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Deja-Vu? Michael Ballack und Leverkusen patzen im Saisonendspurt © getty

Nach der Pleite im Rhein-Derby gegen Köln schießt Bayers Sportchef gegen Schiedsrichter Aytekin. Podolski mahnt in Richtung Finke.

Von Christoph Gschoßmann und Matthias Gante

Köln/München - Während der 1. FC Köln mit seinen Fans noch den "Big Point" im Abstiegskampf und den ersten Derbyheimsieg seit 14 Jahren feierte (Spielbericht), fielen in den Katakomben des Rheinenergie-Stadions derbe Worte.

Ein total frustrierter Rudi Völler ließ nach der bitteren 0:2 (0:0)-Niederlage im Prestigeduell beim rheinischen Rivalen 1. FC Köln über Schiedsrichter Deniz Aytekin aus.

"Pfeif doch Frauenfußball! So ein Mist, jeden Mückenstich pfeift der, das ist unfassbar", echauffierte sich der Sportchef von Bayer Leverkusen.

"Der soll aufhören mit Fußball pfeifen", schickte Völler gegenüber SPORT1 hinterher 391037(DIASHOW: Der 32. Spieltag).

"Aytekin hatte nicht seinen besten Tag"

Die Enttäuschung saß tief in Leverkusen. Dennoch sah Völler Aytekin, der Leverkusen unter anderem einen klaren Handelfmeter verweigerte, nicht als Alleinschuldigen der bitteren Derby-Pleite.

"Wir hätten es gerne spannend gehalten. Aber wenn man seine Chancen nicht nutzt, dann verliert man das Spiel", so Völler.

Bayer-Boss Wofgang Holzhäuser blies ins selbe Horn, formulierte seine Kritik an Aytekin aber diplomatischer:

"Wir hatten heute leider nicht das notwenige Quäntchen Glück mit dem Schiedsrichter, der nicht seinen besten Tag hatte."

Leverkusen zeigt Nerven

Der sichtlich angefressene Völler konnte sich dagegen einzig mit der Tatsache trösten, dass Bayer den zweiten Platz immer noch selbst in der Hand hat (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

"Nun müssen wir am Samstag gegen Hamburg die fehlenden Punkte holen, um die Qualifikation für die Champions League perfekt zu machen. Dann können wir von einer guten Saison reden", meinte der ehemalöige Teamchef.

Die Ereignisse wiederholen sich in Leverkusen - besonders trifft das auf Michael Ballack zu. Wie schon so oft zeigt seine Mannschaft in der entscheidenden Phase der Saison Nerven.

Ballack: "Wir müssen das negative Image loswerden"

Der Nationalmannschafts-Kapitän will dem endlich ein Ende setzen.

"Jeder weiß, dass Leverkusen eine hervorragende Vereinsstruktur hat. Wir müssen jetzt endlich mal den nächsten Schritt machen und einen Titel holen, damit wir das negative Image loswerden", erklärte der Mittelfeldspieler.

Er selbst hätte um ein Haar dazu beigetragen, die Titelchance zu wahren. Doch seinen Kopfball aus nächster Nähe parierte FC-Torwart Michael Rensing mit einer Glanzreaktion.

Finke-Kritik nur vor der Partie

Während auf Bayer-Seite Tristesse herrschte, feierten die Kölner Fans ihre Lieblinge, als hätten diese gerade den Titel gewonnen.

Nach zuvor drei deftigen Niederlagen und der Chaos-Woche mit dem Trainerwechsel von Publikumsliebling Frank Schaefer zum umstrittenen Volker Finke waren die Saisontreffer 15 und 16 von Torjäger Milivoje Novakovic (67. und 83.) Balsam auf die Kölner Wunden.

Das Kölner Publikum hatte mit Plakaten wie "Schäfer ist gut, von Overath bis Finke, nehmt endlich euren Hut" klar gemacht, auf wessen Seite es beim FC steht.

Von den Kritikern waren selbstredend nach dem Sieg nichts mehr zu hören.

"Ich bin nicht der Königsmörder"

Und Finke wehrte sich vehement gegen das Image, das ihm in den Medien aufgedrückt worden war:

"Ich bin nicht der Königsmörder, als der ich dargestellt werde. Ich bin sehr traurig wie mit der Wahrheit umgegangen wird. Es scheint in Köln einfach sehr ungewöhnlich zu sein, dass ein Sportdirektor auf dem Trainingsplatz steht. Aber das ist meine Aufgabe."

Auch FC-Kapitän Lukas Podolski äußerte sich zum Führungschaos "seines" Vereins.

"Ich hoffe, dass nun wieder etwas Ruhe einkehrt, denn die Unruhe der letzten Tage hätte auch in die andere Richtung losgehen können. Nun müssen wir in Frankfurt den Klassenerhalt perfekt machen", sagte Podolski vor dem Gastspiel beim Drittletzten mit dem ehemaligen FC-Coach Christoph Daum auf der Bank.

Podolski will aufräumen

Doch damit wäre für den Nationalspieler die Saison noch lange nicht abgehakt. "Danach müssen wir den Laden nach vorne bringen", so Podolski.

"Wir müssen einen Schnitt machen, damit wir in der kommenden Saison nicht wieder um den Klassenerhalt bangen müssen", forderte er auch in Richtung von Finke, der als Übergangscoach zunächst aber nur das Minimalziel verfolgt.

"Wir sind noch nicht durch. Aber das war ein wichtiger Schritt. Mich hat vor allem gefreut, dass sich die Mannschaft sehr professionell präsentiert hat und als Einheit aufgetreten ist", dozierte der studierte Pädagoge, der bei einem Abstieg auch als Sportchef am Dom kaum zu halten wäre.

"Wir wollen nächste Woche den Klassenerhalt klar machen, dann können unsere Fans im letzten Heimspiel doch noch ein Fest feiern", gab sich Finke optimistisch.

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