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Stefan Kuntz absolvierte für den FCK 170 Bundesligaspiele und erzielte 75 Tore © getty

Klub-Chef Stefan Kuntz spricht bei SPORT1 über Lauterns Stärken im Abstiegskampf, Transfers und Parallelen zu Bremen.

Von Maik Rosner

München - Stefan Kuntz kennt man beim 1. FC Kaiserslautern seit dem 8. April 2008 vor allem als seriösen Vorstandsvorsitzenden.

Kürzlich fiel der 48-Jährige allerdings mit Rockermähne auf der Bühne des Pfalztheaters auf. Das passte zwar weniger zu Kuntz, aber ganz gut zum diabolischen Herz auf der Internetseite des Klubs und zu dem martialischen Spruch daneben: "Lauter Abstiegskampf. Gemeinsam unzerstörbar."

Nach dem Bundesliga-Aufstieg vor einem Jahr stehen Kuntz und Trainer Marco Kurz nun tatsächlich kurz davor, ihr Saisonziel Klassenerhalt zu erreichen.

Bereits am drittletzten Spieltag der Saison könnte die Versetzung für ein weiteres Jahr perfekt sein (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle). Vorausgesetzt, das Heimspiel gegen den direkten Konkurrenten FC St. Pauli am Freitagabend (ab 20 Uhr im LIVE-TICKER) wird gewonnen.

Für Kuntz wäre das zudem ein weiterer Schritt auf dem Weg zur angestrebten finanziellen Konsolidierung der "Roten Teufel".

Im SPORT1-Interview spricht der Europameister von 1996 über den Abstiegskampf, die Entwicklung der Mannschaft und darüber, wie sich der Kader in der kommenden Saison verändern wird.

SPORT1: Herr Kuntz, in Anlehnung an Ihren kürzlichen Hamlet-Auftritt im Theater: Bundesliga oder Zweite Liga, ist das für Sie bei 37 Punkten und fünf Zählern Vorsprung wirklich noch die Frage?

Stefan Kuntz: Absolut, weil wir uns immer an der Realität orientieren und messen. Deshalb müssen wir erst unser Ziel zu 100 Prozent erreichen.

SPORT1: Gegen den FC St. Pauli kann der Klassenerhalt vorzeitig perfekt gemacht werden. Wie zuversichtlich blicken Sie auf dieses Endspiel?

Kuntz: Die Mannschaft hat in der Vergangenheit gezeigt, dass sie sich weiterentwickelt hat und deshalb mit dem Druck und dem ausverkauften Haus wieder besser klarkommt. Sie wird sich zu Nutze machen, dass fast 50.000 Zuschauer hinter ihr stehen. Deshalb bin ich recht zuversichtlich, dass wir am Freitag unser Ziel erreichen.

SPORT1: Wo sehen Sie Fortschritte in der Entwicklung?

Kuntz: Wir haben früher in einigen Situationen nicht die richtigen Mittel gefunden. Wir haben öfter mal auswärts 1:0 geführt, es aber nie zu Ende gebracht. Mittlerweile haben wir unsere Lehren daraus gezogen. Die Mannschaft hat sich dahingehend entwickelt, dass wir es ab dem Auswärtsspiel in Nürnberg geschafft haben, eine Führung durchzubringen. Wir haben jetzt mit den Auswärtssiegen in Stuttgart und Schalke den Grundstein gelegt, alles in der eigenen Hand zu haben. Der nächste Schritt wäre jetzt, ein Big-Point-Spiel wie am Freitag zu Hause zu gewinnen.

SPORT1: Blicken Sie noch mit ein wenig Sorge auf die drei ausstehenden Spiele, in denen es neben St. Pauli auch noch gegen die direkten Konkurrenten Wolfsburg und Bremen geht?

Kuntz: Nein, wir haben den Spielpaarungen die ganze Saison über keine große Aufmerksamkeit geschenkt. Man muss in einer Saison sowieso zweimal gegen jeden Gegner spielen. Wir haben vor dem Spiel in Schalke ja auch nicht darüber nachgedacht, dass der Gegner drei Tage später im Halbfinale der Champions League gegen Manchester United spielt und im DFB-Pokalfinale steht. Ich bin kein Freund davon, über so etwas groß zu sinnieren. Wir müssen die Aufgaben so annehmen, wie sie kommen. Und für Freitag heißt das: Wir haben eine große Chance gegen einen Mitkonkurrenten, den wir hinter uns lassen und gegen den wir zu Hause gewinnen wollen.

