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Hugo Almeida (M.) beglückwünscht den dreifachen Torschützen Pizarro (l.) und Diego © getty

Obwohl Werder ein überzeugender Sieg gegen Frankfurt gelingt, will Trainer Thomas Schaaf noch nicht von der Wende sprechen.

Von Christian Stüwe

München - Von einer Wiedergutmachung zu sprechen wäre sicherlich übertrieben, aber Werder Bremen hat mit dem 5:0 (3:0)-Sieg gegen Eintracht Frankfurt einen ersten Schritt aus der Krise gemacht.

Fast wie in guten Zeiten spielten die Bremer schnell und mit guten Kombinationen nach vorne und hatten mit dem dreifachen Torschützen Claudio Pizarro (11., 20. und 62.) den überragenden Spieler in ihren Reihen.

Doch Thomas Schaaf wäre nicht Thomas Schaaf, würde er den Erfolg gegen die schwachen Gäste überbewerten: "Diese Leistung muss jetzt konstant werden, erst dann wird es auch wieder ruhiger um die Mannschaft herum."

In der Tat taugt das Spiel jedoch nur sehr bedingt als Gradmesser für die wirkliche Form der Bremer, war die Gegenwehr der Frankfurter doch spätestens nach dem 0:3 durch Diego (44./Foulelfmeter) gebrochen.

Nach dem 2:2 gegen Famagusta, dass das Aus in der Champions League bedeutete, erlebten die Norddeutschen einen geruhsamen Nachmittag und konnten Selbstbewusstsein tanken.

"Schon lange kein so entspanntes Spiel mehr"

"Wir haben schon lange nicht mehr so ein entspanntes Spiel gehabt, wo wir über 90 Minuten komplett gut gespielt haben", freute sich Per Mertesacker.

Der Nationalspieler ordnete den Sieg als Befreiung ein: "In so einer Krise, die auch hoch geschrieben wird, ist es nicht leicht, eine Antwort auf dem Platz zu geben."

Doch den Bremern gelang die Antwort in einer Art und Weise, die auch dem nach wie vor skeptischen Schaaf gefiel.

"Sehr erfreulich war, dass diesmal der Kombinationsfluss vorhanden war", erklärte der Trainer, für dessen Mannschaft Aaron Hunt (75.) den Endstand erzielte: "Wir hatten schöne Aktionen und wir haben schöne Tore geschossen, das hat Freude gemacht."

"Die Lebensfreude kommt zurück"

Besondere Freude dürfte Schaaf Pizarro gemacht haben, der seine Chancen eiskalt nutzte. "Wir wissen, was wir an ihm haben", fiel Schaafs Lob dennoch eher nüchtern aus.

Auch der Peruaner wollte seine Saisontore acht bis zehn nicht überbewerten. "Manchmal passieren eben drei Tore", erklärte Pizarro.

Im Gegensatz zum Trainer sah der Stürmer seine Mannschaft aber nun klar im Aufwind: "Endlich geht es aufwärts, nach einem solchen Spiel kommt die Lebensfreude zurück."

Bremen ist nun Siebter, in Karlsruhe und zu Hause gegen Wolfsburg kann die Bilanz bis zur Winterpause noch aufgebessert werden. (Spielplan)

Auch Manager Klaus Allofs gab sich vorsichtig optimistisch: "Die Form der einzelnen Spieler wird besser, deshalb bin ich zumindest verhalten zuversichtlich, dass wir solche Leistungen jetzt dauerhaft abrufen können."

Pröll findet kein Gehör

Von Optimismus war bei der Eintracht hingegen nichts zu spüren. Die deutlichsten Worte fand Torwart Markus Pröll (Spielerporträt) : "Ich habe in meiner Karriere selten eine Mannschaft erlebt, die so wenig Gegenwehr geleistet hat. Das war desolat."

Der Torwart ärgerte sich weiter: "Wir haben den Gegner spielen lassen, ohne uns zu wehren. Ich habe immer wieder geschrien, aber da kann man ja auch gegen eine Wand reden."

Die Achterbahnfahrt der Hessen setzt sich fort, nach dem 0:4 in Dortmund gelang ein 4:0-Sieg gegen Hannover, nun setzte es wieder eine deutliche Niederlage. "Die innere Bereitschaft hat gefehlt, das war eine ganz schwache Leistung", ärgerte sich auch Vorstandsboss Heribert Bruchhagen.

Ohne zehn verletzte Spieler kassierten die Frankfurter die höchste Bundesliganiederlage seit mehr als zwölf Jahren.

Bochum kommt nach Frankfurt

"Wir haben gesehen, dass wir gegen so gute Mannschaften die vielen Ausfälle nicht kompensieren können. Dass der eine oder andere dann auf Dauer überfordert ist, wussten wir", analysierte Trainer Friedhelm Funkel die Lage: "Trotzdem ist die Enttäuschung über die Leistung der Mannschaft riesengroß."

Funkel muss nun dringend Aufbauarbeit leisten, denn die Eintracht empfängt am nächsten Samstag den VfL Bochum.

Bei einer Niederlage würde die Mannschaft wieder in den Tabellenkeller abrutschen.

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