Schaefers Ende als Profitrainer hat mit seinem Charakter zu tun - und mit Inkompetenz der Kölner Führung.

Es war ein Rücktritt mit Ansage.

Frank Schaefer hatte offenbar nicht mehr das Gefühl, "seinem" 1. FC Köln noch weiterhelfen zu können und hat daher drei Spieltage vor Saisonende die Reißleine gezogen.

Einen schlechteren Zeitpunkt gibt es kaum und man kann Schaefer durchaus berechtigt vorwerfen, vielleicht nicht hart genug für das Bundesliga-Geschäft zu sein.

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Ansonsten hätte der gebürtige Kölner kaum vor einer Woche seinen selbst erklärten Traumjob als Chefcoach der "Geißböcke" freiwillig zum Sommer aufgegeben.

Zumal dieser Schritt die jüngste Krise nicht beenden konnte, sondern eher noch beschleunigte, wie die Pleite beim Abstiegsrivalen VfL Wolfsburg am Sonntag zeigte.

Doch hinter dem schnellen Ende eines hoffnungsvollen Trainers im Profi-Geschäft steckt wesentlich mehr.

Nämlich die geballte Inkompetenz der Vereinsführung des 1. FC Köln.

Dem früheren U-23-Coach Schaefer ist es seit der Amtsübernahme von Zvonimir Soldo im letzten Oktober gelungen, aus einer auf Platz 18 liegenden Söldner-Truppe ohne jegliche Identität und Identifikation eine Mannschaft zu formen.

Ein System und eine Spielidee waren nach Jahren wieder sichtbar, Problemkinder blühten plötzlich auf, allen voran Novakovic und Podolski, die Fans standen wieder hinter dem Team und fast zwangsläufig kam der Erfolg zurück.

Zu Hause war der FC in der Rückrunde bis zur Niederlage gegen Stuttgart unschlagbar und stellte sogar mit sieben Siegen in Serie einen Vereinsrekord auf.

Doch statt Schaefer zu stärken, vermisste man über Monate die Rückendeckung von Präsident Wolfgang Overath, der dem Vernehmen nach ohnehin nur bessere Fußballer als er selbst im letzten Jahrhundert einer war, als Trainer beim FC akzeptiert.

Endgültig abwärts ging es dann, als Sportdirektor Volker Finke nicht mehr nur für jeden sicht- und hörbar in Schaefers Training eingriff, sondern auch noch dessen religiösen Glauben in die Öffentlichkeit zerrte und als Grund für Schaefers fehlende Zusage für einen neuen Vertrag nannte.

Spätestens jetzt war das Vertrauen des Trainers zu seinen Bossen endgültig dahin ? und der einstige Freiburger Trainer-Revoluzzer Finke mitten im kölschen Klüngel angekommen.

Nun übernimmt der 63-Jährige entgegen seinen Erklärungen doch als Trainer, vorerst bis Saisonende.

Doch angeblich denkt Finke darüber nach, auch zukünftig als Über-Coach mit einem Vertrauensmann an der Linie die sportliche Alleinherrschaft beim FC auszuüben.

Für Frank Schaefer war da kein Platz mehr. Verlierer aber ist nicht er, sondern der 1. FC Köln.

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