SPORT1: Was sind aus Ihrer Sicht die Gründe für den bisher erfolgreichen Saisonverlauf?

Kuntz: Dass die Spieler die Bundesliga angenommen haben, indem sie Dinge, die sie zunächst nicht gut gemacht im Laufe der Zeit besser gemacht haben. Zudem stellt Trainer Marco Kurz die Mannschaft stets gut auf ihre Aufgaben ein. Und weil wir im Verein die Ruhe auch in schwierigen Situationen bewahrt haben.

SPORT1: In dieser Hinsicht lassen sich Parallelen zu Werder Bremen erkennen, wo trotz Abstiegsgefahr ebenfalls an Trainer Thomas Schaaf festgehalten wurde.

Kuntz: Ich finde es ein bisschen vermessen zu sagen, wir vergleichen uns mit Werder Bremen. Der Thomas ist da jetzt ja schon seit zwölf Jahren Trainer. Aber grundsätzlich will auch der FCK wieder mehr für Ruhe, Solidität und Berechenbarkeit stehen. Auf diesem Weg befinden wir uns, nicht nur in der Trainerfrage, sondern auch in der Außendarstellung. Wir glauben, dass dieser Weg für den FCK richtig ist. Wenn der Parallelen zu Werder Bremen aufweist, ist mir das recht. Denn Werder ist ein Verein, mit dem man gern verglichen wird.

SPORT1: Empfinden Sie die Bremer Kontinuität mit Allofs und Schaaf als vorbildlich, auch angesichts der schnellen Wechsel in vielen anderen Vereinen?

Kuntz: Das muss jeder für sich entscheiden. Ich kann nicht für andere Vereine sprechen. Aber man sieht ja, dass die Abstiegsgefahr mit Thomas Schaaf gebannt wurde. Solange der Trainer die Mannschaft erreicht und seine Maßnahmen greifen, ist Kontinuität sinnvoll.

SPORT1: Würde sich die schwierige finanzielle Situation beim FCK durch den Klassenerhalt entspannen?

Kuntz: Grundsätzlich ja. Aber näher möchte ich mich dazu erst äußern, wenn es wirklich so weit ist.

SPORT1: Wie rasch streben Sie den Abschluss der Personalplanungen an?

Kuntz: Möglichst schnell. Wenn die sportliche Entscheidung gefallen ist, werden wir zunächst mit unseren Spielern sprechen, bei denen wir es besser finden, wenn sie sich verändern. Zweitens werden wir bei den Leihspielern wie Jan Movarek mit den Verantwortlichen der anderen Vereine in Kontakt treten, um zu sehen, ob eine weitere Ausleihe möglich und sinnvoll ist. Und im dritten Schritt wird es natürlich um Neuverpflichtungen gehen. Doch einen tieferen Einstieg in die Gespräche lässt eben erst die Gewissheit über die Ligazugehörigkeit zu.

SPORT1: Srdjan Lakic wird zu Wolfsburg gehen, Ivo Ilicevic stand im Winter bei den Bayern auf dem Zettel, Olcay Sahan wurde bereits von Ihnen verpflichtet und Itay Shechter soll als Ersatz für Lakic kommen. Wie stark wird sich das Gesicht der Mannschaft in der kommenden Saison verändern?

Kuntz: Wir müssen genauso wie 16 andere Vereine der Bundesliga bei entsprechenden Angeboten aus wirtschaftlicher Vernunft über Verkäufe nachdenken. Das kann man nicht verleugnen. Außer den Bayern müssen das vielleicht noch Dortmund und Leverkusen nicht unbedingt. Bei Ilicevic oder jedem anderen Spieler kann ich mir aber erst Gedanken darüber machen, wenn ein entsprechendes Angebot vorliegt. Mit Itay Shechter hatten wir bisher nur ein Informationsgespräch.

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