Ende werden wir sehen, wer vor wem steht und wer Meister wird."

Die Tabellenführung, die sie in der vergangenen Saison vom ersten bis zum letzten Spieltag innehatten, wollen die Münchner, die am kommenden Wochenende Hoffenheim empfangen, zurückerobern.

Bayern-Trio fällt aus

"Wir sind gut drauf und wollen angreifen, um den Platz da oben möglichst schnell inne zu haben", sagt Bayern-Trainer Jürgen Klinsmann, der Kapitän Mark van Bommel (Grippe), Verteidiger Martin Demichelis (Wadenprobleme) und Lukas Podolski (Rücken) ersetzen muss.

"Wir haben sehr viel Respekt vor Bayer, sie haben Beeindruckendes geleistet. Aber wir wissen, wo wir hin wollen und was wir dafür zu tun haben", sagt Klinsmann.

"Wir fahren da hin, um zu gewinnen", kündigt Philipp Lahm an.

Wie man das anstellt, weiß schließlich kaum jemand besser als der Rekordmeister.

"Die Bayern sind Favorit"

"Die Bayern sind einfach abgezockt. Sie nutzen jede Unaufmerksamkeit aus", sagt Sport1.de-Kolumnist Toni Schumacher, der schon für beide Klubs tätig war ? in München als Spieler, in Leverkusen als Torwart-Trainer.

"Die Bayern sind Favorit, aber letztlich", so Schumacher, "kommt es darauf an, wer das erste Tor schießt."

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel