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Jubeln, das kennen sie: Die Hoffenheimer feiern ihr 3:0 über Bielefeld © getty

Das Bielefeld-Spiel ist fast vergessen - und Hoffenheim heizt schon forsch das Top-Duell bei den Bayern an. Auch wegen Beckenbauer.

Von Christian Paschwitz und Matthias Becker

München/Mannheim - Die Kampfansage kam verzögert, sozusagen als getarntes Kompliment - und vom "Kaiser" höchstselbst.

"Sie sind Erster, haben elf Siege und 40 Tore geschossen - das muss man erst mal nachmachen. Respekt.", zeigte sich Franz Beckenbauer im "Premiere"-Studio zunächst voll des Lobes über die neuerliche Gala von 1899 Hoffenheim beim 3:0 (2:0) über Arminia Bielefeld.

Dann aber fiel die Maske beim Bayern-Präsidenten: "Ich wage es zu bezweifeln, ob sie uns über 90 Minuten Paroli bieten können."

Ein erstes verbales Scharmützel, dem noch viele folgen dürften bis zum heiß erwarteten Direktduell zwischen den Bayern und Hoffenheims Himmelsstürmern am Freitag in der Allianz Arena.

Beckenbauer frotzelt

Was Beckenbauer an Angriffslust am Mikrofon versprühte ("Die Erfahrung spricht zugunsten des FC Bayern, auch vor so einer Kulisse. Das sind die Hoffenheimer nicht gewohnt"), hatte der Aufsteiger 1899 zuvor auf dem Platz eindrucksvoll umgesetzt:

Vor allem dank Vedad Ibisevic (5.): Der Ausnahme-Angreifer wandelt nach seinem 17. Treffer im 15. Saisonspiel klar auf den Spuren von Bundesliga-Rekordtorschütze Gerd Müller. Der Bayern-Bomber erzielte in der Saison 1971/72 40 Treffer.

Der Brasilianer Carlos Eduardo (11.) nach einem starken Solo und der eingewechselte Francisco Copado (89.) per Foulelfmeter (Spielerporträt) tüteten den elften Saisonerfolg endgültig ein und lassen Hoffenheim zum sechsten Mal von der Spitze grüßen.

Teber gibt sich forsch

Mehr noch: Entgegen Beckenbauers Aussagen wirkt die Elf von Coach Ralf Rangnick absolut gerüstet für das Kräftemessen mit dem Rekordmeister, der nach dem 2:0 in Leverkusen nach wie vor drei Punkte Rückstand hat.

Das kommunizieren sie im Kraichgau inzwischen auch selbstbewusst: "Wir fahren da hin, um zu gewinnen und wollen dort auch attackieren", sagte Kapitän Selim Teber nach nun acht Siegen aus neun Spielen.

Und Rangnick, sonst stets Leise-Treter im Hoffenheimer Höhenflug, erklärte: "Wenn wir couragiert auftreten, haben wir auch dort eine Chance. Momentan haben wir eine richtig gute Konstanz. Jetzt geht es darum, dieses in den nächsten 19 Spielen fortzusetzen." Das schließt einen Sieg in München mit ein.

Hoeneß auf Schmusekurs

Dass Bayern-Manager Uli Hoeneß anders als Beckenbauer bisher eher auf Schmusekurs geht im Titelkampf ("Hoffenheim ist unser stärkster Konkurrent"), sehen sie bei 1899 als Taktik.

"Dieses Spielchen kennen wir", meinte Marvin Compper (Spielerporträt) - und betreibt es kurioserweise selbst, indem der Neu-Nationalspieler das Gegenteil von dem verkündet, was seine Teamkollegen sagen: "Die Münchner haben mehr Länder- als wir Bundesligaspiele. Deswegen sind wir nicht auf Augenhöhe mit ihnen. Die Herbstmeisterschaft ist bei uns gar kein Thema."

Dabei ist dieser Titel fast sicher: Selbst bei einer Niederlage mit bis zu drei Toren Unterschied ginge der Neuling als Tabellenführer in den letzten Spieltag vor der Winterpause.

Auch Vorsah überragend

Das immerhin erkannte auch Beckenbauer an: Er sei überzeugt, "dass Hoffenheim am Ende der Hinrunde ganz vorne steht."

Ein Hinweis darauf gibt der Fakt, dass gegen die chancenlosen Arminen um Keeper Dennis Eilhoff ("Sie haben uns kaum Luft gegeben") auch der zweite Anzug bestens passte (Hoffenheims Kader):

Die Ausfälle der Leistungsträger Sejad Salihovic, Luiz Gustavo (beide gesperrt) und Chinedu Obasi (Knieblessur) machten vor allem die überragenden Teber und Isaac Vorsah vergessen. Mit überfallartigem Tempo-Fußball vom ersten Moment an, der diesmal schon nach etwas mehr als zehn Minuten die Vorentscheidung brachte.

"Die, die reinkommen, sind eben gut. Sie wissen, was sie zu tun haben", so Rangnick. "Außerdem ist der Teamgeist enorm. Von der Nummer eins bis zur Nummer 22 sind alle ein Teil dieser Mannschaft."

Frontzeck beeindruckt

Es passt ins Bild, dass Bielefelds Coach Michael Frontzeck hinterher sagte: "Hoffenheim ist für mich in der aktuellen Verfassung die beste deutsche Mannschaft."

Arminia-Abräumer Thorben Marx prophezeite für kommenden Freitag gar: "Das wird ganz schwer für die Bayern."

Ungeschminkt und als Kampfansage verpackte es Hoffenheims Mittelfeldmann Tobias Weis: "Wenn einer die Bayern schlagen kann, dann sind wir das."

Beckenbauer dürfte ihn zusätzlich gereizt haben.

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