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Hannovers Didier Ya Konan erzielte in dieser Saison bisher 13 Treffer © getty

Hannover geht die Puste aus. Gladbach stemmt sich gegen den Abstieg, doch der Machtkampf hinter den Kulissen tobt weiter.

Von Christian Stüwe und Jürgen Blöhs

München/Hannover - Als die Heimserie gerissen war, schlichen die Spieler mit hängenden Köpfen vom Platz.

Die letzten fünf Spiele hatte Hannover 96 im eigenen Stadion gewonnen, doch bei der 0:1-Niederlage Borussia Mönchengladbach (Bericht) fanden die Niedersachsen über die komplette Spielzeit nicht zu ihrer gewohnten Stärke. 391037(DIASHOW: Der 32. Spieltag)

Dem Überraschungsteam der Saison geht auf der Zielgeraden offenbar die Puste aus.(DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

"Es gibt keine Mannschaft, die 34 Spieltage auf dem gleichen Niveau spielen kann", sagte Verteidiger Konstantin Rausch zu SPORT1:

"Wir waren heute nicht so gut. Aber das ist menschlich."

Im Abendspiel besiegte Bayern München Schalke 04 (Bericht) und zog erneut an 96 vorbei auf den dritten Platz, der zur Teilnahme an der Qualifikationsrunde zur Champions League berechtigt.

Trainer Mirko Slomka schenkte daraufhin das Rennen um die Champions League ab.

"Ich glaube nicht, dass Bayern jetzt noch irgendwo Punkte lässt", erkärte Slomka:

"Wir haben heute zuhause verloren, das ist ganz dramatisch für uns. Normalerweise sind wir extrem heimstark geworden. Ich glaube, dass die Bayern sich jetzt durchsetzen werden."

"In allen Belangen unterlegen"

Seit dem letzten Spieltag steht immerhin fest, dass Hannover in der kommenden Saison sicher in der Europa League spielen wird.

Für die 96-Spieler scheint damit das vorrangige Ziel erreicht zu sein. Gegen die stark aufspielenden Gladbacher fehlte der letzte Wille, um im Rennen mit dem Rekordmeister vorzulegen.

"Wir waren in allen Belangen unterlegen", gab Slomka zu.

Jan Schlaudraff schloss jedoch Nervenflattern als Grund für die schwache Leistung aus.

"Der Druck ist nicht größer geworden", erklärte der Stürmer bei SPORT1: "Er war sogar höher, als wir noch nicht für Europa qualifiziert waren."

Sportdirektor Jörg Schmadtke zeigte jedenfalls Verständnis: "Wir haben letzte Woche ein großes Ziel erreicht. Da kann schon mal eine Delle kommen."

Zieler lobt Gladbach

Ron-Robert Zieler suchte die Schuld für die Niederlage erst gar nicht bei der eigenen Mannschaft.

"Man muss auch mal den Gegner loben", sagte der 96-Torwart zu SPORT1: "Die Gladbacher haben heute ein richtig gutes Spiel gemacht."

Die Spieler der Borussia stemmen sich in beeindruckender Manier gegen den drohenden Abstieg, Marco Reus erzielte mit einem herrlichen Distanzschuss den Siegtreffer.

Borussia stellt Anschluss her

Nach dem Sieg gegen Dortmund war es der zweite Überraschungscoup der Elf von Trainer Lucien Favre innerhalb von einer Woche.

Nur noch zwei Punkte trennen die Gladbacher von Eintracht Frankfurt auf dem Relegationsplatz 16.

Doch hinter den Kulissen tobt der Machtkampf ohne Rücksicht auf Verluste weiter.

Nur wenige Minuten nach Abpfiff griff Sportdirektor Max Eberl die "Initiative Borussia" um Stefan Effenberg heftig an.

Eberl kritisiert Opposition

"Angeblich geht es allen immer nur um Borussia. Das ist zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt bekannt gemacht worden", sagte Eberl in Richtung der vereinsinternen Opposition.

Diese hatte unter der Woche offiziell angekündigt, die bisherige Führung stürzen zu wollen: "Meiner Meinung nach wurde das bewusst gemacht, um Unruhe zu schüren."

Kurz vor dem Spiel hatte sich auch der frühere Profi und Trainer Horst Köppel der Initiative angeschlossen.

Köppel wird als Präsidentschaftskandidat gehandelt, "Effe" soll als Sportdirektor Eberl ablösen.

Reus hat kein Interesse an "Effes" Aktivitäten

"Mich interessiert das nicht, was Effe macht", hatte der überragende Siegtorschütze Marco Reus auf die Unruhe im Umfeld reagiert.

Und auch alle anderen Beteiligten wiesen Einflüsse auf die sportlichen Belange weit von sich.

"Ich konzentriere mich nur auf meinen Job", sagte Trainer Lucien Favre, unter dem die Borussia vor allem in der Defensive endlich zu Stabilität gefunden hat.

In der Hinrunde waren die Gladbacher noch die "Schießbude der Liga", gegen Hannover ließ die Abwehr keine ernsthafte Chance zu.

Lob von Favre

"Das Vertrauen kommt langsam. Die Mannschaft arbeitet gut, hart und konzentriert. Sie geht gut mit dem Druck um", sagte Favre, der mit seinem Team am kommenden Samstag gegen den SC Freiburg antreten muss.

Am 14. Mai reisen die Gladbacher dann zum Hamburger SV.

"Die Spieler haben viel Überzeugung, den Abstieg zu verhindern", sagte Favre zur Einstellung seines Teams.

Doch er weiß auch: "Wir müssen unbedingt gegen Freiburg gewinnen. Egal gegen wen, wir müssen Punkte machen, sonst sind wir tot."

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