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Volker Finke (l.) gibt FC-Spieler Martin Lanig im Training Anweisungen © imago

Der Sportchef soll Köln als Trainer retten. Scheitert er, droht das Aus. Vor dem Derby gegen Leverkusen appelliert er an die Fans.

Von Thorsten Mesch

München - Zvonimir Soldo. Frank Schaefer. Und jetzt also Volker Finke (Bericht: Schaefer geht - Finke übernimmt).

Der Sportdirektor soll nach Schaefers Rücktritt den 1. FC Köln als Trainer vor dem drohenden Abstieg bewahren.

Dabei hatte Finke immer wieder betont, nicht noch einmal als Coach arbeiten zu wollen.

"Aber von allen Optionen war dies für den Verein die beste Lösung, weil ich die Mannschaft kenne", erklärte Finke. "Man muss es aber auch mit voller Überzeugung machen, und das tue ich."

Finke übernimmt eine Mannschaft, die am Samstag gegen Leverkusen (Sa., ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) den Absturz stoppen muss, aber zuletzt gespielt hat wie ein Absteiger.

Seine Arbeit als Trainer beziehe sich allerdings "lediglich auf die restlichen Spiele dieser Saison. Danach werde ich wieder ausschließlich das Amt des Sportdirektors ausüben", betonte Finke.

Zu den drei Spielen könnten allerdings noch die zwei Partien der Relegation gegen den Dritten der Zweiten Liga kommen.

Finkes Auftrag ist gefährlich. Steigt Köln nämlich ab, droht ihm der Verlust seines Jobs als Sportdirektor.

"Keine Rücksicht mehr"

Einen Sieg aus den letzten drei Saisonspielen sei nötig, so die Rechnung der Kölner, um den Klassenerhalt zu schaffen.

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"Wir müssen den nötigen Sieg einfahren. Da können wir auf nichts mehr Rücksicht nehmen - auch auf die Gefahr hin, dass Finke sich komplett verbrennt?, sagte FC-Geschäftsführer Claus Horstmann.

Mit anderen Worten: Das ganze Projekt mit Finke, der aus Japan geholt wurde, um im Verein etwas entstehen zu lassen, steht auf der Kippe.

Mannschaft wie ein Absteiger

Der Vorsprung auf den Relegationsplatz beträgt nur noch drei Punkte.

Sollte der auf Platz 16 stehende VfL Wolfsburg am Freitagabend bei Werder Bremen gewinnen, wäre es nur noch ein Punkt - dann auf Frankfurt.

Schwieriges Restprogramm

Das Restprogramm der Kölner hat es in sich. Nach dem Derby gegen Leverkusen folgt das Auswärtsspiel in Frankfurt, wo es ausgerechnet gegen die Mannschaft des ehemaligen FC-Trainers Christoph Daum zu einer Art Endspiel kommen könnte. Am letzten Spieltag kommt dann Schalke 04 nach Köln.

"Unsere ganze Konzentration muss auf die letzten, enorm schweren Spiele gerichtet werden. Wir brauchen die totale Unterstützung von allen, die ein Herz für den FC haben", forderte Kapitän Lukas Podolski im "Express".

Podolski, der ein sehr gutes Verhältnis zu Schaefer hat, betonte, man habe es dem zurückgetretenen und bei den Fans sehr beliebten Trainer "zu verdanken, dass wir nach der Hinrunde überhaupt eine reale Chance auf den Klassenerhalt haben."

Konflikte im Team

Unter Schaefer hatte Köln mit sieben Heimsiegen in Serie ein scheinbar beruhigendes Polster zu den Abstiegsplätzen geschaffen. Doch nach zuletzt drei Niederlagen bröckelte die schöne Fassade, die Risse innerhalb der Mannschaft wurden deutlich.

Während die Fraktion um den Alt-Internationen Petit und den von Schaefer abgesetzten Kapitän Youssef Mohamad - beide hatten sich beim Sortdirektor über den Trainer beschwert - beim Training unter Finke förmlich aufblühte, wirkte Podolski irritiert, angeschlagen und lustlos.

Gerade der große Kölner Hoffnungsträger Podolski, der unter Schaefer zu alter Stärke zurückgefunden hatte.

Podolski vor dem Absprung?

Im Falle des Abstiegs wäre Podolski wohl kaum zu halten. Nach "Express"-Informationen sollen Borussia Dortmund und der AC Mailand am Nationalspieler interessiert sein.

Wechselgerüchte und dadurch zusätzliche Unruhe können die Verantwortlichen in Köln momentan überhupt nicht gebrauchen.

"Wir haben uns bis jetzt nicht mit diesem Thema befasst und werden das auch nicht tun", stellte Horstmann fest. "Wir wollen jetzt die Klasse halten, sonst gar nichts."

Letzter Sieg gegen Bayer vor 14 Jahren

Finke betonte, es gehe jetzt "nur darum, die Mannschaft so hinzukriegen, dass wir punkten". Doch das wird am Samstag schwer:

Der letzte Sieg gegen Leverkusen ist lange her: 1997 zerstörte Köln, damals am vorletzten Spieltag, Bayers Titelchancen. Was theoretisch auch am Samstag passieren könnte.

Praktisch hat Köln allerdings seit jenem 24. Mai keins der folgenden 15 Duelle gewonnen und die letzten drei Heimspiele gegen Leverkusen verloren.

Ob Finke diese desolate Bilanz im Hinterkopf hatte? Er appellierte zumindest an die Fans: "Ich kann nur bitten, uns im Derby gegen Leverkusen zu unterstützen. Wir brauchen das."

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