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Roman Weidenfeller hat bisher 216 Bundesligaspiele für den BVB absolviert © imago

Roman Weidenfeller spricht im SPORT1-Interview über den Saisonendspurt, Trainer Jürgen Klopp und eine möglichen Rekord.

Von Thorsten Mesch

München - Dortmund hat das große Ziel vor Augen: die siebte deutsche Meisterschaft.

Im Bundesliga-Endspurt will sich der BVB angesichts von fünf Punkten Vorsprung auf Verfolger Bayer Leverkusen auch nicht von der jüngsten Pleite in Gladbach kirre machen lassen (DATENCENTER: Bundesliga).

Torhüter Roman Weidenfeller glaubt fest an den Meistercoup und daran, dass der BVB seine Aufgabe gegen Nürnberg löst (ab 15 Uhr im LIVE-TICKER, ab 17 Uhr bei Bundesliga Aktuell Spezial live im TV auf SPORT1).

Bei einem Patzer von Leverkusen würde das schon die endgültige Entscheidung bedeuten.

Am schwarz-gelben Höhenflug hat Weidenfeller mit starken Torhüterleistungen und als Dirigent der Defensive einen wichtigen Anteil.

Im SPORT1-Interview spricht er unter anderem über den Saisonendspurt und den möglichen Rekord der wenigsten Gegentore. Zudem erklärt Weidenfeller, warum Trainer Jürgen Klopp genau weiß, was er tut.

SPORT1: Herr Weidenfeller, das Meisterrennen geht in die entscheidende Phase. Haben Sie schon den "Tunnelblick"?

Roman Weidenfeller: Ich bin sehr fokussiert auf die restlichen Spiele, primär natürlich erst einmal auf das kommende Heimspiel gegen Nürnberg.

SPORT1: Ihre Mannschaft hat sich in einigen Spielen zu Hause, zum Beispiel gegen Mainz oder Stuttgart, schwer getan. Erwarten Sie gegen Nürnberg eine ähnliche Geduldsprobe?

Weidenfeller: Es kann natürlich zu einer Geduldsprobe kommen, das ist uns klar. Aber wir wollen uns gegen Nürnberg belohnen und das Ergebnis positiv gestalten.

SPORT1: Es wäre Ihnen doch sicher angenehmer mit Schützenhilfe aus Köln schon am Samstag vor den eigenen Fans Meister zu werden, oder?

Weidenfeller: Wir wollen den Titel holen, das ist das Entscheidende. Wann und wo ist uns eigentlich egal, aber natürlich so schnell wie möglich. Es wäre umso schöner, die Meisterschaft am Samstag vor heimischer Kulisse klar zu machen.

SPORT1: Nicht nur gegen Mainz, auch in Hamburg oder zuletzt in Mönchengladbach haben Ihre Teamkollegen eine Vielzahl an Tormöglichkeiten vergeben. Die schlechte Chancenverwertung zieht sich fast durch die gesamte Saison. Stehen Sie manchmal in Ihren Strafraum und denken "am liebsten würde ich den Ball jetzt selbst rein machen?"

Weidenfeller: (lacht) Jeder Mannschaftsteil hat seine Aufgabe. Die Stürmer sollen sich um die Offensive kümmern, das Mittelfeld um das Gestalterische und die Abwehr um die Defensivarbeit. So sollte jeder seinen Part übernehmen, seine Arbeit ausfüllen. Von daher werde ich nicht nach vorne rennen und versuchen das entscheidende Tor zu erzielen.

SPORT1: Können Sie Ihren Sturmkollegen denn vielleicht Tipps geben, zum Beispiel für Eins-gegen-eins-Situationen vor dem gegnerischen Tor?

Weidenfeller: Weder spreche ich den Jungs vorne rein, noch die mir in meinen Bereich. Natürlich unterstützen wir uns alle gegenseitig und jeder versucht, dem anderen zu helfen.

SPORT1: Ihre Mannschaft wirkt nach außen hin sehr geschlossen. Ist diese Geschlossenheit ein sehr wichtiger Faktor für den Erfolg?

Weidenfeller: Absolut. Die Geschlossenheit und die Hilfsbereitschaft untereinander, auf dem Platz, aber auch außerhalb, machen das Gesamtwerk Borussia Dortmund aus.

SPORT1: In der Anfangsphase der Saison haben Sie im SPORT1-Interview erklärt, die Mannschaft sei auf den richtigen Positionen und mit Spielern verstärkt worden, die charakterlich und konzeptionell passen. Gibt es Spieler, die Sie seit damals besonders beeindruckt haben?

Weidenfeller: Es fällt natürlich immer der eine oder andere Name. Ich möchte keinen speziell hervorheben, das wäre unfair gegenüber den anderen Kollegen. Ich glaube, dass die Neuverpflichtungen ihre Sache sehr, sehr gut machen. Dennoch, die jüngeren Spieler haben eindrucksvoll bewiesen, dass sie in die Bundesliga gehören und zu weiteren, sprich internationalen, Aufgaben in der Lage sind.

[kaltura id="0_mb776h07" class="full_size" title="BVB will keine lahme Ente sein"]

SPORT1: Sie haben in einem aktuellen Interview sinngemäß gesagt: Wenn ein Journalist schreibt, dass Dortmund im Titelkampf wackelt, kann er das nicht ernsthaft meinen. Warum sind Sie so sicher, dass Sie Ihren Vorsprung über die Bühne bringen?

Weidenfeller: Wir kennen ja die Presselandschaft. Ab dem 15. Spieltag wurden wir schon zum Deutschen Meister gekürt, am 28. Spieltag haben sie uns auf einmal das Schwächeln einreden wollen. Das ist alles Quatsch. Wir sehen das sehr realistisch und selbstbewusst. Dass wir dieses Jahr den Titel holen wollen, steht außer Frage. (SERVICE: Der Tabellenrechner)

SPORT1: Ist es für die Mannschaft nicht auch ganz gut, dass Trainer Jürgen Klopp manchmal als eine Art Blitzableiter fungiert?

Weidenfeller: Absolut. Der Trainer weiß genau, wann er etwas zu sagen hat, wann er den Druck von der Mannschaft nimmt und die Öffentlichkeit auf sich fokussiert. Das hat uns schon in den letzten Jahren sehr geholfen. Jürgen Klopp ist ein Fachmann durch und durch.

SPORT1: Was würde es für den Verein Borussia Dortmund bedeuten, mit dieser jungen Mannschaft Meister zu werden, gerade im Vergleich zu 2002, als die Voraussetzungen und die Struktur des Kaders mit vielen Stars ganz anders waren?

Weidenfeller: Jeder Titelkampf hat etwas Eigenes. Man kann diese Jahre und die beiden Mannschaften nicht vergleichen.

SPORT1: Sind die Erfolge, die Schalke 04 in dieser Saison in der Champions League hatte, ein zusätzlicher Anreiz für die kommende Saison?

Weidenfeller: Als Erstes ist es das Allergrößte, überhaupt in der Champions League zu spielen. Dass Schalke so weit gekommen ist, spricht für sich und ist eine ganz tolle Geschichte, für die man ihnen Anerkennung zollen muss. Wir schreiben unsere eigene Geschichte. Dieses Jahr in der Bundesliga und nächstes Jahr in der Champions League.

SPORT1: Sie haben nur 19 Gegentore in 31 Spielen kassiert. Was würde es Ihnen bedeuten, zusätzlich zur Meisterschaft die Bestmarke von Oliver Kahn, der bisher die wenigsten Gegentore in einer Saison (21) kassiert hat, zu verbessern?

Weidenfeller: Meine wichtigste Aufgabe ist es, die Mannschaft zum Titel zu führen. Was darüber hinaus passiert nehme ich natürlich freudig entgegen.

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